1. kreisbote-de
  2. Bayern

Kolumne einer Ukraine-Geflüchteten: Ausgangssperre zum Jahrestag der Befreiung Odessas von den Nazis

Erstellt:

Von: Klaus-Maria Mehr

Kommentare

Natalia Aleksieieva ist am 7. März aus Odessa nach München geflüchtet. Sie steht vor einer Europakarte.
Natalia Aleksieieva ist am 7. März aus Odessa nach München geflüchtet. Hier berichtet sie ihre Erfahrungen. © Marcus Schlaf/IMAGO (Montage)

Sie flüchtete aus dem Ukraine-Krieg von Odessa nach München. Natalia Aleksieieva berichtet seitdem in ihrer Kolumne über ihr neues Leben.

Meine fünfte Woche in München und der 50. Kriegstag. Es gab eine Tragödie in Kramatorsk – 59 Menschen starben infolge des Angriffs der russischen Besatzungstruppen durch Tochka-U auf den Bahnhof. Darüber hinaus griffen die Russen in der Nacht des 8. April die Region Odessa mit drei Lenkwaffen aus dem Gebiet der Halbinsel Krim an. Zwei Gebäude wurden beschädigt, es gab Verwundete.

Ukraine-Krieg: Ausgangssperre in Odessa wegen denkwürdiger Feier

Am Samstagabend wurde in Odessa für eineinhalb Tage eine Ausgangssperre verhängt. Dies liegt daran, dass die Einwohner am Sonntag den 78. Jahrestag der Befreiung von Odessa von den Nazi-Invasoren gefeiert hätten. Am 10. April 1944, während der Operation in Odessa, befreiten die Truppen der Dritten Ukrainischen Front Odessa. 78 Jahre später, am selben Tag, haben die befreiten Einwohner von Odessa wegen eines drohenden Raketenangriffs nicht das Recht, ihre Häuser zu verlassen. Keiner von uns konnte sich vorstellen, dass die Leute, mit denen wir Seite an Seite unsere Stadt verteidigten, unser Land angreifen würden. Heute ist es Realität.

Über die Autorin Natalia Aleksieieva

Natalia Aleksieieva (27) ist am 7. März aus Odessa nach München geflüchtet. Sie hat viel Hilfe bekommen und wohnt aktuell bei einer Gastfamilie. Ihr Ziel ist es, so schnell wie möglich auf eigenen Beinen stehen zu können. In ihrer Kolumne berichtet sie über ihr neues Leben in Bayern – und über die Nachrichten, die Situation in ihrer ukrainischen Heimat. Ihre Texte schreibt sie auf Deutsch. Die Geschichte von Natalia Aleksieievas Flucht vor dem Ukraine-Krieg lesen Sie hier*. Alle Informationen und Artikel zur Lage der Geflüchteten in der Ukraine in Bayern finden Sie auf unserer Themenseite*.

Als Geflüchtete in München: Optiker hilft kostenlos

Aber ich möchte auch über das Gute sprechen. Diese Woche hatte ich ein akutes Problem mit meinem Sehvermögen. Ich brauchte eine neue Brille und meine Augen schmerzten von der Arbeit am Monitor. Dann fand ich Informationen, dass sich der örtliche Optiker Vision System Store München an einer Hilfsaktion für ukrainische Flüchtlinge beteiligt.

Ein sehr höflicher und aufmerksamer Optiker Lukas Melzl überprüfte meine Sehkraft, holte neue Linsen, rief nach einer Weile zurück und bat mich, eine Brille zu holen. Ich musste nichts bezahlen. Ich schreibe diese Kolumne mit einer neuen Brille, meine Augen tun nicht mehr weh und ich sehe viel besser. Lukas sagte, dass in ihrem Unternehmen eine Stelle frei ist und sie bereit sind, Spezialisten aus der Ukraine einzustellen.

Ich bin diesem Arzt sehr dankbar. Außerdem habe ich in sozialen Netzwerken Informationen über die Aktion von Zeiss gepostet, die in Zusammenarbeit mit Optikgeschäften in ganz Deutschland kostenlos Brillen für Ukrainer herstellt. Mehrere meiner Mitbürger, die jetzt in München sind, haben reagiert und um Hilfe gebeten, zum Optiker zu gehen, da sie weder Deutsch noch Englisch sprechen. An zwei Tagen hintereinander habe ich die Leute abends nach der Arbeit in den Optiker-Laden geführt und beim Übersetzen geholfen. Ich war absolut glücklich, weil ich erstens die Freundlichkeit und Empathie der Münchner wieder gespürt habe und zweitens auch nützlich sein und den Landsleuten helfen konnte.

Übrigens: Unser Bayern-Newsletter informiert Sie über alle wichtigen Geschichten aus dem Freistaat. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare