Polizist angeschossen: Kollegen halten Schüsse für ein Feuerwerk

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München - Die Kollegen des vor einem Jahr in der Passauer Inspektion angeschossenen Polizeibeamten haben nun vor Gericht erklärt, warum sie auf die Schüsse nicht sofort reagiert haben:  Sie haben sie anfangs für ein Feuerwerk gehalten.

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Den ersten Schuss hätten sie nicht als solchen erkannt, berichteten der 53-Jährige und sein 39 Jahre alter Kollege am Montag vor dem Landgericht Passau. Sie hätten im zweiten Stock im Kriminaldauerdienst am Computer gearbeitet, als der 28-jährige Angeklagte ihrem Kollegen im Erdgeschoss die Dienstwaffe abnahm und ins Gesicht schoss.

Der 39-Jährige habe daraufhin im Treppenhaus gelauscht, aber eine Unterhaltung im normalen Tonfall gehört und deshalb keinen Anlass zur Sorge gesehen. Später folgten weitere Schüsse, die sie jedoch zuerst für ein Feuerwerk gehalten hätten. Dann hätten sie jedoch ihre Dienstwaffen aus dem Schrank geholt und schusssichere Westen angezogen.

Zu diesem Zeitpunkt etwa kam ein Anruf aus der Einsatzzentrale wegen der Schüsse, so dass sie ihre Maschinenpistolen nahmen und über das Dach versuchten, an den Täter heranzukommen. Dieser hatte sich inzwischen draußen mit dem schwer verletzten Beamten zwischen Autos verschanzt. "Dann schoss er auf uns, wir duckten uns, dann schoss er noch mal, wohin weiß ich nicht", berichtete der 53-jährige Beamte am dritten Verhandlungstag.

Unterdessen sei eine Streife zurückgekehrt, die just zuvor in einer Kneipe zu einer Schlägerei mit dem Angeklagten gerufen worden war. Die Streifenbeamten konnten den Mann, der inzwischen das Magazin leergeschossen hatte, überwältigen. Während des Vorfalls waren der Dienstgruppenleiter und eine Kollegin in einer Ruhepause.

Die Beamtin gab an, sie habe etwas gehört. "Ich hörte Geräusche, anschließend Stille. Aber es ist öfter einmal laut auf der Dienststelle." Später habe sie Schüsse gehört und sei zum Dienstgruppenleiter gegangen, der Kontakt mit den anderen Kollegen aufnahm. Zwei weitere Beamte sollen in dem Gebäude gewesen sein.

Da sie aber offenbar nichts gesehen und gehört hatten, verzichtete das Gericht nach eigenen Angaben auf ihre Ladung. Vor Beginn des Prozesses hatten Medien berichtet, Kollegen des Opfers hätten geschlafen und hätten deshalb nichts mitbekommen. Bei der Polizei hieß es später, sie seien in einer Ruhepause gewesen.

Laut Anklage hatte der 28-Jährige am 24. September 2009 mit seiner Ehefrau deren Geburtstag gefeiert und nach eigenen Angaben im Laufe des Tages mehr als eine Flasche Schnaps getrunken. Schließlich soll er mit seiner Partnerin gestritten haben und auf sie losgegangen sein. Danach soll er in einer Kneipe einen Studenten niedergeschlagen haben und mit einem Taxi zur Polizei gefahren sein, um Hilfe bei seinem Ehestreit zu bekommen.

Laut Anklage kam es zum Gerangel zwischen dem 49 Jahre alten Polizisten und dem Mann. Der Beamte verlor seine Dienstwaffe. Der 28-Jährige nahm diese und schlug dem Opfer mehrfach auf den Kopf. Dann setzte er dem Polizisten die Waffe an den Schädel. Als dieser die Waffe wegschieben wollte, löste sich der Schuss. Trotz seiner Verletzung konnte der Polizist auf den Hof der Inspektion fliehen. Dort holte ihn der 28-Jährige ein und verschanzte sich zwischen Autos. Er schoss auf hinzukommende Polizisten und wurde schließlich nach etwa einer Stunde überwältigt, als das Magazin leer war.

Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage eingeplant, ein Urteil wird am 12. Oktober erwartet.

dpa

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