Trauer und Entsetzen in der Heimat

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An dieser Stelle wurde ein fünfjähriges Kindergartenkind beim Spielen von einem Felsbrocken erschlagen.

Großostheim - Als sie am Morgen ihr kleines Mädchen in den Kindergarten schickten, ahnten die Eltern nicht, dass sie es nie wieder lachen sehen werden. Während des Kita-Ausfluges wird die Fünfjährige von einem Lehmbrocken erschlagen. Das Unglück lähmt das unterfränkische Großostheim.

Die Luft steht feuchtwarm über dem Waldweg, den bis zu acht Meter hohe Steilwände säumen. Die Vögel zwitschern. Doch die Idylle am Rande der unterfränkischen Gemeinde Großostheim (Landkreis Aschaffenburg) wird von einem Bauzaun und weiß-rotem Flatterband zerstört. Hinter der Absperrung liegen große Lehmbrocken auf dem Weg. Die scharfkantigen Teile haben ein kleines Mädchen erschlagen. Sie lösten sich am Donnerstag plötzlich von der Wand und

trafen die Fünfjährige

. Das schwer verletzte Mädchen, das noch am Unglücksort von Rettungskräften reanimiert wurde, starb wenig später im Krankenhaus.

Im Markt Großostheim scheint das Leben am Tag nach dem Unglück stehen geblieben zu sein. Die Straßen sind leer, Passanten wollen nicht über den tragischen Tod des Kindes sprechen. In dem kleinen Ort kennt man sich. Das Unglück geht vielen nahe. Die Fünfjährige war nach Angaben des dritten Bürgermeisters Kurt Geiß das einzige Kind des Paares aus Großostheim.

Mit dem Kind hielten sich noch 13 weitere Mädchen und Jungen in der Nähe der Steilwand auf. Sie blieben unverletzt. “Wir haben als Kinder dort auch immer gespielt. Dass da was passieren kann, hätten wir nie gedacht“, sagte die Verkäuferin eines kleinen Geschäftes im Ort. Die Gefahr, die von der Steilwand ausging, war den meisten nicht bewusst. Auch die Gemeinde selbst überraschte das “derartige Steilwandversagen“. “Sowas ist noch nie passiert“, sagte der Bürgermeister. Er sprach den Eltern sein tiefes Mitgefühl aus. “Es ist ein tragisches Unglück, das wir zutiefst bedauern.“

Auf dem Gemeindegebiet gebe es mehrere Hohlwege mit Steilwänden - insgesamt seien es 32 Kilometer. Der Unglücksweg sei erst im April dieses Jahres abgelaufen worden. “Wir hatten im Vorfeld keinerlei Erkenntnisse, dass von dieser Wand eine besondere Gefahr ausgeht“, sagte Alexander Schaad von der Gemeinde . “Hier haben schon Generationen von Kindern gespielt“, sagte Geiß.

Bayerns Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU), der selbst zwei Kinder hat, sprach von einem “Unglücksfall, den man mit Worten nicht beschreiben kann“. Dieser tragische Unfall zeige, dass man die Verkehrssicherheitspflicht ernst nehmen müsse. “Wander- und Waldwege zu kontrollieren ist nötig und wichtig.“ Der Wanderweg ist bereits am Donnerstag weiträumig gesperrt worden. Zum einen wegen der Gefahr, zum anderen, um wichtige Spuren nicht zu zerstören.

Ein ähnlich tragisches Unglück hatte sich vor einem halben Jahr auf Rügen zugetragen. Die zehnjährige Katharina aus Brandenburg war bei einem Küstenabbruch an Weihnachten ums Leben gekommen. Ihr Leiche wurde erst im Januar dieses Jahres gefunden.

Der Kindergarten hatte am Freitag wie gewohnt geöffnet. “Es ist wichtig, den Kindern jetzt soviel Normalität wie möglich zu geben“, begründete dies der evangelische Notfallseelsorger Peter Karl Kolb. Die Eltern des fünfjährigen Mädchens, die Erzieher und die Kinder der Kindertagesstätte wurden von mehreren Seelsorgern betreut. Die beiden Erzieherinnen, die das Unglück miterlebten und das schwer verletzte Mädchen betreuten, seien beurlaubt worden.

Die kleine Gemeinde hat am Donnerstag hautnah zu spüren bekommen, dass Freud und Leid sehr nah beieinander liegen können: Am Morgen freuten sich die Großostheimer mit einem Schüler, der in Griechenland die olympische Fackel tragen durfte. Schon am Nachmittag wurde dieses fröhliche Ereignis vom tragischen Tod des Mädchens überschattet.

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