Keine Sicherungsverwahrung - Doppelmörder kommt frei

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Gerhard B. hat seine Ehefrau sowie seine Geliebte ermordet.

Bayreuth - Der Coburger Doppelmörder Gerhard B. ist ab Anfang April ein freier Mann. Das Landgericht Bayreuth lehnte am Mittwoch die nachträgliche Sicherungsverwahrung des Frauenkillers ab - gegen die Empfehlung der Gutachter.

Als Marcel W. (24) am Mittwoch Morgen die Zeitung aufschlug, blickte er ins Gesicht jenes Mannes, der ihm das Wichtigste im Leben genommen hatte: Gerhard B. (55) hatte 1996 Marcels Mutter Ramona S. (26) erwürgt – nicht mal ein Jahr nach seiner Haftentlassung wegen eines anderen Tötungsdelikts.

Um zu verhindern, dass der Coburger Maler im April nach Verbüßung seiner Haftstrafe auf freien Fuß kommt, nahm Altenpfleger Marcel den schweren Gang ins Bayreuther Gericht auf sich. „Ich bin es meiner Mutter schuldig, alles zu tun, dass er drin bleibt“, sagte er den sichtbar beeindruckten Richtern, die über die Verhängung der nachträglichen Sicherungsverwahrung für den zweifachen Frauenkiller beraten.

Doch sein Einsatz war vergebens: Am Nachmittag lehnten die Richter den Antrag auf Sicherungsverwahrung ab! Gerhard B. ist damit bald frei. Die Entlassung ist zwischen 27. März und 4. April vorgesehen! Noch am Mittwochmorgen hatte der forensische Psychiater Prof. Norbert Nedopil dem Mann ein erhebliches Rückfallrisiko attestiert. Er sei nach wie vor nicht fähig, Beziehungskonflikte angemessen zu bewältigen. Das sah selbst der Verteidiger von Gerhard B. so.

Dennoch forderte er die Freilassung seines Mandanten nach 20 Jahren hinter Gittern. Man müsse eben verhindern, dass er wieder eine Beziehung eingeht, war seine lapidare Empfehlung. Marcel W. hat bis heute Angst vor dem Mann, der ihm mal ein liebevoller Ersatzpapa war. Seine Mutter hatte sich gerade von seinem leiblichen Vater getrennt, der ihn misshandelt hatte. Doch das neue Glück mit Gerhard B. währte nicht lang. Zu Silvester 1995 offenbarte ihm Ramona S., dass sie zu ihrem Ex zurückkehren wolle. Ihr Todesurteil!

„Ich habe sie ja gefunden“, sagte Marcel über den schlimmsten Augenblick seines Lebens. Seine Mutter lag erwürgt und in der Badewanne. „Das verfolgt mich bis heute.“ Er hat seit seinem achten Lebensjahr keine Wanne mehr benutzt, war lange auf psychologische Hilfe angewiesen. Als er nun hörte, dass Gerhard B. freikommen soll, kamen seine Urängste wieder hoch: „Wer garantiert, dass er es nicht ein drittes Mal tut? Oder dass er bei uns vor der Tür steht?“

An dieser Stelle bat Gerhard B.’s Anwalt ums Wort: Sein Mandant werde keinen Kontakt zu dem jungen Mann aufnehmen und Bayreuth verlassen. Als das Gericht Marcel daraufhin fragte, ob damit zumindest seine schlimmsten Zweifel beseitigt seien, sagte dieser: „Ja, damit kann ich einen Schritt nach vorne machen.“

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