Für Foto in Lebensgefahr begeben

Königssee: Traumkulisse als Müllkippe - Zugang zu Instagram-Hotspot soll gesperrt werden - es gab bereits Todesfälle

Auf dem Königssee im Berchtesgadener Land schwimmt ein Schiff. Im Hintergrund sind Berge zu sehen.
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Traumhafter Königssee - doch das Ausflugsziel wird von Touristen überrannt. Der Nationalpark Berchtesgaden fasste deshalb nun einen Entschluss (Archivbild.)

In einem Nationalpark in Bayern gilt ein Ort als Instagram-Hotspot - doch gab es schon dort bereits schwere Unfälle. Nun soll der Zugang gesperrt werden.

  • Der Königssee-Wasserfall wird von Ausflüglern überrannt und ist zu einem Instagram-Hotspot geworden.
  • Immer wieder kommt es dort zu Unfällen - doch auch Müll, Lärm und illegale Lagerfeuer sind ein Problem.
  • Der Nationalpark Berchtesgaden reagiert nun mit einem drastischen Schritt.
  • Viele weitere Geschichten aus Bayern und den Regionen gibt es in unserer App.

Update, 8. September: Der Königsbachfall über dem Königssee ist ein Naturjuwel ohnegleichen im Nationalpark Berchtesgaden. Über mehrere Gumpen stürzt er sich 70 Meter in die Tiefe – und bietet eine atemberaubende Kulisse für Selfies auf Instagram, Facebook & Co. Florian Schütz, Bergfotograf aus dem nahen Schönau, war entsetzt, als er dieser Tage die Touristen an diesem Hotspot beobachtete.

In Horden kletterten dort Tagesgäste in Badekleidung zu der von Influencern „Natural Infinity Pool“ (Unendlichkeitspool) getauften Gumpe, in der das Baden wegen Absturzgefahr lebensgefährlich ist. Schütz sammelte rund um den beliebten Platz einen Sack Müll ein und ist stinksauer: „Wer es mit Badelatschen bis zum Wasserfall schafft und dann barfuß im matschigen Steilgelände nicht abstürzt, sollte es auch schaffen, seinen Dreck wieder mitzunehmen.“

Die Zustände am Königsbachfall waren längst Thema vieler Berichte, auch in der tz. Schütz: „Traurigerweise hat die ganze Berichterstattung in den Medien nichts verändert. Vor Ort habe ich niemanden gesehen, der Interesse daran hat, diesen Platz sauberer zu verlassen, als er ihn vorgefunden hat. Hauptsache das klassische Bild im Wasser wird gemacht.“ Schütz weiter: „Da fragt man sich schon, warum dann so ,tolle Bilder von der wunderbaren Natur am Königssee‘ in den sozialen Medien gepostet werden, wenn es zwei Meter daneben so aussieht, wie nach einem Festival.“

Derzeit wird von Nationalpark und Landratsamt ein Betretungsverbot vorbereitet, auch wenn Rangerleiter Ole Behling erklärt: „Der Großteil der Nationalpark-Besucher hält sich an die Regeln.“ Aber es seien in diesem Bergsommer viele Menschen da. „Und darunter ist immer ein gewisser Prozentsatz, der sich danebenbenimmt.“ Johannes Welte

Betretungsverbot für Infinity-Pool am Königssee im Nationalpark Berchtesgaden?

Update, 28. Juli: Nicht nur zur Ferienzeit: Der Nationalpark Berchtesgaden ist ein beliebtes Ausflugsziel. Besonders der sogenannte Infinity-Pool am Königsbach-Wasserfall zieht zahlreiche Besucher an und ist zu einem begehrten Foto-Motiv und Instagram-Hotspot geworden. Dies ging jedoch so weit, dass es dort immer wieder zu gefährlichen Situationen an den einst versteckten Gumpen im Schutzgebiet über dem Königssee kam - es gab dort bereits schwere Unfälle (siehe Erstmeldung).

Wegen diverser Rettungsaktionen für in Not geratene Besucher, aber auch wegen zu viel Lärm, Müll und illegaler Lagerfeuer will der Nationalpark Berchtesgaden nun mit einem drastischen Schritt auf den Trubel reagieren und den Natural Infinity Pool am Königsbach-Wasserfall sperren lassen, berichtet der BR.

In den kommenden Wochen will die Verwaltung des Nationalparks in Abstimmung mit dem Landratsamt Berchtesgadener Land an einem Betretungsverbot für den Bereich arbeiten. Bei Missachtung könnte dann ein Bußgeld fällig werden. Für Besucher weiter zugänglich bleiben sollen das Ufer des Königssees sowie die unteren Terrassen am Wasserfall. Bis zum Inkrafttreten der neuen Verordnung werden laut BR Nationalpark-Ranger vermehrt unterwegs sein. Für Zelten und Biwakieren, Feuer machen, den Einsatz von Drohnen oder das Hinterlassen von Müll werden bereits jetzt Bußgelder fällig.

