Kohlekraftwerk: Block 6 schockt Anwohner

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Das Kohlekraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg soll erweitert werden.

Großkrotzenburg - Seit der umstrittene Ausbau des Kohlekraftwerks vor wenigen Tagen in ersten Schritten genehmigt wurde, blicken viele Menschen in Großkrotzenburg und dem Umland sorgenvoll in die Zukunft.

Sie fürchten durch die milliardenschwere Erweiterung mit einem sechsten Kraftwerksblock gewaltige Gesundheitsgefahren. Anwohner empfinden Machtlosigkeit gegenüber Politik, Behörden und Wirtschaftsinteressen. Andere sind wütend und kündigen weiteren Widerstand an.

Der Fall Staudinger spaltet die Gemeinde im Main-Kinzig-Kreis nahe dem unterfränkischen Aschaffenburg. Denn die Rathausspitze stellt sich hinter das Projekt des Energie-Riesen Eon. Bürgermeister Friedhelm Engel (CDU) befürwortet die Erweiterung. Sein Stellvertreter Bernhard Walter erklärt für den Urlaub machenden Chef: “Wir haben von Anfang an zugestimmt.“ Mit Blick auf Kühltürme und Schornsteine sagt er: “Das Kraftwerk ist ein Markenzeichen von Großkrotzenburg.“

Walter will auch gar nicht verhehlen, dass es für die Zustimmung wirtschaftliche Gründe gab: Eon sei wichtigster Gewerbesteuerzahler, ein großer Arbeitgeber und ein willkommener Fernwärmeversorger der Gemeinde. “Großkrotzenburg ist ein Nutznießer und hat nur Vorteile. Wenn Bürgerinitiativen dagegen sind, ist das deren Problem.“ Für viele Bürger von Großkrotzenburg und Umgebung sind solche Sätze wie ein Schlag ins Gesicht.

Ralf Trageser ist wütend. Der 42- Jährige aus dem nahen Hainburg wohnt mit seiner Familie und den Eltern direkt dem Kraftwerk gegenüber auf der anderen Mainseite. “Es ist ein Wahnsinn, dieses Kohlemonster mit einer Technologie von gestern zu realisieren. Das wird eine riesige Belastung für alle.“ Das Projekt sei gegen den Widerstand der Bürger durchgedrückt worden. “15 000 Unterschriften wurden dagegen gesammelt“, sagt er. Politik und Behörden wirft Trageser Klüngelei vor. “Was will man erwarten, wenn die schwarz-gelbe Koalition in Wiesbaden das Projekt will? Da ist es passend, dass Regierungspräsident Johannes Baron der FDP zugetan ist.“ Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) wollte sich in der heißen Entscheidungsphase um den Ausbau nicht äußern.

Anwohner Gerhard Trageser, Vater von Ralf Trageser, würde am liebsten aus Großkrotzenburg wegziehen. Doch Haus und Hof zu verkaufen - dafür hat der 62-Jährige keine Kraft. “Die Grundstückspreise hier sind außerdem im Keller.“ Wer will schon an einem Kohlekraftwerk wohnen? “Die Luftbelastung geht voll auf die Atemwege. Viele haben Asthma. Der Dreck hängt je nach Wetter wie eine Dunstglocke über der Gemeinde. 

Ob der Ausbau kommt, ist noch nicht endgültig. Ehe Eon eine Entscheidung fällt, will der Betreiber erst mögliche Klagen vor dem Verwaltungsgerichtshof in Kassel gegen die Genehmigung abwarten. Sollte gebaut werden, dürfte noch dickere Luft in Großkrotzenburg herrschen. Neun Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlenstoffdioxid per anno würden dann ausgestoßen - doppelt so viel wie bislang, warnen kundige Umweltschützer.

dpa

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