Lehrer wollen Schüler gegen Neonazis immunisieren

Nürnberg - Bayerische Gymnasiallehrer wollen nach Angaben des Bayerischen Philologenverbands (bpv) die Schüler verstärkt für die Gefahren des Rechtsextremismus sensibilisieren.

Die Schüler müssten in der Lage sein, Schulhof-CDs und andere Angebote mit rechtsradikalen Inhalten sofort zu erkennen und zurückzuweisen, sagte der bpv-Vorsitzende Max Schmidt am Freitag in Nürnberg. “Wir müssen die Leute aus der Verführbarkeit herausholen“, unterstrich er bei der Hauptversammlung des 23 000 Mitglieder zählenden Verbandes. Dazu seien länder- und schulartübergreifende Initiativen nötig.

Zuletzt setzten Schüler des Gymnasiums Grafing (Kreis Ebersberg) ein eindrucksvolles Zeichen: Weil ihre Schule in der Nacht zuvor mit ausländerfeindlichen Parolen und rechtsextremistischen Symbolen beschmiert worden war, gingen sie spontan auf die Straße, um gegen Nazis zu demonstrieren.

Die Werteerziehung solle auf alle Fächer und das Schulumfeld ausgedehnt werden, sagte Schmidt. Im Informatik-Unterricht könne beispielsweise thematisiert werden, inwieweit Viren, Trojaner und andere Schadprogramme ethisch vertretbar seien. Außerdem werde derzeit eine Ringvorlesung an verschiedenen bayerischen Hochschulen konzipiert, die die ethische Urteilskraft von Jugendlichen, Studierenden, Lehr- und Führungskräften stärken soll.

Gleichzeitig sprach sich der bpv-Vorsitzende für Modellklassen aus, in denen Kinder von ausländischen Arbeitnehmern zweisprachig auf den Unterricht an bayerischen Schulen herangeführt werden. Vorstellbar seien solche Projekt etwa in Erlangen, München oder Regensburg, wo viele Fachkräfte mit Migrationshintergrund in großen Firmen arbeiteten. Auch solle die Durchlässigkeit des Schulsystems, insbesondere zwischen Realschule und Gymnasium, weiter erhöht werden. Mit einem “Ausgleichsjahr“ könne flexibler auf junge Menschen eingegangen werden, die Betriebspraktika oder einen Auslandsaufenthalt absolvieren wollten oder einfach mehr Zeit bräuchten, um sich den Stoff anzueignen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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