Hochwasser: Situation weiter kritisch

Deggendorf: Gefahr, dass Dämme brechen

+
Treibgut schwimmt im Deggendorfer Ortsteil Fischerdorf im Hochwasser der Donau.

Deggendorf - Die Lage im vom Hochwasser schwer betroffenen Deggendorf ist weiterhin kritisch. Entspannung gibt es auf der Straße: Die A92 ist seit 6 Uhr wieder offen.

Langsam aber sicher zieht sich das Hochwasser im Freistaat zurück und die Pegelstände fallen. Wie der Hochwassernachrichtendienst (HND) am Freitag meldete, registrierten noch 41 von 239 bayerischen Pegeln Hochwasser. Vor allem auf der Donau bei Passau bleibt es bei Meldestufe 4.

Im Landkreis Straubing-Bogen entspannt sich die Lage mittlerweile. Die Einwohner aller evakuierten Ortschaften können sofort wieder in ihre Häuser zurückkehren. Auch der Polder Sulzbach könne wieder bezogen werden. Sämtliche Notunterkünfte im Landkreis werden aufgelöst. Die Lage sei zwar noch nicht endgültig entschärft, entspannt sich aber aufgrund der sinkenden Pegelstände. Die Feuerwehr überwacht die Deiche weiterhin im Zwei-Stunden-Rhythmus. Das Betretungsverbot für die Deiche und Deichhinterwege bleibe bestehen.

In Deggendorf ist die Lage hingegen weiterhin kritisch. Wie ein Sprecher des Landratsamtes am Freitag sagte, liege der Pegelstand momentan bei rund 7,60 Meter. „Wir hoffen, dass nichts mehr passiert. Es besteht aber immer noch die Gefahr, dass durchweichte Dämme brechen.“ Leichte Entspannung gibt es auf den Straßen: Die Autobahn 92 bei Deggendorf ist seit 6 Uhr wieder geöffnet, wie ein Sprecher der Polizei sagte. Die A3 sei hingegen im Hochwassergebiet weiter gesperrt - Brummifahrer aus Osteuropa müssen immer noch in der Turnhalle ausharren.

In Passau sind seit 8.30 Uhr wegen Aufräumarbeiten die Zufahrt in die Innenstadt über die Gottfried-Schäffer-Straße, Innbrücke und Kapuziner Straße gesperrt. Nur Fußgänger und Radfahrer können passieren. Doch es gibt auch positive Nachrichten: Über 35 Straßen, die inzwischen nicht mehr überflutet sind, konnten wieder ans Stromnetz angeschlossen werden. In Straubing konnten einige Menschen wieder zurück in ihre Wohnungen.

Ist vielleicht ein Missmanagement beim deutschen Hochwasserschutz Schuld an diesen Problemen? Aus Sicht Österreichs schon. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP), sagte, er wolle nicht von Fehlern sprechen, fügte aber hinzu: „Ich glaube, es waren langfristige Fehlentwicklungen, die auch teilweise vorher Experten mitgetragen haben.“ Dass es günstig sei, Flüsse in Korsette zu zwingen oder auf Auengebiete zu verzichten, habe sich mittlerweile als „eher gewagte Überlegung“ herausgestellt.

Überschwemmungswasser kann Infektionen auslösen

Helfer und Betroffene warnt die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) unterdessen mit Blick auf die Überschwemmungen vor Infektionen und Verletzungen durch Keime im Trinkwasser und verunreinigten Schlamm. Weil in Hochwassergebieten das Trinkwasser durch Abwasser aus Kläranlagen verschmutzt sein kann, empfiehlt sie, das Trinkwasser abzukochen. Das sei vor allem für Säuglinge, Kleinkinder, kranke und ältere Menschen wichtig, teilte die KKH am Freitag in Rosenheim mit. Zudem sollte bei den Aufräumarbeiten Schutzkleidung getragen werden, damit die Haut nicht mit Wasser und Schlamm in Berührung kommt. Ausgelaufene Heizöl- und Flüssiggastanks sowie Putzmittel, Farben, Lacke oder auch Säuren könnten durch das Hochwasser in Kellern ausgelaufen sein und das Wasser verunreinigt haben.

Schauer und Gewitter ab Freitagnachmittag

Hier geht's zum aktuellen Wetter in Ihrer Region

Dem Deutschen Wetterdienst zufolge steigt am Freitagnachmittag die Neigung zu Schauern und Gewittern. Für das Wochenende werden heftige Unwetter angekündigt. „Bis Sonntag nimmt das Gewitterrisiko deutlich zu - und zwar überall. Das werden in unserem Sprachgebrauch Unwetter“, sagte Meteorologe Volker Wünsche am Freitag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in München. Die Gewitter brächten örtlich innerhalb kürzester Zeit mehr als 35 Liter pro Quadratmeter Regen mit sich und „das kann auch durchaus mehr sein“. Besonders schwierig werde der Zeitraum von Sonntagnachmittag bis zum Montag. Da sei es möglich, dass innerhalb von nur zwölf Stunden Niederschläge von mehr als 40 Litern pro Quadratmeter fallen. „Da kommt wirklich wieder was auf uns zu.“ Wegen der zu erwarteten Niederschläge geht der HND davon aus, dass am Montag die Pegelstände in den betroffenen Oberläufen wieder leicht steigen und Felder und Wiesen überflutet werden können. Unklar ist außerdem, ob die ohnehin schon aufgeweichten Dämme erneute Regenfälle aushalten.

