Inzest-Prozess: Vorwürfe gegen Behörden

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Der Angeklagte im Schwurgerichtssaal im Landgericht Nürnberg-Fürth.

Nürnberg/Willmersbach - Im Zusammenhang mit dem Inzest-Fall im fränkischen Willmersbach sollen die Behörden bereits Anfang der 1990er von einem entsprechenden Verdacht gewusst haben.

Sie hätten jedoch abgelehnt, den in der Bevölkerung kursierenden Gerüchten nachzugehen, berichtete ein Zeuge am Dienstag im Nürnberger Inzestprozess. In dem Prozess vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth muss sich ein 69 Jahre alter Rentner verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, seine Tochter rund 500 Mal vergewaltigt zu haben. Er hat drei Kinder von ihr, zwei von ihnen sind bereits gestorben. Der Rentner selbst spricht von einvernehmlichem Sex.

Bilder aus dem Gerichtssaal

Inzest-Prozess wird fortgesetzt

Ein Hobby-Jäger aus Diespeck (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) berichtete vor der Großen Strafkammer, er habe bereits Anfang der 90er Jahre eine Mitarbeiterin des Landratsamtes mit den Gerüchten konfrontiert, die Kinder der heute 46-Jährigen stammten vom Vater. Die Behördenmitarbeiterin habe daraufhin auf die Angaben der Tochter verwiesen, wonach die Kinder von verschiedenen nicht genannten Männern stammten. Sie sehe keinen Anlass, den Gerüchten nachzugehen - schon weil die Familie des Beschuldigten als sehr aggressiv und gewalttätig gelte, zitierte der Zeuge die Mitarbeiterin des Landratsamtes.

Auch nach Aussagen anderer Zeugen kursierten seit Mitte der 1980er Gerüchte in der Region Willmmersbach, dass der Vater regelmäßig Sex mit seiner Tochter habe. In einigen Gerüchten sei auch von Vergewaltigungen die Rede gewesen. Keiner der Zeugen hat jedoch Vater und Tochter direkt bei intimen Kontakten beobachtet. Lediglich der Hobby-Jäger berichtete von einem Fall am Jahresende 2010, bei dem er das Auto der Tochter auf einem abgelegenen Feldweg bei Mailach entdeckt hatte. Darin hätten Vater und Tochter zusammen auf dem Autorücksitz gesessen. Ob sie dabei Sex gehabt hätten, habe er allerdings nicht genau sehen können.

dpa

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