Doppelmordprozess: Verteidigung will Freispruch

Schweinfurt - Am ersten Prozesstag nach seiner Freilassung wirkt der mutmaßliche Doppelmörder von Schweinfurt gelöst. Ein Sachverständiger erklärt ihn für psychisch gesund. Die Verteidigung will den Freispruch des Mannes beantragen.

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Ein mutmaßlicher Doppelmörder aus Schweinfurt ist nach Ansicht eines Sachverständigen nicht psychisch krank. “Er hat keine psychiatrische Störung“, sagte Psychiater Detlef Blocher am Montag vor dem Landgericht Schweinfurt. Der angeklagte Bauunternehmer soll im August 2009 ein Liebespaar - seinen Onkel und dessen Schwägerin - kaltblütig mit Kopfschüssen niedergestreckt haben. Weil aber Beweise fehlen, dass der 30-Jährige zum Tatzeitpunkt auch am Tatort war, kam der Angeklagte zu Jahresbeginn auf freien Fuß. Er hatte seit September 2009 in Untersuchungshaft gesessen.

“Wir werden auf jeden Fall einen Freispruch beantragen“, sagte Verteidiger Norman Jacob nach der Verhandlung. Die Familie der toten Frau habe mehr Motive für ein derartiges Verbrechen als der Angeklagte. Details nannte Jacob nicht.

Am ersten Prozesstag nach der Entlassung aus dem Gefängnis wirkte der Angeklagte gelöst. Seit vergangenen August verhandelt die Schwurgerichtskammer gegen ihn. Handfeste Beweise für seine Täterschaft gibt es nicht, nur Indizien.

Psychiater Blocher beschrieb den Iraker als “gut durchschnittlich begabt“, der klare Vorstellungen von dem habe, was er im Leben erreichen kann. Der Angeklagte habe bei Gesprächen im Frühjahr 2010 einen unauffälligen Eindruck gemacht. “Etwas dünn geblieben sind die Angaben über den privaten Bereich“, sagte Blocher über die Aussagen des Bauunternehmers. Dies sei aber in diesem Kulturkreis üblich.

Der Prozess soll am 31. Januar fortgesetzt werden. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat der 30-Jährige die Beziehung zwischen seinem verheirateten Onkel (35) und dessen Schwägerin (30) - beide stammen ebenfalls aus dem Irak - als Verletzung der Familienehre empfunden. Deshalb soll er die beiden auf einem Parkplatz neben der Schweinfurter Eissporthalle erschossen haben. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe.

Am Montag konnte auch geklärt werden, dass keines der fünf Kinder des getöteten Mannes von dem Angeklagten stammt. Der Verdacht war aufgekommen, nachdem zahlreiche Bilder einer Tochter des Opfers auf dem PC des Tatverdächtigen entdeckt worden waren. Mit einem Vaterschaftstest wurde dieser Verdacht ausgeräumt. 

lby

Rubriklistenbild: © dpa

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