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Kar- und Ostertage im Schatten des Krieges

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Bemalte Ostereier
Zwei Kinder halten einen Palmbuschen mit bemalten Ostereiern in den Händen. © Sven Hoppe/dpa/Symbolbild

Nach zwei Jahren Einschränkungen wegen der Pandemie feiern die Christen in Bayern wieder Ostern ohne große Corona-Regularien. Zum „Alleluja, Jesus lebt“ gesellen sich aber die brennenden Fragen nach Leid, Krieg und Frieden.

Bamberg/München - Die Kar- und Ostertage stehen bevor - und in den bayerischen Kirchen wird der Ukraine-Krieg in vielen Predigten eine große Rolle spielen. „Ich wüsste kein anderes Fest, das ich in diesen Tagen lieber feiern möchte als das Osterfest. Ostern ist ein Fest der Freude und der Hoffnung. Aber es verdrängt das Leid nicht. Denn zum christlichen Osterfest gehört der Karfreitag dazu“, sagte der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. „Der Mann, in dem wir als Christen Gottes menschliche Gestalt sehen, stirbt mit einem Schrei der Gottesverlassenheit als Folteropfer am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!““

Das sei der Schrei, der jetzt auch in den U-Bahnschächten von Kiew und den Ruinen von Mariupol zu hören ist. „Aber Gott hatte Jesus nicht verlassen. Gott - das glauben wir Christen - hat Jesus von den Toten auferweckt. Aus dieser Hoffnung dürfen auch wir leben.“ Außerdem betonte Bedford-Strohm: „Es wird in diesem Jahr ein trotziges Osterfest werden. Aber wir werden es feiern.“

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sagte vor dem höchsten Fest der Kirche: „Der Krieg in der Ukraine lässt uns derzeit bitten, dass der Friedensgruß des Auferstandenen bei uns Wirklichkeit bleibt und dort wieder wird.“ Man dürfe Ostern in diesem Jahr die Hoffnung auf Frieden haben. „Jesus Christus soll der Ukraine und allen Nationen den Frieden schenken. Wir flehen zu ihm, dass er den Rückzug der russischen Truppen und das Schweigen der Waffen bewirkt, damit Friedensverhandlungen beginnen können, die Rückkehr der Geflüchteten möglich wird und alle Ukrainerinnen und Ukrainer ihr familiäres, berufliches und gesellschaftliches Leben friedvoll wieder aufnehmen und führen können.“

Zugleich mahnte er: „Wir müssen den Frieden herbeibeten, herbeisehnen und auch durch entsprechendes Handeln herbeiführen. Dazu gehören auch die Sanktionen der Politik gegen Russland, aber auch unsere Bereitschaft, deren Folgen im Gas- und Ölsektor, in der Lebensmittel- und Gebrauchsgüterversorgung mitzutragen.“

Zwei Jahre lang prägten die Corona-Einschränkungen auch die Ostergottesdienste der Kirchen. Zu Beginn der Pandemie 2020 fanden an den Kar- und Ostertagen gar keine Präsenz-Gottesdienste statt. Im vergangenen Jahr dann konnten die Gläubigen wieder in die Kirchen kommen, allerdings mit Abstand und FFP2-Maske, und das gemeinsame Singen war verboten. Staatlicherseits gibt es inzwischen keine Einschränkungen mehr, was den Infektionsschutz in den Gotteshäusern angeht. Die katholischen Bistümer und die evangelische Landeskirche empfehlen aber weiterhin das Tragen von FFP2-Masken, sofern kein Mindestabstand eingehalten werden kann. Eine Begrenzung der Teilnehmerzahlen an Gottesdiensten gibt es aber nicht mehr - theoretisch wäre also wieder volles Haus möglich. In den katholischen Kirchen werden auch die Weihwasserbecken wieder gefüllt.

Von Donnerstag an erinnern Christinnen und Christen in ihren Gottesdiensten an Leiden, Tod und Auferstehung Jesu. Am Gründonnerstag steht das letzte Abendmahl im Mittelpunkt, es folgen Kreuzweg und Tod Jesu am Karfreitag - und schließlich die Auferstehungsfeier in der Nacht zum Sonntag oder am frühen Sonntagmorgen. dpa

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