Im Raum Nürnberg

Viele ältere Menschen lehnen Astrazeneca ab - Hausarzt findet deutliche Worte: „Dieses Anspruchsdenken...“

Ein Arzt führt eine Corona-Impfung durch.
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Eine Corona-Impfung mit Astrazeneca lehnen viele ältere Bürger im Raum Nürnberg ab.

Der Impfstoff von Astrazeneca hat ein Imageproblem. Das macht sich im Raum Nürnberg vor allem bei Älteren bemerkbar, die das Vakzin ablehnen.

Nürnberg - Biontech, Moderna, Johnson& Johnson* und Astrazeneca - die Auswahl an Impfstoffen gegen das Coronavirus* ist in der EU mittlerweile größer geworden. Allerdings trat vor allem das Vakzin von Astrazeneca negativ in Erscheinung. Es soll Sinusvenen-Thrombosen auslösen, die mitunter tödlich verlaufen können. Aus dem Risiko des Impfstoffs hat sich in den letzten Monaten eine Debatte entwickelt, ob er nach wie vor in Deutschland zugelassen ist. Nach einem Impfstopp einigte man sich zuerst, keine Menschen ab 65 Jahren damit zu spritzen. Dann wurde er doch für diese Altersgruppe zugelassen und dafür nicht mehr für die unter 65-Jährigen. Und jetzt kann sich jeder mit Astrazeneca impfen lassen, sofern er es möchte.

Das Hin und Her sowie die Risiken haben dazu geführt, dass der Impfstoff ein Imageproblem hat. Die Bevölkerung ist skeptisch. Sogar Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte laut einem Bericht der Bild Astrazeneca abgelehnt und sich mit Biontech* impfen lassen. Jetzt hat er sich knapp einen Monat nach seiner ersten Spritze mit Corona infiziert.

Corona-Impfungen im Raum Nürnberg: Viele Ältere lehnen Astrazeneca ab

In der Region Nürnberg* ist diese Skepsis vor allem bei Älteren deutlich zu spüren. Sie wollen statt Astrazeneca lieber Biontech gespritzt bekommen. Das sorgt für Frust. Der Vorsitzende des bayerischen Hausärzteverbands und Erlanger* Hausarzt, Markus Beier, sagte gegenüber Nordbayern.de: „Dieses Anspruchsdenken vieler Älterer, dass sie lieber Biontech als Astrazeneca* möchten, ärgert mich sehr.“ In seiner Praxis ist es dann Usus, die Menschen, die den Impfstoff ablehnen, auf eine Extra-Warteliste zu setzen. „Wenn man ein Impfangebot nicht annehmen will, muss man sich eben hinten anstellen“, sagte er.

Beier habe die Erfahrung gemacht, dass sich manche Menschen im Gespräch zwar noch überzeugen ließen, diese Unterhaltungen den Mitarbeitern seiner Praxis jedoch viel Energie rauben und zunehmend frustrierend enden würden. Seiner Meinung nach habe man den jungen Menschen in der Corona-Pandemie schon so viel zugemutet. Darum findet er, dass man ihnen nun nicht den Impfstoff ohne Not wegnehmen soll. Allerdings habe die Nachfrage nach Aufhebung der Priorisierung in den ersten zwei Wochen stark zugenommen, wie Beier sagte. Mittlerweile ist sie jedoch schon wieder deutlich abgeflaut.

Im Impfzentrum Nürnberg: 40 Prozent der Impfwilligen wollen kein Astrazeneca

Im Impfzentrum Nürnberg stellt die Sprecherin der Koordinierungsstelle, Ulrike Goeken-Haidl laut Nordbayern.de fest, dass etwa 40 Prozent der Impfwilligen Astrazeneca ablehnen und ein anderes Vakzin wünschen. „Die Quote ist bei Jungen und Alten ungefähr gleich“, sagte sie. Bei Ablehnung des Mittels bekommen diese Menschen zur gleichen Zeit entweder Biontech oder Moderna* geimpft.

Im Video: Bundesinnenminister Horst Seehofer an Corona erkrankt

Zusätzlich ist jetzt ein anderes Phänomen in dem Zentrum aufgetreten. Seit ein bis zwei Wochen wollen viele Menschen ihren Impftermin vor- bzw. nach hinten verlegen. Als Gründe nennen sie entweder Familienbesuche oder Urlaube. Das ist aber meist nicht möglich. Ein Termin könne nur in dringenden persönlichen Ausnahmefällen verschoben werden, wie Goeke-Haidl zu Nordbayern.de sagte. Beispielsweise bei einer akuten Erkrankung oder einem Todesfall in der engsten Familie. Mittlerweile ist das Impfzentrum in der Priorisierungsgruppe* Drei angekommen. (ly)*Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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