Kirchenmesse: Von Nerven-Keksen bis Digital-Orgel

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Eine Ordensschwester nimmt auf der Kirchenmesse "Gloria" in Augsburg Platz auf einer beheizten Kirchenbank.

Augsburg - Eine neue Orgel gefällig? Eine Luther-Figur in Zwergengröße? Oder vielleicht doch lieber Jesus aus Gips? Erstmals ist die Kirchenmesse “Gloria“ in Deutschland.

Beheizte Sitzpolster für Kirchenbänke, Frühstücksbrettchen mit Bibelversen oder ganz klassisch ein Rosenkranz - die Kirchenmesse “Gloria“ zeigt Fachbesuchern und christlich Interessierten Trends und Altbewährtes. Mehr als 90 Aussteller präsentieren noch bis Samstag auf dem Augsburger Messegelände ihre Angebote. Die “Gloria“ ist zum ersten Mal in Deutschland, bislang wurde sie in Österreich ausgerichtet.

Mit dabei ist auch die Antiquitätenhändlerin Betty Berger. Sie wollte einmal Messeluft schnuppern - sonst steht sie in ihrem kleinen Augsburger Laden. Liebevoll streicht sie über ihre Jesus- und Maria-Figuren aus Gips und Holz. Besonders gut gingen die älteren, die mit den strengen, ausdrucksstarken Gesichtern. “Meine Pfarrer wollen alle alte Sachen“, erzählt sie. “Nicht so ein Babygesicht“, sagt Berger und zeigt auf einen pausbäckigen Engel.

Im Eingangsbereich der Augsburger Halle stehen gleich rund 100 Charakterköpfe: Ein Meter hohe Luther-Figuren aus Kunststoff in Purpurrot, Kobaltblau, Dunkelgrün und Schwarz. Die Installation des Künstlers Ottmar Hörl bestand ursprünglich aus etwa 800 Martin-Luther-Zwergen, die vor zwei Jahren auf dem Marktplatz der Luther-Stadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt standen. Die Messebesucher können sie in Augsburg für 300 Euro pro Stück kaufen.

Wer es kleiner mag, kann auf der “Gloria“ bunte Frühstücksbrettchen mit Bibelversen erwerben. Die Speisen-Motivauswahl ist groß - von Pommes mit Ketchup und Mayo (“Du salbst mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein“) bis zu Gummibärchen (“Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist“). Am Stand der Benediktinerabtei Sankt Hildegard aus Rüdesheim am Rhein gibt es dann wirklich etwas zu essen - zum Beispiel Nerven-Kekse aus Dinkel.

Ein Mann der Moderne ist der Münchner Vertriebsleiter Hans-Peter Schellkopf - er will auf der “Gloria“ Geistliche für digitale Orgeln begeistern. “Es gibt nach wie vor viele Hemmschwellen, was digitale Technik in der Kirche betrifft“, sagt er. Für viele repräsentierten die Orgelpfeifen Gläubige - und die fehlten ihnen dann bei einer digitalen Orgel ohne Pfeifen. Bei den Orgel-Farben vertrauten seine Kunden zu etwa 80 Prozent auf “Eiche hell“. “Wir haben es mal in Ferrari-Rot gemacht, aber das ist eine waghalsige Sache.“

Klaus Birmelin stellt bereits seit dem “Gloria“-Gründungsjahr 2000 seine Wachskerzen aus. Gut kämen die individuell bedruckten Opferlichter bei Priestern an, sagt er. Mit einem eigenen Logo könnten sie nach außen die Einheit ihrer Pfarrgemeinschaft demonstrieren. Birmelin erkennt ein Nord-Süd-Gefälle beim Kerzengeschmack der Kirchenleute. “Im Süden werden mehr Traditionen gepflegt.“ Dort seien mit einem Osterlamm verzierte Kerzen in diesem Jahr der Renner gewesen - das zeige seine Osterkerzen-Statistik.

Die “Gloria“ soll auch kommendes Jahr nach Augsburg kommen. Nach Veranstalterangaben ist sie die einzige Kirchenmesse im deutschsprachigen Raum.

dpa

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