Ja oder nein?

Soll Cannabis legalisiert werden? Das sagen die Experten aus Nürnberg dazu

Plantage für Cannabis
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Die Diskussion über die Legalisierung von Cannabis in Deutschland ist derzeit im vollen Gange.

Dass Cannabis in Deutschland angekommen ist, lässt sich nicht mehr verheimlichen. Doch soll es legalisiert werden? Die Diskussion scheidet die Geister…  

Nürnberg – Erlaubt Deutschland künftig den Konsum von Cannabis? Das wird aktuell diskutiert, unter anderem bei den Sondierungsgesprächen von SPD, FDP und Grünen. Die Nürnberger* Drogenberatung Mudra betont die korrekte Unterscheidung: „Wir sind nicht für die Legalisierung von Cannabis, sondern für die kontrollierte Freigabe“, sagt der Geschäftsführer Norbert Wittmann, wie Nordbayern.de berichtet. „Denn es ist entscheidend, Kontrolle auszuüben und Einfluss auf Qualität und Wirkstoffgehalt von Cannabis sowie auf den Jugendschutz zu nehmen.“  

Nürnberg: THC-Gehalt ist in den letzten Jahren auf über 40 Prozent gestiegen 

Lag der Wirkstoffgehalt von Tetrahydrocannabinol (THC) noch bei fünf bis acht Prozent, so ist er inzwischen auf über 40 Prozent gestiegen. „Das ist eine dramatische, hochgefährliche Entwicklung, weil diese psychoaktiven Substanzen schwere gesundheitliche Schäden auslösen können“, erklärt der Sozialarbeiter. “Die Jugendpsychiatrien sind voll.“ Durch den hochkonzentrierten THC-Konsum werden Panikattacken, Wahn- und Angstzustände sowie Psychosen begünstigt. 

Auch die Suchtbeauftragte Andrea Freismidl spricht sich gegenüber Nordbayern.de für eine begleitende Kampagne zur Aufklärung aus. Wenn der Cannabis-Konsum „entstigmatisiert„ werde, könnten Hilfs- und Gesprächsangebote die Betroffenen besser erreichen. Sie ist dafür, dass der Staat die Einfuhr, die Qualität und den Verkauf von Cannabis kontrolliert; Apotheken und lizensierte Geschäfte sollten das Rauschmittel an über 18-Jährige verkaufen dürfen. 

Nürnberg: Hilft es, wenn der Staat kontrolliert? 

Wird durch die Legalisierung eine Drogenkarriere erleichtert? Die Expertin ist sich sicher, dass dies nicht der Fall sein werde. In Studien aus anderen Ländern, wie den Niederlanden oder Kanada, hätte man nicht feststellen können, dass der Konsum nach der Legalisierung nach oben ginge. „Wir müssen uns dem Cannabis-Konsum stellen, er ist auch in Deutschland seit Jahrzehnten bereits Realität“, meint Freismidl. 

Die Gewerkschaft der Polizei Bayern (GdP) ist wiederrum strikt dagegen, Cannabis zu legalisieren: „Wir halten die Legalisierung und Freigabe von Cannabis für einen gefährlichen Irrweg“, erklärt GdP-Landesvorsitzender Peter Pytlik. Aus Sicht der Gewerkschaft sei das Rauschmittel noch immer die Einstiegsdroge Nummer eins. „Es ist auch ein Irrglaube, dass die Legalisierung eines verbotenen Stoffes die damit in Verbindung stehende Kriminalität reduziere. In Kanada und Holland sind die Legalisierungsprojekte gescheitert.“  

Nürnberg: Auch das Polizeipräsidium Mittelfranken ist dagegen 

So habe sich Holland heute zum größten Umschlagplatz für Drogen entwickelt. In Kanada habe sich die Zahl der Erstkonsumenten von Cannabis innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt. Pytlik warnt auch vor den Konsequenzen im Straßenverkehr, wenn die Droge legalisiert werden würde: „In Kanada gab in einer Befragung jeder vierte Cannabis-Nutzer zu, bereits einmal unter Drogeneinfluss gefahren zu sein.“ 

Auch das Polizeipräsidium Mittelfranken sieht in Cannabis den Einstieg einer Drogenkarriere. Laut dem Präsidium sank in den vergangenen Jahren das Alter der Erstkonsumenten. „Durch den frühen Erstkonsum steigt das Risiko einer späteren Drogenaffinität“, erklärt es. In einer wissenschaftlichen Studie sei bewiesen worden, dass der THC-Gehalt sowohl bei Haschisch als auch bei Marihuana in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sei. Darüber hinaus gibt es die Beobachtung, dass Konsumenten von Cannabis „neurokognitive Störungen“ entwickeln können. Das hat die Folge, dass die Aufmerksamkeit und Lernfähigkeit deutlich sinkt und die Gedächtnis- sowie Sprechfähigkeit deutlich absinkt. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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