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Heft zu jüdischem Leben: Alltag, Bräuche und Antisemitismus

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Josef Schuster
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild

Jüdisches Leben in Deutschland - viele denken dabei vor allem an die Verbrechen des Nationalsozialismus. Gut und richtig. Doch vom Alltag der Jüdinnen und Juden wissen viele nur wenig. Ein Themenheft aus Bayern will das ändern.

München - Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, hat eine positive Zwischenbilanz des Festjahres „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ gezogen. Es sei zwar kein Allheilmittel, um Antisemitismus zu bekämpfen, aber das Festjahr habe viele Menschen erreicht und sorge für zunehmendes Interesse, sagte Schuster am Dienstag in München. Dort wurde ein Themenheft der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit vorgestellt, das Einblicke in den Alltag von Jüdinnen und Juden geben will.

„Jüdisches Leben in Deutschland“ solle Verständnis dafür schaffen, dass jüdische Kultur ein fester, wichtiger und toller Bestandteil der deutschen Kultur sei, erläuterte Rupert Grübl, Direktor der Landeszentrale.

So warnt der Historiker Michael Brenner in einem Beitrag, jüdische Geschichte auf die Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu reduzieren. Der Münchner Universitätsprofessor äußert sich zu jüdischer Identität und zum Antisemitismus. „Die Vorstellung, dass er irgendwann einfach verschwinden würde, halte ich für etwas illusorisch. Was wir versuchen können, ist, ihn einzudämmen.“ Der Sänger Gil Ofarim erzählt, welche jüdischen Bräuche er seinen Kindern vermittelt - etwa das Kerzenanzünden am Chanukka-Fest. Und die Berliner Filmemacherin Alexa Karolinski schildert die Hintergründe der erfolgreichen Netflix-Serie „Unorthodox“, bei der sie mit am Drehbuch geschrieben und die sie auch produziert hat.

Insgesamt enthält die Zeitschrift zehn Beiträge. Sie erscheint anlässlich des Festjahres, das wegen der Corona-Pandemie bis Mitte 2022 verlängert wurde. Den Wert von Information und Aufklärung bestätigt Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle (CSU): „Nur, wenn ich was weiß, kann ich gegen das Gift der Dummheit und des Antisemitismus ein Stück weit mehr immun sein.“

Trotzdem gibt es noch viel zu tun, etwa im Schulunterricht. Das sei ein wunder Punkt, sagte Schuster. Es sei gut und wichtig, dass die Shoah mit allen Folgen ausführlich behandelt werde. Aber bei der Vermittlung der jüdischen Kultur vor 1933 und nach 1945 sehe er noch Defizite. Aktives jüdisches Leben habe es schon Jahrhunderte zuvor gegeben, ebenso nach dem Zweiten Weltkrieg. Das müsse in allen Schularten einen höheren Stellenwert bekommen. dpa

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