Kühlschläuche im Bus geplatzt: Fahrgäste verbrüht

Breitbrunn - Rätselhafter Unfall: Im Innern eines Linienbusses platzen plötzlich die Leitungen, kochend heißes Kühlwasser spritzt auf die Fahrgäste und verletzt ein Paar schwer. Laut Experten-Meinung „absolut außergewöhnlich“.

Der Linienbus ist unterwegs in Richtung Prien (Landkreis Rosenheim). 15 Fahrgäste sitzen in dem Fahrzeug, sie alle machen gerade eine Radl- und Wandertour um das „Bayerische Meer“. Mittwochnachmittag, gegen 17 Uhr, kommt es dann zu dem schweren Betriebsunfall. Der Bus der Chiemsee-Regionallinie fährt gerade über die Staatsstraße in Breitbrunn, als plötzlich die Kühlschläuche in der Seitenverkleidung platzen. Der Knall muss ohrenbetäubend gewesen sein. Der Fahrer legt sofort eine Vollbremsung hin. Die Explosion ist so heftig, dass sogar die Frontscheibe des Busses einen Riss abbekommt.

Die Leitungen sind zwischen dem Fahrersitz und der ersten Sitzreihe verbaut. Im Normalbetrieb ist das Wasser rund 100 Grad heiß. Jetzt spritzt es unter Druck in den Fahrgastraum. Direkt hinter dem Fahrer sitzen zwei Urlauber aus Niederbayern. Das Wasser verbrennt die Beine der 46 Jahre alten Frau. Ein Rettungshubschrauber bringt sie später in ein Münchner Krankenhaus. Ihr Mann wird am Unterarm, der Brust und am Fuß verletzt. Er muss ebenfalls in eine Klinik gebracht werden. Das Paar aus Niederbayern hat es am schlimmsten erwischt. Vier weitere Insassen, ein Paar aus Sachsen-Anhalt und eines aus Baden-Württemberg, atmen die heißen Dämpfe ein und müssen wegen Atembeschwerden und Husten behandelt werden. Der Busfahrer, ein 57-jähriger Rosenheimer mit jahrzehntelanger Erfahrung, kommt mit einem Schock davon.

Unfall in RVO-Bus: Fahrgäste verbrüht

Die Polizei stand gestern noch vor einem Rätsel, wie der ungewöhnliche Unfall passieren konnte. Möglicherweise lag es an Überhitzung, bestätigt Stefan Raithel von der Polizei in Prien. Vielleicht sei aber auch ein Materialfehler schuld. Der Bus war allerdings noch nicht einmal vier Jahre alt. „Wir können noch keine Schuldzuweisungen machen, es muss zuerst ein Gutachten erstellt werden“, sagt Raithel. Darum kümmert sich jetzt die Staatsanwaltschaft Traunstein. Zu dem Stand der Untersuchung konnte man gestern aber noch nichts sagen. Für Frank Volk vom TÜV Süd ist das Platzen der Kühlschläuche „absolut außergewöhnlich“. Die Leitungen seien auf die gleiche Lebensdauer wie der Bus ausgelegt und nicht Bestandteil der TÜV-Prüfung. Volk hat sich umgehört: „Selbst altgediente Kollegen können sich nicht erinnern, jemals von einem solchen Unfall gehört zu haben.“

Auch Franz Polland, Niederlassungsleiter vom Regionalverkehr Oberbayern in Rosenheim, tappt nach eigener Aussage im Dunkeln. Eine mögliche Ursache könne ein defektes Sicherheitsventil am Motor sein, das sich bei einer Überhitzung eigentlich hätte schließen müssen. Wenn es überhaupt eine Überhitzung war. Volk vom TÜV hält es für möglich, dass die Schläuche vielleicht bei einer Reparatur falsch verlegt und dann porös wurden. Doch noch ist alles Spekulation.

Von Thomas Schmidt Und Stefanie Zipfer

Rubriklistenbild: © Feuerwehr Breitbrunn

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