Kultusminister Ludwig Spaenle stellt vor

Neuer Lehrplan für Bayerns Schulen

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München - Weniger Faktenwissen, mehr Wiederholung und Vertiefung: Das ist ein Leitmotiv der neuen Lehrpläne, die  an Bayerns Schulen eingeführt werden. Die ersten sind die heutigen Erstklässler.

An den rund 2400 bayerischen Grundschulen gilt bereits vom kommenden Schuljahr an ein neuer Lehrplan, zunächst für die ersten und zweiten Klassen. Zentrale Punkte: Das Kultusministerium will das umstrittene Abziehverfahren bei der schriftlichen Subtraktion, das statt des alten Ergänzungsverfahrens seit gut zehn Jahren unterrichtet wird, beibehalten. Und in Deutsch soll mehr Wert als derzeit darauf gelegt werden, dass Kinder von Beginn an richtig schreiben - Rechtschreibfehler sollen früher als bisher korrigiert werden. Das kündigte Kultusminister  Ludwig Spaenle (CSU) am Montag in München an. Zudem soll ein Drittel der Unterrichtszeit für eine Wiederholung und Vertiefung des Stoffs reserviert werden - unter dem Strich 12 von 38 Schuljahreswochen.

Die Zahl der Wochenstunden soll gleich bleiben. Und auch zwischen den einzelnen Fächern soll es keine Verschiebungen geben. Englisch soll weiterhin zweistündig in der dritten und vierten Klasse unterrichtet, allerdings der verpflichtende Grundwortschatz reduziert werden.

Insgesamt sollen sämtliche Lehrpläne an bayerischen Schulen in jährlichen Schritten umgestellt werden. Die jetzigen Erstklässler sind damit die ersten, für die vom kommendem Schuljahr an - also dann ab der zweiten Klasse - durchwegs die neuen Lehrpläne gelten. Die Lehrer sollen nun nach und nach umfassend dafür geschult werden.

Keine überstürzte Einführung wie bei G8

Die neuen Lehrpläne wurden von gut 60 Lehrern und Experten und dem Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung erarbeitet. Vor der endgültigen Verabschiedung sollen sie nun noch einmal ausführlich mit den Verbänden diskutiert und erörtert werden. Leitentscheidungen müssten gemeinsam getroffen werden, betonte Spaenle. „Ich will das deutlich anders machen als die Einführung des G8.“ Die überstürzte Einführung des achtjährigen Gymnasiums hatte im Freistaat für massiven und jahrelangen Streit an den Schulen gesorgt.

Grundlinie des neuen, sogenannten „Lehrplans Plus“ ist, dass noch mehr als bisher auf Kompetenzen abgezielt werden soll und weniger auf reines Faktenwissen. Als Beispiel nannte die Leiterin des Grundschulreferats, Maria Wilhelm, dass die Kinder künftig keinen Feuerwehrmann samt Ausrüstung mehr beschriften können müssen. Stattdessen sollen sie beispielsweise die Brandschutzmaßnahmen an der eigenen Schule erklären und begründen können. Oder sie sollen Papier falten und daraus einen möglichst stabilen Turm bauen - und dann im Anschluss begründen, warum sie wie vorgegangen sind.

Lehrerverband ist sauer

Vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) kam Kritik. Obwohl der neue Lehrplan den Verbänden immer noch nicht vorliege, gebe der Minister bereits Details bekannt, sagte Präsident Klaus Wenzel. „Der Unmut am Verfahren ist groß. Es ist kein guter Stil, wenn unsere Kolleginnen und Kollegen über die Presse erfahren, worauf sie sich ab September 2014 einlassen müssen.“ Die Entwicklung des neuen Lehrplans werde vom BLLV seit Monaten kritisch und konstruktiv begleitet.

Die Verärgerung vieler Lehrer habe sich abgezeichnet, weil sie sich zu wenig in den Prozess eingebunden fühlten. „Es wird befürchtet, dass zwar viele Neuerungen kommen - die Rahmenbedingungen aber dieselben bleiben“, sagte Wenzel. Ein Sprecher Spaenles erwiderte, der BLLV sei bei der Entwicklung der Lehrpläne in zwei Gremien vertreten gewesen.

dpa

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