Zölibat

Aus Liebe zu seiner Maria: Priester (36) ändert Leben komplett - „Habe keine Sekunde bereut“

Priester Johannes Biebl mit seiner Maria
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Johannes Biebl mit seiner Maria: Aus Liebe traf er eine folgenschwere Entscheidung

Das Zölibat verbietet Priestern die Ehe. Das wusste Johannes Biebl. Doch die Liebe zu seiner Maria war stärker. Der 36-Jährige traf eine folgenschwere Entscheidung.

Regensburg - Eigentlich würde Johannes Biebl in diesem Jahr sein fünfjähriges Priester-Dasein feiern. Der 36-Jährige aus dem bayerischen Wald aber hat einen anderen Weg gewählt. Biebl verliebte sich in eine Frau - das Zölibat würde die Beziehung verbieten. Also traf der junge Mann eine mutige Entscheidung.

Wegen der Liebe: Priester (36) aus Bayern verlässt Kirche und Kloster

Das Zölibat sorgt immer wieder für Diskussionen. Der einflussreiche Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx beispielsweise dachte in der Vergangenheit öfter laut darüber nach, dass eine Lockerung der umstrittenen Regelung denkbar sei. Das Zölibat verbietet Bischöfen, Pfarrern und Mönchen, zu heiraten und in Partnerschaft zu leben. Stattdessen soll die Regelung die Glaubensmänner dazu anhalten, in Keuschheit zu leben und ihr Dasein gänzlich dem Dienst an Gott und dem Menschen zu widmen.

Bayerischer Priester liebt seine Maria: Das Zölibat stand ihnen im Weg

Johannes Biebl aus Kollnburg (Landkreis Regen*) wusste das natürlich, als er seine Priesterausbildung antrat. 2016 war er damit fertig und lebte fortan im Kloster. Dann lernte der 36-Jährige eine Frau kennen. Und das stellte sein Leben auf den Kopf. Im Jahr 2020 traf er eine folgenschwere Entscheidung. Damals äußerten viele Bischöfe und auch der eremitierte Papst Benedikt XVI. aus Bayern Gedanken, das strenge Zölibat zu lockern. Papst Franziskus sagt das anders: Er wolle das Zölibat nicht lockern, lautete der Grundtenor eines Schreibens des Papstes. Unter einigen Reformern in der katholischen Kirche sorgte das für Kritik.

Die Diskussion ist mit dem Schreiben des Papstes zwar nicht komplett verstummt, die Forderungen nach Lockerungen werden aber seltener.

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Kollnburg: Priester wollte seine Liebe nicht verstecken

Für Johannes Biebl, der damals als „Frater Felix“ im Kloster Windberg lebte, stand eine schwierige Entscheidung an. Denn Maria, die er in seinen ersten Kloster-Wochen kennengelernt hatte, war ihm zu wichtig. Der junge Mann hatte die Windbergerin erst über die Jugendverbandsarbeit kennengelernt. Später kreuzten sich ihre Wege regelmäßiger, als die Lehrerin mit ihren Schulkassen die Jugendbildungsstätte besuchte. „Verstanden haben wir uns von Anfang an gleich unglaublich gut“, erzählt Biebl der Passauer Neuen Presse. „Dass sich da mehr daraus entwickeln könnte, hätten wir aber beide nicht gedacht - oder besser gesagt: uns nicht zu denken getraut.“

Das hatte zwei Gründe: Zum einen lebte die junge Frau in einer langjährigen Beziehung. Zum anderen war da das geistliche Leben von „Frater Felix“. Zu seinem Ordensgelübde und zur Priesterweihe hatte er das Versprechen abgegeben, im Zölibat zu leben. Die Sympathie zwischen den beiden schien einfach nur das zu bleiben: Sympathie. Maria trennte sich aber 2018 von ihrem Partner. „Und irgendwie war uns beiden dann schnell klar, dass da mehr ist als nur eine nette Bekanntschaft“, erinnert sich Johannes Biebl

In Bayern: Priester verlässt Kloster - für die Liebe zu seiner Maria

Der gläubige Christ steckte in einer Zwickmühle und musste - so oder so - eine folgenschwere Entscheidung treffen. Denn eine heimliche Beziehung mit Maria zu beginnen, das kam für den jungen Mann nicht infrage. „Wir wollten ehrlich zueinander stehen, mit allen Konsequenzen“, sagt er der PNP. Der 36-Jährige entschied sich. Gegen das Leben im Kloster. Und für die Liebe mit Maria.

Eine schwierige Situation für einen jungen Menschen. Ihm ist bewusst, dass er damit sein Versprechen und Gelübde gebrochen hat, „und damit sicher auch viele Menschen enttäuscht“, wie er selbst sagt. Als Scheitern möchte er das nicht betrachten. „Für mich ist das ein Weitergehen, eine Neuausrichtung.“ Dies sei zwar anstrengend gewesen, habe aber „vor allem ganz viel positive Kraft freigesetzt“.

Priester findet neue Heimat: Altkatholiken haben kein Zölibat

Seit November 2020 arbeitet der 36-Jährige bei der Lebenshilfe Deggendorf* mit Menschen mit psychischer Behinderung in den Plattlinger Werkstätten. Biebl bietet als freier Redner Trauungen und Beerdigungen an. Und der 36-Jährige kann weiterhin seinem Dienst an Gott und den Menschen weitergehen: Er hat bei der altkatholischen Kirche in Regensburg eine neue Heimat als ehrenamtlicher Priester gefunden. Diese modernere und liberalere Kirche richtet sich nach dem katholischen Glauben, hat aber beispielsweise das Zolibät abgeschafft, segnet auch gleichgeschlechtliche Paare und lässt Frauen in allen geistlichen Ämtern zu. Für Biebl und seine Maria war das ein wichtiger Schritt. Der 36-Jährige sagt: „Ich habe keine Sekunde bereut.“ (dst) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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