Nächster Inzest-Fall: Vater soll Töchter missbraucht haben

Memmingen - Wegen Inzests muss sich ein 46-Jähriger in Schwaben vor Gericht verantworten. Er soll mit seinen Töchtern jahrelang Sex gehabt haben.

Ein weiterer mutmaßlicher Inzestfall erschüttert Bayern. Ein 46-Jähriger in Schwaben muss sich ab Dienstag in Memmingen vor Gericht verantworten, weil er sich jahrelang an seinen beiden Töchtern vergangen haben soll. Eine von ihnen, die heute 24 Jahre alt ist, brachte zwei Kinder ihres Vaters zur Welt. Von April 2006 bis Juni 2010 soll der Mann knapp 400 Mal Sex mit den jungen Frauen gehabt haben.

Im bereits am Dienstag bekanntgewordenen Inzestfall in Mittelfranken kamen derweil neue Details ans Licht. Am Mittwoch erklärte der Verteidiger des 69-Jährigen, dass die Frau ein weiteres Kind geboren habe - Vater sei ihr eigener Onkel, der Bruder des Vaters. “Das hat die Staatsanwaltschaft unterschlagen“, sagte der Anwalt Karl Herzog aus Neustadt an der Aisch der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch.

Beschuldigter seit halbem Jahr in U-Haft

Der Beschuldigte sitzt seit einem halben Jahr in Untersuchungshaft. Laut Staatsanwaltschaft erklärt er, der Sex mit seiner Tochter sei einvernehmlich gewesen. Dem Mann wird vorgeworfen, seine heute 46-jährige Tochter seit Jahrzehnten immer wieder vergewaltigt und drei Kinder mit ihr gezeugt zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte am Dienstag Anklage wegen Vergewaltigung in fast 500 Fällen erhoben.

“Mein Mandant streitet nicht ab, Geschlechtsverkehr mit seiner Tochter gehabt zu haben“, zitierte das Online-Portal “stern.de“ den Anwalt des Mannes. “Dies geschah jeweils einvernehmlich und ohne Anwendung von Gewalt durch meinen Mandanten.“ Die Tochter sei die Einzige, die von Gewalt spreche. Aus diesem Grund habe er auch ein Glaubwürdigkeitsgutachten in Auftrag gegeben.

Tochter brachte Ermittlungen ins Rollen

Noch ist unklar, wann sich der 69 Jahre alte Vater aus Willmersbach vor Gericht verantworten muss. Das Landgericht Nürnberg-Fürth prüfe noch, hieß es von der Justiz. Die mutmaßlichen Taten waren ans Licht gekommen, als die Tochter wegen einer Straftat eine Bewährungshelferin zur Seite gestellt bekam. Sie brachte die Ermittlungen ins Rollen.

Bei dem zweiten, jetzt bekanntgewordenen Fall aus dem Landkreis Günzburg war eine Tochter zu Beginn der angeklagten Taten 16 Jahre alt, ihre ältere Schwester bereits volljährig. Aus Angst vor dem Vater gingen beide nicht zur Polizei.

Laut Anklage soll sich der Mann fast 200 Mal an seiner jüngeren Tochter vergangen haben - und ebenfalls knapp 200 Mal an der heute 24-Jährigen. Die Frau erlitt zunächst eine Fehlgeburt und brachte im vergangenen Jahr einen Jungen zur Welt. Es war bereits ihr zweites Kind vom Vater, das erste bekam sie bereits 2006. Diese früheren Taten werden nach Angaben des Gerichts allerdings nicht mehr geahndet. Zur Anklage kommen nur Fälle ab Februar 2009. “Beischlaf zwischen Verwandten“ ist nach fünf Jahren verjährt ist. Die Anklage lautet auf sexuellen Missbrauch Schutzbefohlener.

Iris Hölling von der Arbeitsgemeinschaft “Wildwasser“, die gegen sexuellen Missbrauch von Mädchen kämpft, sagte, solche Vergehen seien oft nur schwer aufzudecken. Die Täter entwickelten geschickte Taktiken und setzten die Opfer mit Schweigegeboten jahrelang massiv unter Druck, sagte sie der dpa in Berlin. “Hinschauen allein reicht oft nicht aus. Wir machen es uns zu einfach, wenn wir glauben, dass das Umfeld bei sexueller Gewalt so etwas aufdecken könnte.“

dpa

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