Schock-Fotos: Land unter in Deggendorf

Schock-Fotos: Land unter im Kreis Deggendorf

Die Auszahlung der finanziellen Soforthilfen für Hochwasseropfer läuft unterdessen auf Hochtouren. Im extrem betroffenen Landkreis Deggendorf etwa seien schon rund 400.000 Euro abgerufen worden, sagte Finanzminister Markus Söder (CSU) am Freitag in München. Privathaushalte bekommen auf Antrag 1500 Euro, kleine Unternehmen bis zu 5000 Euro, in besonderen Härtefällen sogar noch mehr. Der Freistaat hatte deshalb von dem beschlossenen 150-Millionen-Euro-Hilfspaket bereits am Mittwoch die ersten 42 Millionen Euro an die betroffenen Landratsämter überwiesen. Davon gingen laut Söder allein 20 Millionen nach Niederbayern. Dem Bezirk seien aber bereits weitere 20 Millionen in Aussicht gestellt worden.

Lesen Sie auch: Hochwasser - So können Sie Flutopfern helfen

Hermann Waas vom Wasserwirtschaftsamt Deggendorf prangerte an: "Im Hinblick auf das jetzige Hochwasser sind die Deiche zu niedrig. Die Deiche bieten Schutz gegen ein Hochwasserereignis, wie es etwa alle 20 bis 30 Jahre eintritt." Seiner Einschätzung nach handele es sich beim jetzigen Hochwasser um eines, das alle 50 Jahre vorkomme. Technisch seien die Deiche in gutem Zustand.

„Das vorhandene Hochwasserschutzsystem an der Donau wurde in den Jahren 1927 bis 1957 errichtet“, heißt es auf der Internetseite des Bundesverkehrsministeriums. Dieser Schutzgrad entspreche aber nicht mehr den aktuellen Anforderungen. „Auch der bauliche Zustand der Deiche entspricht oftmals nicht den Regeln der Technik; bei hohen Wasserständen ist sogar die Standsicherheit der Deiche gefährdet.“

FC Bayern: Benefizspiel in Passau für Hochwasseropfer

Der FC Bayern München will demnächst in Passau zu einem Benefizspiel zugunsten der Hochwasseropfer antreten. „Gerade unsere Mannschaft hat in den vergangenen Wochen und Monaten so viel Unterstützung und Rückhalt aus der Bevölkerung erhalten - angesichts der dramatischen Bilder aus den Hochwassergebieten wollen wir nun etwas zurückgeben“, äußerte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Freitag in einer Mitteilung des Fußball-Spitzenclubs. Die Partie gegen eine Regionalauswahl aus Passau solle „zeitnah“ und gänzlich ohne Gage für den Rekordmeister ausgetragen werden, hieß es. Die Einnahmen sollen den Flutopfern zugutekommen.

Außerdem spendet der Autozulieferer ZF Friedrichshafen AG eine Million Euro an die Flut-Opfer in Passau. Der Betrag gehe jeweils zur Hälfte an die Stiftung der „Passauer Neuen Presse“ sowie an den ZF-Hilfe Unterstützungsverein Passau, teilte das Unternehmen mit.

Versicherungskammer rechnet mit Millionenschaden

Die Versicherungskammer Bayern muss nach dem dramatischen Hochwasser in Bayern nach ersten Schätzungen Schäden im mittleren zweistelligen Millionenbereich begleichen. Wie ein Sprecher des Unternehmens sagte, rechne er damit, dass die bei der Versicherungskammer versicherten Schäden sich auf rund 40 Millionen Euro summieren werden. Wie hoch die Hochwasserschäden im Freistaat insgesamt ausfallen werden, lässt sich bisher aber nicht sagen. Kunden der Versicherungskammer müssen dem Sprecher zufolge auch nicht mit einer Kündigung ihrer Verträge nach der Schadensregulierung rechnen.

dpa

Auch interessant

Meistgelesen

Bombe bei der Regensburger Uni gefunden
Bombe bei der Regensburger Uni gefunden
Porsche fackelt auf A8 ab
Porsche fackelt auf A8 ab
Nach dem Dauerregen wird es wieder hochsommerlich
Nach dem Dauerregen wird es wieder hochsommerlich
Drei Tote bei Autounfall im Allgäu - ein Mitfahrer im Kofferraum 
Drei Tote bei Autounfall im Allgäu - ein Mitfahrer im Kofferraum 

Kommentare