Erst Zoff, jetzt Cash

Kuriose Erfolgsgeschichte um Schneewittchen-Skulptur

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Ein Graffiti in einer Fußgängerunterführung in Lohr am Main zeigt die Märchenfigur Schneewittchen mit wehendem Haar, welche die sieben Zwerge mit einem Messer in der Hand verfolgt.

Lohr am Main - Die unterfränkische Stadt Lohr ist mit ihrem Schneewittchen-Zoff über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt geworden. Nun ziert die Parodie einer geplanten Skulptur der Märchenfigur tausende T-Shirts und ist zum Exportschlager geworden.

Der monatelange Schneewittchen-Streit um Geld und Kunst im unterfränkischen Lohr am Main hat ein märchenhaftes Happy End gefunden. Aus dem Zoff um eine moderne und wenig anmutige Schneewittchen-Skulptur vor der künftigen Stadthalle ist nun eine Erfolgsgeschichte für viele Seiten geworden. Allen voran für das Jugendzentrum der Stadt. Für diese bedeutet die Aufmerksamkeit über Bayerns Grenzen hinaus nämlich bares Geld.

Bildhauer Peter Wittstadt arbeitet am 05.11.2014 in seinem Werkstattgarten in Karlstadt-Laudenbach (Bayern) an seiner Schneewittchen-Figur.

Am Anfang dieser Geschichte steht ein Kunstwettbewerb der Stadt, den der Künstler Peter Wittstadt gewonnen hat. Dummerweise sprengte sein 110.000-Euro-Entwurf den geplanten und schlecht kommunizierten 18.000-Euro-Etat von Lohr. Auch konnten viele Bürger der Stadt der stark verfremdeten Skulptur, der die Haare zu Berge stehen, wenig abgewinnen. Im Stadtrat ging es im Herbst 2014 deshalb heiß her. Vor Gericht hätte der Künstler wohl recht bekommen. Deshalb entschied sich die Stadt schließlich für die Realisierung der drei Meter hohen Bronzefigur - ohne Wenn und Aber.

Horrorwittchen-Graffitti wird auf T-Shirt-Motiv zum Kult

Über Bayerns Grenzen hinaus war Lohr deshalb im Gespräch. Nicht wenige machten sich über den Streit lustig, darunter die Sendungen „TV Total“ und „quer“.

Eine ganz besonders charmante Art von Humor zeigte schließlich ein Schüler aus Lohr. Er sprühte an die Wand einer Unterführung ganz legal die Parodie des Wittstadt-Schneewittchens, das mit einem Messer in der Hand die sieben Zwerge jagt. Es bekam schnell den Namen Horrorwittchen und wurde Kult. Mittlerweile ist es als Motiv auf T-Shirts, Pullover, Buttons, Taschen und Tassen ein echter Exportschlager.

„Eigentlich wollten wir das nur für uns - eine regionale Facebook-Gruppe - machen. Aber die Nachfrage hat alle Erwartungen übertroffen“, sagte Matthias Mehling, der die Horrorwittchen-Artikel im Internet verkauft. „Allein in der ersten Woche gingen 717 Bestellungen bei mir ein“, so der 47-Jährige, der ein Gasthaus in Lohr betreibt.

Jugendzentrum profitiert vom Erfolg und kassiert 5000 Euro

Mittlerweile haben fast 2000 Shirts den Besitzer gewechselt. Am Gewinn aus dem Verkauf wird auch das Lohrer Jugendzentrum „Juze“ beteiligt, weil die Graffiti-Aktion Teil des „Juze“-Angebotes war. 5000 Euro spülte das Kult-Logo damit bereits in die Kassen.

„Das ist eine prima Unterstützung. Es stehen viele Reparaturarbeiten an. Da können wir das Geld dringend brauchen“, sagte der Vorsitzende der Lohrer Arbeiterwohlfahrt (Awo), Karlheinz Ebert. Das Awo-Jugendzentrum ist das einzige im Ort und existiert bereits seit den 70er-Jahren. Nun können dank des Horrorwittchens endlich der Freizeitplatz neu gepflastert und die Decke schallgedämmt werden.

dpa

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