Mehr Tote und Verletzte auf Bayerns Straßen

München - Auf Bayerns Straßen starben vergangenes Jahr erstmals wieder mehr Menschen als im Vorjahr. Vor allem in einem Regierungsbezirk stieg die Zahl der Unfalltoten besonders stark an.

Traurige Trendwende: Erstmals seit vier Jahren ist die Zahl der Verkehrstoten auf bayerischen Straßen wieder deutlich gestiegen. Bei Unfällen seien im Vorjahr 778 Menschen ums Leben gekommen, teilte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Donnerstag in Nürnberg mit. Dies seien rund elf Prozent mehr als im Jahr 2010. Auch die Zahl der Verletzten habe entgegen dem langjährigen Trend zugelegt - und zwar um knapp vier Prozent auf 70 200. „Diese beiden Zahlen sind die, die uns am meisten betroffen machen“, sagte Herrmann bei der Veröffentlichung der Verkehrsunfallstatistik für 2011 in Nürnberg.

Die Zahl der Verkehrsunfälle sei dagegen von knapp 357 000 auf rund 350 000 gesunken. „Wir haben weniger Unfälle, aber dramatischere Folgen. Bei Unfällen gibt es wieder mehr Tote und Verletzte“, resümierte Herrmann. Dies sei zwar ein bundesweiter Trend. „In Bayern ist dieser Trend aber noch stärker als im Bundesdurchschnitt. Eine schlüssige Erklärung hat bisher niemand“, sagte er. Als Konsequenz der gestiegenen Unfallopferzahlen kündigte Herrmann an, mehr für die Verkehrssicherheit zu tun. Schon im Mai wolle er ein neues Sicherheitsprogramm vorlegen.

Wie neue Ergebnisse des Statistischen Landesamtes zeigen, hat sich die Zahl der Unfalltoten im vergangenen Jahr regional sehr unterschiedlich entwickelt. Während etwa in Mittelfranken die Zahl der Todesopfer im Vergleich zu 2010 mit 78 um 11,4 Prozent gesunken ist, ließen bei Unfällen auf Straßen in Schwaben mit 116 fast 40 Prozent mehr Verkehrsteilnehmer ihr Leben als ein Jahr zuvor. Außer in Ober- und Mittelfranken ist die Zahl der Unfalltoten in allen bayerischen Regierungsbezirken gestiegen. Die meisten Unfälle mit Todesopfern seien auf Landstraßen passiert, die Zahl der dabei Getöteten sei um fast ein Viertel gestiegen.

Nicht erklären kann sich Herrmann den Umstand, dass besonders viele Auto-, Motorrad- und Radfahrer sowie Fußgänger ausgerechnet in den Monaten August und Dezember ums Leben kamen. Allein im August 2011 seien bayernweit 25 mehr Menschen im Straßenverkehr getötet worden als im August 2010. Im Dezember waren es sogar 35 mehr als im Vergleichsmonat 2010. Die auf lange Sicht gesehen weiterhin steigenden Unfallzahlen in Bayern erklärt sich Herrmann mit dem Jahr für Jahr wachsenden Verkehrsaufkommen. Nach neuesten Zahlen ist im Jahr 2010 knapp ein Zehntel mehr Verkehr über die Straßen des Freistaats gerollt als vor zehn Jahren.

Von den 778 Getöteten waren 413 Autofahrer (plus 13,5 Prozent), 159 Motorradfahrer (plus 19 Prozent), 74 Radfahrer (plus 14 Prozent) und 87 Fußgänger (minus 2 Prozent). Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Kindern nahm nach Herrmanns Angaben um drei Prozent zu. Dagegen geht die Zahl der Verkehrsunfälle von jungen Fahrern zwischen 18 und 24 Jahren weiter zurück. Im Jahr 2010 waren sie an 37 000 Unfällen beteiligt: „Das ist zwar der niedrigste Stand seit 2003. Nach wie vor sind diese jungen Leute dennoch die häufigsten Unfallverursacher.“ Hauptursachen bei allen Unfällen waren 2010 zu hohes Tempo, Fahrfehler, Missachtung der Vorfahrt und Alkohol am Steuer.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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