Verteidiger des Verurteilten will Peggy-Prozess neu aufrollen

Hof - In den Mordfall Peggy kommt neun Jahre nach dem spurlosen Verschwinden des Mädchens neue Bewegung. Der Anwalt des verurteilten Mörders will den Prozess neu aufrollen. Denn ein Belastungszeuge nimmt laut Medienbericht seine Aussage zurück.

Der Verteidiger des für den Mord an der neunjährigen Peggy verurteilten Mannes will den Prozesses neu aufrollen. “Bis Ende des Jahres strebe ich an, den Antrag auf Wiederaufnahme einzureichen“, sagte Rechtsanwalt Michael Euler am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Zunächst müsse er noch weitere Ermittlungen anstellen und die Akten prüfen.

Ein wichtiger Belastungszeuge hatte in der Nürnberger “Abendzeitung“ (Freitag) angekündigt, seine Aussage zurückzunehmen. Er erhob zudem schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungsbehörden.

Die damals neun Jahre alte Peggy aus Lichtenberg (Landkreis Hof) war im Mai 2001 verschwunden, ihre Leiche wurde bis heute nicht gefunden. Das Landgericht Hof hatte 2004 in einem umstrittenen Prozess den geistig behinderten Sohn einer Gastwirtsfamilie wegen Mordes an dem Mädchen zu lebenslanger Haft verurteilt.

Michael Euler vertritt den Verurteilten, der zurzeit in der psychiatrischen Klinik in Bayreuth sitzt, als Pflichtverteidiger im Vollstreckungsverfahren. Er habe sich die 13 000 Seiten Aktenmaterial des Mammutprozesses aus Hof geholt. Sie zeigten, “wie schlampig die Ermittlungsbehörden gearbeitet haben“.

So sei der heute 32 Jahre alte Verurteilte, der einen Entwicklungsstand eines Zehnjährigen aufgewiesen habe, massiv unter Druck gesetzt worden. “Der hätte alles gestanden.“ Nur so seien Geständnis und der spätere Widerruf zustande gekommen.

Von ähnlich rabiaten Vorgehen berichtet im Bericht der “Abendzeitung“ auch der ehemalige Belastungszeuge. Im Prozess hatte er behauptet, der Angeklagte habe ihm beim gemeinsamen Krankenhausaufenthalt den Mord an Peggy gestanden. Die Zeitung zitiert aus einer eidesstattlichen Versicherung: “Dabei wurden mir von Kripo-Beamten Behauptungen und Formulierungen in den Mund gelegt, die ich so nicht gemacht habe.“

Beamte der Soko hätten ihn mit falschen Versprechungen wie Hafterleichterungen und einem milden Urteil zu der Falschaussage gedrängt. Und: “Mir gegenüber hat er den Mord an Peggy nicht gestanden.“ Aufgrund einer schweren Erkrankung wolle der Zimmermann nun reinen Tisch machen und habe sich bei den Eltern des Verurteilten entschuldigt, schreibt das Blatt.

e Staatsanwaltschaft Hof reagierte am Freitag abwartend auf die neuen Entwicklungen. Man werde der Sache nachgehen, sagte Oberstaatsanwalt Eberhard Siller der Nachrichtenagentur dpa.

Verteidiger Euler glaubt, längst genug Gründe für eine Wiederaufnahme gefunden zu haben. Viele Entlastungszeugen seien unter Druck gesetzt worden. “Außerdem habe ich Zeugen, die gar nicht gehört worden“, sagte er. So will eine Frau Peggy eine Woche nach dem Mord in einem Münchner Vorort in Begleitung eines Mannes gesehen haben; das Mädchen habe verstört gewirkt. “Die Frau hat den Hinweis der Polizei gegeben, wurde aber nicht wieder kontaktiert oder als Zeugin befragt“, sagte Euler.

dpa

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