Corona-Hotspot Berchtesgadener Land

Landrat von Touristen- und Corona-Hotspot in Bayern: „Wir wollen und müssen Ausflüge untersagen“

Bernhard Kern ist Landrat des Berchtesgadener Landes.
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Bernhard Kern ist Landrat des Berchtesgadener Landes.

Das Berchtesgadener Land kommt nicht aus den Schlagzeilen. Die Zahl der Infizierten ist seit Wochen extrem hoch. Wir haben mit Landrat Bernhard Kern (CSU) gesprochen.

Das Berchtesgadener Land steht wieder mal im Mittelpunkt, in Sachen Inzidenzwert rangiert es bayernweit ganz vorne. Wie sehr besorgt Sie die aktuelle Entwicklung?

Kern: Ich nehme die derzeit aktuelle und sehr anstrengende Situation natürlich sehr ernst und appelliere seit vielen Tagen und Wochen an die Bürger um Akzeptanz für die vom Freistaat Bayern vorgegebenen Restriktionen. Bei diesem Thema will ich und wollen wir als Landkreis ganz klar nicht in Bayern an der Spitze stehen. Mit einer eigenen angekündigten Allgemeinverfügung, welche über die Verordnung des Freistaates Bayern hinausgeht, wollen und müssen wir touristische Tagesausflüge in den Landkreis letztlich untersagen (bislang ist diese Allgemeinverfügung noch nicht erlassen; Anm. d. Red.). Ich als Landrat und wir als Landratsamt wollen und müssen die Neuinfektionen und Inzidenzzahlen deutlich senken.

Anders als in der Stadt ist das Berchtesgadener Land zersiedelt – trotzdem sind die Zahlen hoch: Haben
Sie eine Erklärung für die Rekordwerte?

Kern: Wir haben es im Landkreis Berchtesgadener Land nach wie vor mit einem diffusen Geschehen zu tun. Die Zahlen sind seit dem Jahreswechsel in allen Gemeinden merklich gestiegen. Die aktuell hohen Fallzahlen sind insbesondere durch Kontakte bei privaten Zusammenkünften, etwa während der Feiertage, und zum Teil auch bei der Arbeitsstätte beziehungsweise im beruflichen Umfeld begründet. Daneben gibt es in mehreren Betrieben und Einrichtungen eine Häufung von positiven Covid-19*-Fällen. Sämtliche Infektionsherde und -cluster wurden im Gesundheitsamt identifiziert und die entsprechenden Quarantänemaßnahmen und notwendigen Vorkehrungen getroffen.

Hunderte Skitourengeher sind auf den Bergen unterwegs, am Hintersee in der Ramsau tummeln sich Gäste auf dem Eis. Von Distanz kann oft keine Rede sein. Wie haben Sie die vergangenen Wochen in Erinnerung?

Kern: Es gab in den vergangenen Wochen einige Meldungen über verstärkten Ausflugsverkehr in unserem Landkreis. Wir sind eigentlich begeistert, wenn die Gäste und Erholungssuchenden unseren Landkreis mit seinen Besonderheiten besuchen, um es sich hier gut gehen zu lassen. Auch wenn sich viele Menschen an die Verordnungen halten, ist eine Reduzierung der Kontakte aufgrund der hohen Zahlen zwingend notwendig. Die neuen Maßnahmen des Freistaates Bayern sind nun eine gute Basis, um die hohen Inzidenzzahlen zu senken.

Wie soll kontrolliert werden, ob die Leute sich dran halten?

Kern: Hierzu bitten wir um Nachfrage beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd.

Interview: Kilian Pfeiffer; *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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