Mehr Erzieherinnen dringend benötigt

Kitas in Bayern brauchen mehr Personal

München - Vom ersten August an hat jedes Kind unter drei Jahren Anspruch auf einen Kita-Platz. Eine Studie kritisiert nun, eine Erzieherin müsse noch immer zu viele Kinder betreuen. Das Ministerium widerspricht.

Die Betreuung für unter Dreijährige lässt einer Studie zufolge in Bayern noch zu wünschen übrig. In den Krippen betreue eine Vollzeitkraft rechnerisch fast vier Kinder, ergab der „Länderreport Frühkindliche Bildungssysteme“, den die Bertelsmann Stiftung am Donnerstag veröffentlichte. Zudem würden rund zwanzig Prozent der unter Dreijährigen in Gruppen mit älteren Kindern betreut - mit deutlich schlechterem Personalschlüssel. Teils sei eine Erzieherin dann für mehr als acht Kinder zuständig.

Die Stiftung empfiehlt ein Verhältnis von eins zu drei für die unter Dreijährigen. Von August an muss der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für diese Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr eingelöst werden.

Der Gütersloher Studie zufolge bieten Kindertageseinrichtungen in Bayern ein eher ungünstiges Betreuungsverhältnis. In den Krippengruppen, die gut ein Drittel der Kinder besuchen, kümmere sich eine Erzieherin rechnerisch um 3,9 Kinder. Ein weiteres Drittel der Kinder in Bayern gehe in eine Gruppe für Kinder unter vier Jahren. Hier betreue eine Erzieherin rechnerisch 4,1 Kinder.

Knapp zehn Prozent der Kita-Kinder besuchten altersübergreifende Gruppen - hier sei eine Mitarbeiterin sogar für im Schnitt 6,3 Kinder zuständig. Ebenfalls gut zehn Prozent der Kinder gingen in eine für Zweijährige geöffnete Kindergartengruppe mit einem Personalschlüssel von eins zu 8,6.

„Der notwendige Ausbau der Kita-Plätze darf nicht zulasten der Qualität gehen. Bayern hat ohnehin noch Nachholbedarf bei den Betreuungsrelationen“, warnte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Für die Qualität frühkindlicher Bildung sei von entscheidender Bedeutung, wie viele Kinder eine Erzieherin betreut. Es habe sich gezeigt, dass bei guten Personalschlüsseln Kinder ihre sprachlich-kognitiven und sozialen Fähigkeiten besser entwickeln.

Das Familienministerium wies die Kritik zurück. „Das Fachpersonal sorgt mit großem Engagement für Qualität“, teilte Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) mit. „Erneut stellt die Bertelsmann Stiftung die deutschen Kindertageseinrichtungen an den Pranger, kritisiert deren Qualität und bringt damit Kommunen, Träger und Fachpersonal in Misskredit.“ Die Rahmenbedingungen für die frühkindliche Förderung müssten weiter verbessert werden. Die Stiftung versuche aber nach dem Motto „nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“ „fast zwanghaft“, die Fortschritte beim Ausbau der Kinderbetreuung kleinzureden.

„Keine Zeile wert ist der Bertelsmann Stiftung auch eine Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Problemen in den Ländern bei der Akquise von geeignetem Fachpersonal“, kritisierte die Ministerin. „Personalschlüssel lassen sich nicht auf Knopfdruck verbessern. Fachpersonal muss hohen qualitativen Ansprüchen genügen.“

Nachholbedarf besteht laut der Stiftung in Bayern auch bei den Ganztagsangeboten. Nur rund 30 Prozent der bayerischen Kita-Kinder seien mehr als 35 Stunden pro Woche in ihrer Kindertageseinrichtung - im Bundesdurchschnitt sind es 44 Prozent. Hier mache sich bemerkbar, dass Bayern anders als andere Länder keinen Rechtsanspruch auf eine tägliche Mindestbetreuungszeit gewähre. Der Kita-Platz-Anspruch müsse auf eine Ganztagsbetreuung ausgeweitet werden, verlangte Dräger.

Harderthauer betonte hingegen, die Länderzahlen seien nicht vergleichbar. Zudem hätten Eltern in Bayern andere Bedürfnisse als in anderen Bundesländern und setzten sehr viel weniger auf Ganztagsangebote als anderswo. „Uns geht es darum, die Angebote für Eltern an deren Wünschen und Bedarf auszurichten und nicht nach fester Quote vorzugehen“, sagte die Ministerin.

dpa

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