München ist Spitzenreiter

Krippenplatz für jedes zweite Kind

München/Bayreuth - Ab 1. August gilt der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für Kinder unter drei Jahren. Bund und Land sind mit dem Ausbau des Betreuungsangebots zufrieden. In Großstädten übersteigt aber der Bedarf weiterhin das Angebot.

Für die Hälfte der ein bis zwei Jahre alten Kinder in Bayern wird Ende des Jahres nach Angaben des Sozialministeriums ein Krippenplatz zur Verfügung stehen. Laut Statistischem Bundesamt wurden zum 1. März knapp 80 000 unter Dreijährige in einer Kinderkrippe im Freistaat betreut. Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) rechnet zum Jahresende mit insgesamt 110 000 Plätzen.

„Entscheidend ist aber nicht die Quote, sondern ob vor Ort jeweils genug Plätze vorhanden sind“, sagte sie am Donnerstag. Einzig die Großstädte Nürnberg und München müssten Probleme bei der Erfüllung des Rechtsanspruchs auf einen Krippenplatz ab dem 1. August fürchten. Die Oberbürgermeister Ulrich Maly und Christian Ude (beide SPD) hätten zu spät reagiert.

Die beiden Politiker wiesen den Vorwurf am Donnerstag am Rande der Vollversammlung des Bayerischen Städtetags in Bayreuth zurück. München habe im Vergleich der bayerischen Großstädte den Spitzenplatz beim Krippenausbau inne, sagte Ude der Nachrichtenagentur dpa. Man könne derzeit 60 Prozent der Kleinkinder einen Platz anbieten, zum Jahresende seien es 66. Ein großes Problem sei es, Personal für die Einrichtungen zu finden. Maly nannte Haderthauers Vorwürfe „Unsinn“. Man habe in Nürnberg enorme Anstrengungen unternommen, um Krippenplätze zu schaffen.

Maly, der zugleich Präsident des Deutschen und des Bayerischen Städtetags ist, glaubt nicht, dass der von der Bundesregierung berechnete Bedarf an Kinderkrippenplätzen ausreicht: Der Bund gehe von einer Versorgungsquote von 39 Prozent aus. „Ich bin aber für folgende Zählung: Wenn das letzte Kind, das einen Platz braucht, einen bekommen hat, dann sind wir fertig.“

Maly geht von einem Anteil von 50 Prozent aus; in manchen Städten werde der Bedarf an Krippenplätzen aber auch deutlich höher liegen. Der Bund müsse die Kommunen weiter beim Krippenausbau unterstützen, forderte er. „Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe von Bund, Ländern und Kommunen.“

Haderthauer betonte, der Freistaat bezuschusse nicht nur die Schaffung neuer Krippenplätze, sondern beteilige sich auch an den Betriebskosten mit mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr. Das bayerische Förderprogramm sei zudem ungedeckelt. „Damit gibt der Freistaat den bayerischen Bürgermeistern eine Krippenausbaugarantie, egal wie viele Plätze eine Gemeinde braucht.“

Städtetagspräsident Maly: Krippenausbau muss weitergehen

Der Präsident des Deutschen Städtetags, Ulrich Maly (SPD), glaubt nicht, dass der von der Bundesregierung berechnete Bedarf an Kinderkrippenplätzen ausreicht. Der Bund gehe von einer Versorgungsquote von 39 Prozent aus. „Ich bin aber für folgende Zählung: Wenn das letzte Kind, das einen Platz braucht, einen bekommen hat, dann sind wir fertig“, sagte Maly am Rande eines Treffens des Bayerischen Städtetags am Donnerstag in Bayreuth. Er gehe von einem Anteil von 50 Prozent aus; in manchen Städten werde der Bedarf an Krippenplätzen aber auch deutlich höher liegen.

Die Lebenswirklichkeit der Menschen habe sich verändert, betonte der Oberbürgermeister von Nürnberg. Frauen wollten sich nicht mehr zwischen Beruf und Familie entscheiden müssen. Der Bund müsse die Kommunen deshalb weiter beim Krippenausbau unterstützen. „Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe von Bund, Ländern und Kommunen.“

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) erklärte am Donnerstag, die Ziele der Regierung beim Ausbau des Betreuungsangebots würden erreicht werden.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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