Devotionalien der Zeit des NS

130.000 Euro für Hitlers „Mein Kampf“: Umstrittene Nazi-Auktion erzielt erstaunliche Preise

Für diese Versteigerung gab es viel Kritik. In einem Auktionshaus im Landkreis München sind persönliche Gegenstände von Adolf Hitler und weiteren Nazi-Größen unter den Hammer gekommen.

  • In Grasbrunn fand am Mittwoch eine umstrittene Versteigerung von Nazi-Utensilien statt.
  • Interessenten aus aller Welt waren an den Devotionalien interessiert - 75 Prozent waren Museen.
  • Jüdische Organisationen forderten im Vorfeld eine Absage - Der Veranstalter erklärt, wieso er anderer Meinung ist.

Grasbrunn – Am Anfang machte Bernhard Pacher, Geschäftsfüher des Auktionshauses Hermann Historica in Grasbrunn (Kreis München), eine Ansage: „Ich möchte betonen, dass es absolut untersagt ist, Bild- oder Tonaufnahmen zu machen.“ Weder der Auktionator noch die Bieter dürften fotografiert werden. Denn die Versteigerung, die am Mittwoch stattfand, war höchst umstritten. Unter den Hammer kamen Nazi-Devotionalien wie Adolf Hitlers Zylinder, Kleidung von Hitlers Geliebter Eva Braun und viele persönliche Gegenstände von Nazi-Größen wie Hermann Göring, Ulrich Graf und Heinrich Himmler.

Über 500 Bieter hatten sich angemeldet. „Rund 75 Prozent davon sind Museen“, berichtet Pacher. Bei Bayerns Museen war die Nachfrage aber eher gering: Das Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg und das NS-Dokumentationszentrum in München beispielsweise haben kein Interesse an derartigen Objekten.

Nazi-Auktion in Grasbrunn: Die Gebote kamen aus aller Welt

Etwa 50 Interessenten waren persönlich zum Auktionshaus gekommen, weitere 50 steigerten über das Telefon mit und der Rest über das Internet. „Bis aus Asien kommen die Bieter“, sagte Pacher. Besonders groß sei die Nachfrage aber in den USA – dort stehe laut Pacher Einrichtungen wie Museen mehr Geld zur Verfügung, um Exponate zu erwerben.

Bei vielen Devotionalien schoss der Preis schnell nach oben. Häufig hatte der Auktionator, schwarzer Anzug, rote Krawatte, rotes Einstecktuch, schon vorab schriftliche Gebote vorliegen. So auch bei dem Faltzylinder von Adolf Hitler aus feinem schwarzen Seidentuch. Er stammt aus einem Koffer von Eva Braun und wurde in den 1970er-Jahren an einen Händler in den USA verkauft. Der Startpreis lag bei 12.500 Euro – am Ende zahlte ein Käufer 50.000 Euro dafür.

46.000 Euro erbrachte bei der Auktion ein Silberrahmen mit Hitler-Bild.

Noch teurer war eine limitierte Luxusausgabe von „Mein Kampf“ aus dem Besitz von Hermann Göring. Der Startpreis betrug 75.000 Euro, der Endpreis 130.000 Euro. Auch für Alltagsgegenstände zahlten die Bieter hohe Beträge: Ein blaugrüner Mantel von Eva Braun zum Beispiel ging für 6000 Euro weg, ein Brief von Hitler an seinen Jugendfreund August Kubizek für 80.000 Euro, Hitlers Mietvertrag für seine Münchner Wohnung für 6400 Euro und seine silberne Zigarrenkiste für 19.000 Euro. Insgesamt kamen bei der Versteigerung 842 Stücke unter den Hammer.

Absage der Nazi-Auktion? So wehrt sich das Unternehmen Hermann Historica

Im Vorfeld hatte die European Jewish Association (EJA), ein Zusammenschluss jüdischer Organisationen, gefordert, die Auktion abzusagen. „Mit einigen Dingen sollte man einfach keinen Handel treiben“, sagte Rabbi Menachem Margolin. Pacher hat ihm in einem Brief erklärt, wieso er das anders sieht: Die Gegenstände würden die „Banalität des Bösen“ zeigen, schrieb er. Außerdem würde ohne Auktionen ein Schwarzmarkt für Nazi-Besitztümer entstehen. Die Folge sei eine „großflächige Verbreitung von Fälschungen“ ohne Prüfung. 

6200 Euro war das Höchstgebot für das Olympia-Ehrenzeichen.

Zudem würden die Devotionalien nicht von Neonazis gekauft, sondern von Historikern, Wissenschaftlern und Sammlern. „Keiner verherrlicht die Nazi-Ideologie“, betonte er. „Und keiner will in einem Atemzug mit Neonazis genannt werden.“ Die Bieter mussten sich vorab registrieren und bestätigen, dass sie keine Propagandamittel verfassungswidriger Organisationen verbreiten. Auch Pacher machte vor Beginn der Auktion darauf aufmerksam.

Lesen Sie auch: Was hält der Großneffe von Adolf Hitler von Angela Merkel und Donald Trump? Der Besuch eines Reporters in den USA klärt das auf - und brachte ein bislang unbekanntes Detail zu Tage.

Rubriklistenbild: © dpa

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