Nahe der Partnachalm in Garmisch-Partenkirchen hat Wiesengrund-Besitzer ein Schild an seinem Stadl angebracht, dass viel über das Verhalten der dortigen Wanderer aussagt. Die teilweise anstandslosen Wanderer verrichten ihre Notdurft gelegentlich dort, anstatt im nahen Wald.

Video: Nationalpark Berchtesgarden warnt vor diesem gefährlichen Instagram-Hotspot

Influencerin riskiert für Foto ihr Leben - Nationalpark Berchtesgaden geschockt: „Ja, spinnts ihr?“

Erstmeldung vom 7. Juni 2020:

Schönau am Königssee - Der Königssee-Wasserfall ist ein Instagram-Hotspot, ganz besonders die Gumpen. Zur Bekanntheit des Naturpools tragen auch Influencer bei. Dabei ist es dort nicht ganz ungefährlich.

Gefährlicher Instagram-Hotspot Königssee-Wasserfall: Zwei Tote im April 2019

Denn auf der Jagd nach dem perfekten Bild für Instagram, riskiert man sein Leben. Um zu dem Wasserfall und den Gumpen zu gelangen, müssen die Personen durch alpines Gelände. Das hält auch ungeübte Wanderer allerdings oft nicht ab. Dabei gab es dort bereits mehrere Unfälle - und sogar Todesfälle. Im April 2019 kam es dort zu einer Tragödie. Zwei junge Männer sind am Königsbach-Wasserfall ums Leben gekommen. Einer der Männer kam nicht mehr aus dem Wasser heraus, sein Freund versuchte zu helfen - beide ertranken.

Influencerin besucht Königssee und postet Foto auf Instagram

Auch Influencerin Yvonne Pferrer ließ sich von der Gefahr nicht abschrecken und besuchte den Instagram-Hotspot. Ihren 1,2 Millionen Followern zeigte sie anschließend ein Bild davon. Der Gefahr schien sie sich dabei durchaus bewusst, so schrieb sie in dem Post: „Auch für uns einer der krassesten Spots die wir bisher gesehen haben und wirklich etwas gefährlich! Allein der Weg dorthin durch den Wald ist nicht ohne!“

„Also ich muss sagen, ich hatte noch keinen Ort wo ich so Angst hatte, wie an diesem Pool. Es geht dort einfach direkt runter", berichtete Yvonne laut Rosenheim24 in ihrer Instagram-Story, direkt nach ihrem Bad in einer der Gumpen des Königsbachwasserfalls. Dass sie sich mit dem Aufstieg und dem Bad in echte Gefahr gebracht hat, ist der 25-Jährigen offenbar bewusst. „Achtung! Diese Wanderung und dieser Ort sind wirklich gefährlich“, wies sie ihre Follower mehrfach hin.

Instagram-Hype um Königssee-Wasserfall: Nationalpark Berchtesgaden wehrt sich

Sogar der Nationalpark Berchtesgaden ist mittlerweile auf den Instagram-Post aufmerksam geworden. In einer Instagram-Story, die nach 24 Stunden nicht mehr abrufbar ist, wurde die Influencerin direkt angesprochen. „Liebe Yvonne, wir, der Nationalpark Berchtesgaden haben deinen Post seit gestern gesehen und die Kommentare beobachtet. Nun auch von unserer Seite: Du hast eine sehr hohe Reichweite und damit auch viel Einfluss auf viele Menschen. Dir sollte bewusst sein, dass diese Bilder vom Wasserfall auf Instagram auf die Natur, Tiere und Pflanzen, die Besucher und Deine Follower sehr schlimme Folgen nach sich zieht.“

Bisher (Stand 7. Juni, 9.14 Uhr) hat Pferrer das Bild noch nicht gelöscht. Es ist immer noch auf ihrem Instagram-Account zu finden. Auf Facebook legte der Nationalpark nach: „Ja spinnts ihr?“ heißt es da. „Der Run auf den Wasserfall forderte bereits Tote! Und die Natur mitten im Nationalpark wird immer mehr zerstört“, warnt der Nationalpark auch auf diesem Kanal. 

Instagram-Hotspot am Königssee: Nationalpark weist in Post auf Gefahr hin

Sogar einen eigenen Instagram-Post widmete der Nationalpark dem „Instagram-Hype am Wasserfall“. Darin heißt es: „Der Wasserfall am Königssee ist dem Überfall durch Influencer zum Opfer gefallen. Das früher ruhige und abgelegene Naturparadies leidet. Viele Einheimische gehen wegen der Massen gar nicht mehr hin. Die Gumpen werden im Netz getaggt, gepostet, geliked, am besten gleich live.“ Tausende wurden durch diese Fotos zum Nachahmen eingeladen, dabei gab es bereits Tote. Auch die Natur inmitten des Nationalparks wird immer mehr zerstört.

