Strenge Regeln für die Händler

Knaller verboten: Strenge Regeln beim  Christkindlesmarkt

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Besinnlich soll es auch heuer in Nürnberg zugehen.

Nürnberg - Kriegsspielzeug und Feuerwerkskörper Fehlanzeige - beim Nürnberger Christkindlesmarkt soll es weiterhin besinnlich zugehen. Für die Händler gibt es strenge Vorschriften. Am Freitag geht's los.  

Luftballons und Losbuden sind verboten, Kriegsspielzeug ebenso. Für den am Freitag beginnenden Nürnberger Christkindlesmarkt gelten strenge Regeln.

Der Nürnberger Großmarkt nachts um kurz nach drei Uhr. Fast im Sekundentakt fahren Fahrzeuge ein und aus. In den Hallen wird lautstark um die größten Äpfel, die schmackhaftesten Birnen und die größten Salatköpfe gefeilscht. Kaum zu glauben: An diesem von Schnelligkeit getriebenen Ort wird der besinnliche Nürnberger Christkindlesmarkt geplant.

Dafür zuständig ist Helmut Nordhardt. Das Büro des Leiters des städtischen Marktamtes befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Pforte des Großmarkts. Und ihn bringt so schnell nichts aus der Ruhe. „Ich mache das jetzt auch schon zum 15. Mal“, sagt er und lehnt sich gelassen in seinen Bürostuhl zurück.

Über 400 Händler haben sich beworben

Für den am Freitag (29.11.) beginnenden Nürnberger Christkindlesmarkt haben sich bei ihm mehr als 400 Händler beworben. Weniger als die Hälfte bekamen einen Zuschlag. Mit Argusaugen wacht Nordhardt darüber, wer was auf dem Christkindlesmarkt verkauft. „Der Markt soll schließlich nichts von seinem besonderen Flair verlieren“, betont der Marktamtschef.

Nicht erlaubt ist es etwa, elektronische Geräte wie Computer oder Smartphones samt Zubehör anzubieten. Musik ist in dem „Städtlein aus Holz und Tuch“ nur auf der offiziellen Bühne gestattet, nicht aber bei den Händlerbuden. „Da kann nicht einfach jemand einen Bassbooster hinstellen und den ganzen Tag Jingle Bells abspielen“, sagt Nordhardt. Auch Losbuden, Luftballons, Feuerwerkskörper und Horoskope untersagt die Satzung für den Christkindlesmarkt ausdrücklich.

Es gibt kein Kriegsspielzeug zu kaufen

Und es gibt einen weiteren Paragrafen, auf dessen Einhaltung Nordhardt besonders penibel achtet: Der Verkauf von Kriegsspielzeug ist strengstens verboten. Bislang sei erst einmal dagegen verstoßen worden. Nordhardt entdeckte während des Marktes an einer Bude Spielzeugpanzer. „Wir haben die sofort entfernen lassen.“ Im nächsten Jahr erhielt der uneinsichtige Händler keine Zulassung mehr - die Höchststrafe. Denn zum Christkindlesmarkt strömen jedes Jahr rund zwei Millionen Besucher, dieses Geschäft will sich keiner entgehen lassen.

Die Vorführung von Produktneuheiten, ob Bratpfanne mit Antihaftbeschichtung oder multifunktionaler Gemüseschnitzler, hat allerdings auf dem Christkindlesmarkt ebenso wenig etwas zu suchen wie Rabattaktionen. „Zwei Artikel kaufen, nur einen zahlen, das gibt es bei uns nicht“, verdeutlicht der Marktamtsleiter. Nur am letzten Verkaufstag drückt die Stadt ein Auge zu. „Das ist keine Schikane“, betont Nordhardt. Es gehe bei den ganzen Regelungen darum, dass die historische Anmutung des weltberühmten Marktes nicht verloren gehe.

Nürnberger Christkind eröffnet den Markt um 17.30 Uhr

„Der Christkindlesmarkt zählt immerhin zu den ältesten und bekanntesten Weihnachtsmärkten in Deutschland“, betont Teresa Treuheit, die diesmal das Nürnberger Christkind verkörpert. Die 18 Jahre alte Schülerin wird den Markt am Freitag um 17.30 Uhr offiziell hoch oben von der Empore der Frauenkirche aus mit einem feierlichen Prolog eröffnen.

Den Vorläufer gab es nachweislich schon von 1628 an auf dem Nürnberger Hauptmarkt. Mittlerweile ist daraus eine eigene Marke geworden. Wer Glühwein oder Souvenirs mit dem offiziellen Logo verkaufen will, benötigt eine Lizenz. Wie Thomas Meiler von der Stadt verrät, wird es in diesem Jahr erstmals einen Nürnberger Christkindlesmarkt-Kaffee und -Espresso geben, hergestellt von einem regionalen Kaffeeröster.

Christkindlesmarkt ist ein "lebender Organismus"

Den Christkindlesmarkt vergleicht Helmut Nordhardt mit einem „lebenden Organismus“. Und der könne leicht aus dem Gleichgewicht kommen, warnt der Marktamtschef. Deshalb wägt die Stadt jede Veränderung genau ab. Das fängt schon bei der Verteilung der Händler auf die 185 Holzbuden an.

Verkäufer, die immer wieder mit von der Partie sind, bekommen in der Regel ihren angestammten Verkaufsplatz. „Die Leute stehen immerhin gut drei Wochen nebeneinander und sollten sich untereinander verstehen“, meint Nordhardt. Imbissbuden befinden sich stets am Ende einer Reihe, weil sich dort die meisten Menschen ansammeln.

Ob Christbaumkugeln, Lebkuchen oder Spielzeug - es ist genau geregelt, wie viel Meter Verkaufsfläche jede Warengruppe insgesamt haben darf. Im Vergleich zu anderen Weihnachtsmärkten gibt es in Nürnberg weniger Buden, an denen alkoholische Getränke ausgeschenkt werden. Der Christkindlesmarkt solle schließlich nicht zum Ballermann ausufern, sagt Nordhardt.

dpa/lby

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