Klinik für Teddybären soll Kindern Angst nehmen

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Kuscheltiere mit gebrochenen Knochen oder Bauchschmerzen sollen Kindern helfen, die Angst vorm Arzt zu verlieren.

Würzburg  - Etwa 300 Kinder haben an der Würzburger Universitätsklinik ihre Teddys und andere Kuscheltiere  verarzten lassen. Davon profitieren sollen aber nicht die Kuscheltiere.

Die jungen Ärzte der Teddyklinik haben alle Hände voll zu tun. Dinosaurier, Bären, Puppen, Stoffmäuse und flauschige Tiger sitzen im Warteraum. Die meisten haben gebrochene Knochen oder Bauchschmerzen. Unter ihnen ist auch Wuff-Wuff. Der schwarz-weiße Hund mit Schlappohren ist vor ein Auto gelaufen. Seine Besitzerin Emma hält ihn fest im Arm. Die Fünfjährige ist mit dem kleinen Patienten in die Teddyklinik gekommen. Dort soll ihr flauschiger Liebling behandelt und geheilt werden. Die Teddyklinik ist ein Projekt von Würzburger Medizin- und Pharmaziestudenten. Es soll Mädchen und Buben helfen, die Angst vor Ärzten und Krankenhäusern zu verlieren.

Etwa 50 Studenten haben sich am Dienstag in ihre weißen Kittel geworfen und verarzten die Patienten. Emma und ihr Wuff-Wuff werden zuerst zum Röntgen gerufen. Das Durchleuchten mit einer Schreibtischlampe vor einem weißen Blatt Papier ergibt die eindeutige Diagnose: mehrere Knochenbrüche. „Da hat sich Wuff-Wuff wirklich weh getan. Ich glaube, er muss in den OP. Da muss der Hund jetzt ganz tapfer sein“, sagt Teddydoc Friederike Glaser. Sie begleitet Emma durch die verschiedenen Stationen der Teddyklinik.

Die meisten Kinder im Innenhof der Würzburger Kinderklinik, in dem die einzelnen Stationen aufgebaut sind, sind wissbegierig. Sie verarzten ihre kleinen Lieblinge als Doktoren selbst mit. Auch Emma legt Hand an. Gemeinsam mit der 20-jährigen Studentin gibt sie ihrem Plüschhund eine Spritze. Anschließend legen sie Wuff-Wuff drei bunte Verbände an - einen für die Vorderpfote, einen für die Hinterpfote und einen für den Schwanz. Zum Schluss gibt es noch eine Impfung gegen Zecken für das Stofftier und einen Eintrag in Wuff-Wuffs Impfbuch. „Jetzt fühlt er sich wieder besser“, sagt Emma und lächelt.

Teddyklinik soll Angst vorm Arzt nehmen

Teddyklinik soll Angst vorm Arzt nehmen

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Bayern befürwortet die Aktionen. „Teddys erklären spielerisch das Zähneputzen und mit den Teddys kann den Kindern auch die Angst vor Ärzten und Krankenhäusern genommen werden“, sagt Kinderarzt Martin Lang. Dem Landesvorsitzenden zufolge ist aber mindestens genauso wichtig, dass die Ärzte die Kinder ebenso spielerisch und sensibel behandeln. Sie sollten zum Beispiel eine Spritze, die sie bekommen, nicht unbedingt sehen.

Gleichzeitig aber sollte der Arzt ehrlich zu ihnen sein. „Man darf nicht sagen: "Das tut gar nicht weh" und dann tut es doch weh.“ So gehe Vertrauen verloren. Stattdessen solle man die Kleinen auf den Schmerz vorbereiten und sie mit kleinen Geschichten oder Spielzeug ablenken. „Dieser ehrliche Umgang nimmt ihnen auch langfristig die Angst.“

Christiane Gläser

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