Katholiken klagen über schlecht bezahlte Jobs

Nürnberg - Angesichts der wachsenden Zahl schlecht bezahlter und unsicherer Jobs in Deutschland haben bayerische Katholiken eine Kurskorrektur in der Arbeitsmarktpolitik verlangt.

Leiharbeit sollte ebenso wie 400-Euro-Jobs oder der Einsatz von Werkverträgen auf das betrieblich notwendige Maß beschränkt werden, forderte das bayerische Landeskomitee der Katholiken in einer am Donnerstag in Nürnberg veröffentlichten Streitschrift. Viele katholische Laien seien wegen der wachsenden Zahl sogenannter prekärer Arbeitsplätze in großer Sorge.

Das normale Arbeitsverhältnis mit einer angemessenen Entlohnung und unbefristeter Beschäftigung müsse wieder zur Regel werden, forderte der Vorsitzende des Landeskomitees, Albert Schmid. Derzeit liege dessen Anteil an allen Arbeitsplätzen nur noch bei 60 Prozent. Es könne nicht sein, dass Menschen in sogenannten prekären Beschäftigungsverhältnissen nicht mehr vorausschauend ihr Leben planen könnten. „Wer prekär beschäftigt ist, wird beispielsweise weniger bereit sein, eine Familie zu gründen“, gab Schmid zu bedenken.

Der Chef der katholischen Laienorganisation beklagte zudem die starke Ausweitung der Leiharbeit; derzeit stünden zwischen 800 000 und einer Million Männer und Frauen bei Zeitarbeitsunternehmen unter Vertrag. „Die Leiharbeit, die eigentlich mal helfen sollte, Auftragsspitzen abzubauen, entwickelt sich mehr und mehr zu einem dauerhaft angewandten Instrument“, kritisierte Schmid; er hatte bis zum vergangenen Jahr das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg geleitet.

Nach Schmids Angaben steht die katholische Laienorganisation in dieser Frage bereits im Dialog mit der Amtskirche. So habe es unlängst Gespräche mit der Freisinger Bischofskonferenz dazu gegeben. „Es ist Zeit für ein gemeinsames Wort der Kirche zur Wirtschafts- und Sozialpolitik. Wir müssen das zum gesamtkirchlichen Gegenstand machen und zum Gegenstand der Ökumene“, unterstrich er.

Der Vorsitzende des zuständigen Ausschusses im Landeskomitee, Franz Prast, sprach sich für eine stärkere „Balance zwischen Flexibilität und Stabilität“ auf dem Arbeitsmarkt aus. Arbeitnehmer müssten heute zwangsläufig flexibiler sein als vor zehn Jahren. „Inzwischen hat das Pendel aber zu unstabilen Beschäftigungsverhältnissen ausgeschlagen“, sagte Prast, der bis zum Beginn seines Ruhestandes im Vorstand der bayerischen Bundesagentur-Regionaldirektion gesessen hatte. „Zwischen die Arbeitsbesitzer und die Arbeitslosen schiebt sich immer mehr die Gruppe der prekären Beschäftigten.“

dpa

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