„Die Ufervegetation ist bereits komplett zertreten, Berge von Müll werden hinterlassen und illegale Lagerfeuer gemacht. Unbelehrbare campieren im Schutzgebiet, hinterlassen sogar ihre Billig-Zelte und Schlafsäcke. Das kann es doch nicht sein“, empörte sich der Nationalpark Berchtesgaden in dem Post.

Video: Instagram-Hype am Königssee

Instagram-Hype um Königssee-Wasserfall: Influencerin droht nach Dohnenflug Ärger

„An alle Influencer: Mit Euren teilweise enormen Reichweiten habt Ihr viel Einfluss auf viele Menschen. Seid Euch bewusst, dass ihr durch solche Postings die Natur zerstört. Campieren, Lagerfeuer, Müll, Drohnenflüge - das ist alles im Nationalpark verboten. Warum? Weil Tiere gestört werden und die Pflanzenwelt leidet. Seid verantwortungsvoll mit Euren Mitmenschen und unserer einzigartigen Natur. Löscht Eure Posts und stellt keine neuen ins Netz. Verzichtet auf Wegbeschreibungen“, so der Nationalpark weiter.

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Instagram-Hype am Wasserfall ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Auch wir haben einen Instagram-Kanal gelauncht, einer der Auslöser war die zunehmende Selfie-Sucht in unserem Schutzgebiet. Unsere Postings verbinden wir mit viel Wissenswertem über die einzigartige Nationalpark-Natur. Der Wasserfall am Königssee ist dem Überfall durch Influencer zum Opfer gefallen. Das früher ruhige und abgelegene Naturparadies leidet. Viele Einheimische gehen wegen der Massen gar nicht mehr hin. Die Gumpen werden im Netz getaggt, gepostet, geliked, am besten gleich live. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Die Fotos vom Baden im „Natural Infinity-Pool“ luden Tausende zum Nachahmen ein. Der Run auf den Wasserfall forderte bereits Tote! Und die Natur mitten im Nationalpark wird immer mehr zerstört. Die Ufervegetation ist bereits komplett zertreten, Berge von Müll werden hinterlassen und illegale Lagerfeuer gemacht. Unbelehrbare campieren im Schutzgebiet, hinterlassen sogar ihre Billig-Zelte und Schlafsäcke. Das kann es doch nicht sein! An alle Influencer: Mit Euren teilweise enormen Reichweiten habt Ihr viel Einfluss auf viele Menschen. Seid Euch bewusst, dass ihr durch solche Postings die Natur zerstört. Campieren, Lagerfeuer, Müll, Drohnenflüge - das ist alles im Nationalpark verboten. Warum? Weil Tiere gestört werden und die Pflanzenwelt leidet. Seid verantwortungsvoll mit Euren Mitmenschen und unserer einzigartigen Natur. Löscht Eure Posts und stellt keine neuen ins Netz. Verzichtet auf Wegbeschreibungen. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Mittlerweile werden in der Instagram-Community auch andere Stimmen laut, die rücksichtslose Influencer ermahnen: Verzichtet auf Hashtags! Behaltet die Tipps für Euch! #stopgeotagging #protectnature ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Und nicht zuletzt: Weniger als 1% der Landesfläche in D sind Nationalparke. Diese Fläche ist winzig. Hier sollten es wir Menschen doch schaffen, uns zurückzunehmen und die Natur die erste Geige spielen lassen. Die Natur dankt es euch. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ @umweltministerium @umweltministerium_bayern @bergerlebnis_berchtesgaden @tourismus.koenigssee @bischofswiesen_tourismus #stopgeotagging #protectnature

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Influencerin Yvonne Pferrer droht jetzt Ärger, denn sie hat ihren Weg zum Pool mit Videoaufnahmen dokumentiert - offenbar angefertigt mit einer Drohne, was im Nationalpark verboten ist. Das schrieb der Park ihr auch: „Auch Drohnenflüge sind im Nationalpark verboten, wir prüfen diese Aufnahmen jetzt."⠀⠀⠀

Eine 23-jährige Touristin posierte beim Wandern für ein Bild. Im Anschluss ereignete sich eine schreckliche Tragödie. Ihr Lebensgefährte konnte nicht mehr eingreifen.⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀

Sonne, Ferien und Massen an Ausflüglern: Droht in Bayern ein Verkehrschaos in neuer Dimension? Die Polizei rüstet sich. Alle weiteren Nachrichten rund um Bayern lesen Sie immer bei uns.

18-jähriges Instagram-Model stirbt bei Horror-Unfall auf Trauminsel - Fangemeinde geschockt

Update vom 23. Juni 2020: Eine erst 18-jährige Influencerin ist bei einem tragischen Verkehrsunfall auf Bali ums Leben gekommen. Ihre Fangemeinde trauert um das junge Instagram-Model.*

Update vom 29. Juni 2020: Eine Nacht am Berg - das finden immer mehr Menschen cool.* Und posten davon Fotos in den sozialen Medien. Dass es verboten ist, stört sie nicht. *merkur.de und tz.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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