Doppelmordprozess

Angeklagter will aus Notwehr gehandelt haben

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Ein Polizeiauto steht am 29. Januar 2013 in Neumarkt in der Oberpfalz vor einem Wohnhaus. Bei einem Konflikt, der zuvor in dem Haus stattfand, sind zwei Männer ums Leben gekommen.

Neumarkt i.d. Oberpfalz/Nürnberg - Wegen Doppelmordes muss sich seit Dienstag ein 44 Jahre alter Mann vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten.

Vor einem Jahr hatte er seinen 65 Jahre alten Schwiegervater und dessen 26-jährigen Sohn in einem Haus in Neumarkt erstochen. Im Prozess machte er Notwehr geltend - laut Anklage dagegen rächte sich der Kosovo-Albaner an der Familie seiner Frau, die ihn verlassen hatte. Die Trennung habe er als Ehrverletzung betrachtet, sagte Staatsanwältin Elisabeth Böhmer am ersten Prozesstag.

Der Angeklagte äußerte sich zu den Vorwürfen nicht selbst, sondern ließ seinen Verteidiger eine Erklärung verlesen. Demnach soll der Angriff von den beiden Männern ausgegangen sein.

Er sei damals zu seinem Schwiegervater gefahren, um ihn um Hilfe zu bitten. Nach der Trennung habe er seinen Sohn nicht mehr sehen dürfen - er habe gehofft, der Schwiegervater vermittle. Aber der 65-Jährige habe ihm Reizgas in die Augen gesprüht, und der Schwager habe mit einem Küchenbeil auf ihn eingeschlagen.

Polizeibeamte sagten am Dienstag aus, sie hätten den Angeklagten stark blutend und regungslos im Treppenhaus vorgefunden. Außerdem sei ihnen ein beißender Geruch aufgefallen, weshalb sie zunächst auch eine Gasexplosion für möglich hielten. Die Feuerwehr fand dann die beiden Leichen in der Wohnung.

Der 44-Jährige will mit dem Messer auf die Männer eingestochen haben, um sich zu verteidigen. „Es war aus unserer Sicht ein Fall von Notwehr“, sagte Verteidiger Jürgen Schwarz vor Beginn des Prozesses. Staatsanwältin Böhmer dagegen sagte, der Angeklagte habe die Tat geplant und das Messer bereits bei sich gehabt. Der mittlerweile geschiedene Mann beantwortete keine Fragen.

Die Kammer will sich mit Indizien, einem psychiatrischen Gutachten und den Aussagen von mehr als einem Dutzend Zeugen ihr Urteil bilden.

Einen Tag vor der Bluttat hatte sich der 44-Jährige in der Bezirksklinik Regensburg psychiatrisch behandeln lassen. Direkt nach seiner Entlassung am nächsten Tag soll er den Ermittlungen zufolge nach Neumarkt zu seinem Schwiegervater gefahren sein. Das Urteil soll voraussichtlich nach sieben Verhandlungstagen Ende Januar verkündet werden.

 

lby

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