Isar-1-Aus wird mit gemischten Gefühlen gesehen

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Essenbach/Niederaichbach - Die geplante Abschaltung des Atomkraftwerks Isar 1 in Niederbayern wird in der Region mit gemischten Gefühlen aufgenommen.

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Merkel: Isar 1 wird abgeschalten

Die Atomkraft spaltet die Menschen in Niederbayern seit Jahrzehnten. Jüngst wetterten Demonstranten gegen den “Schrottreaktor“ Isar 1, früher zog der ehemalige Landshuter Oberbürgermeister und langjährige bayerische Städtetags-Chef Josef Deimer unentwegt gegen die von seiner CSU propagierte Kernkraft zu Felde: “Sie können doch nicht Feuer und Flamme sein, wenn Plutonium mit einer Halbwertszeit von 1000 Generationen produziert wird“, sagte Deimer einmal.

Andere sahen die Meiler Isar 1 und 2 vor den Toren Landshuts hingegen als sicheren Arbeitsplatz für rund 700 Menschen. Doch das Ende der beiden Atomblöcke ist eingeläutet: Isar 1 soll nach der Katastrophe in Japan umgehend vom Netz und auch nie wieder angefahren werden - so will es jedenfalls die bayerische Staatsregierung. Auch nach dem früheren rot-grünen Ausstiegsplan hätte Isar 1 Mitte 2011 abgeschaltet werden müssen. Die Bürger in den umliegenden Gemeinden sehen das Aus des 34 Jahre alten Kraftwerks mit gemischten Gefühlen.

Sein Amtskollege Fritz Wittmann aus dem benachbarten Essenbach sieht das mögliche Aus für Isar 1 nach eigener Aussage neutral. Eine Abschaltung sei letztlich eine politische Entscheidung. “Wenn man es nicht mehr verantworten kann, dann muss man es abschalten - keine Frage.“ Wittmann ist von den Freien Wählern, die sich ohnehin bereits für eine Stilllegung des Kraftwerks ausgesprochen hatten. “Ich habe die Laufzeitverkürzung und die Laufzeitverlängerung zur Kenntnis genommen, ich nehme auch dies zur Kenntnis“, meinte Wittmann. “Ich habe auch kein Problem damit.“ Allerdings würden sicherlich einige seiner Mitbürger ihren Job verlieren.

Die Auswirkungen auf die Arbeitsplätze werden allerdings nach Angaben des Betreibers Eon nicht so dramatisch sein. Es sei nicht mit einer Fabrikschließung vergleichbar, bei der von heute auf morgen die Menschen auf der Straße stehen, sagte Kraftwerkssprecher Johann Seidl. “Wir brauchen die Leute noch für den geordneten Weiterbetrieb, auch wenn die Anlage abgeschaltet ist.“ Ein großer Teil der Belegschaft werde auch für den Abriss benötigt. Und diese Demontage der Anlage könne bis zu zehn Jahren dauern. Zudem könnten die Ingenieure auch in anderen Bereichen bei Eon arbeiten, erklärte Seidl.

Dennoch verfolgten die Isar-1-Beschäftigten die aktuelle Diskussion mit Unverständnis. “Natürlich verärgert das die Mitarbeiter sehr“, meinte Seidl. “Rein technisch oder rational betrachtet versteht das keiner.“

Im Isartal wurde schon einmal ein AKW abgebaut

Für den Standort ist der voraussichtlich mehrere hundert Millionen Euro teure Abriss keine Premiere. In unmittelbarer Nähe von Isar 1 verschwand bereits zwischen 1987 und 1995 ein Atommeiler - zurück blieb eine Wiese. Das Kernkraftwerk Niederaichbach wurde damals als weltweit erstes Atomkraftwerk komplett aus der Landschaft entfernt.

Dieses aus heutiger Sicht relativ kleine Kraftwerk war von den 1960er-Jahren an gebaut worden und erwies sich als kapitale Fehlkonstruktion. Nach nur 18 sogenannten Volllast-Tagen wurde der Meiler schon 1974 wieder stillgelegt. Nach einem Jahrzehnt begann dann der Abriss der Atomruine. Die Kosten des Abbruchs beliefen sich auf 280 Millionen Mark (rund 143 Millionen Euro). Der Bau hatte lediglich 232 Millionen Mark (etwa 119 Millionen Euro) gekostet.

dpa

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