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Ehemaliger Pegnitzer führt illegale Impfaktion durch: Polizei greift ein

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Winfried Stöcker mit Ehefrau Lei Zhu beim Neujahrsempfang der Stadt Görlitz in der Schenckendorff-Turnhalle.
Winfried Stöcker mit Ehefrau Lei Zhu beim Neujahrsempfang der Stadt Görlitz in der Schenckendorff-Turnhalle. © Matthias Wehnert/Imago

Auf dem Lübecker Flughafen soll der Mediziner Winfried Stöcker über 100 Menschen einen illegalen Impfstoff verabreicht haben. Die Polizei stoppte die Aktion.

Nürnberg – Der Medizinprofessor Winfried Stöcker macht wieder einmal von sich reden. Am Samstag (27. November) soll der frühere Pegnitzer (bei Nürnberg) auf dem Lübecker Flughafen eine illegale Impfaktion veranstaltet haben, berichtet nordbayern.de. Stöcker ist der Besitzer des Flughafens. Sein selbst entwickelter Corona-Impfstoff hat ihm schon früher Ärger mit den Behörden eingebracht. Das Präparat ist bisher nicht zugelassen. Die Impfaktion wäre somit eine Straftat nach dem Arzneimittelgesetz. 

Nürnberg: Polizei und Ordnungsdienst stoppen Impfaktion

Am Samstag gegen 15 Uhr rückten die Polizei und der Kommunale Ordnungsdienst an, um das dubiose Treiben zu stoppen. Vor Ort hatten sich etwa 230 Impfwillige eingefunden, weitere strömten hinzu. 50 Personen seien wahrscheinlich mit dem fragwürdigen Vakzin geimpft worden – in einem eigens dafür eingerichteten Büroraum. Die Polizei stellte Spritzen und Impflisten sicher und nahm zahlreiche Personalien auf.

Nürnberg: Angeblich 20.000 Menschen illegal geimpft

Gegenüber der „Bild“-Zeitung sprach Stöcker später von 107 Geimpften, 600 weitere hätten noch in der Schlange gewartet. 20.000 Menschen habe er seinen Impfstoff bereits gespritzt, erklärte der 74-Jährige. Ob diese Zahlen stimmen, kann jedoch niemand nachweisen.

Nürnberg: Antikörper ohne Genehmigung hergestellt 

Seit Anfang 2021 läuft ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Lübeck gegen Stöcker. Das Paul-Ehrlich-Institut und das Landesamt für soziale Dienste hatten separat Strafanzeigen gestellt. Demnach soll Stöcker ohne Genehmigung Sars-CoV-2-Antikörper hergestellt und sich selbst sowie anderen gespritzt haben. Viermal will sich der Arzt das Antigen zwischen März und April 2020 nach eigener Aussage verabreicht haben. Im Mai 2020 erklärte er sich dann als immun gegen das Coronavirus. Seine Frau, Kinder und Freunde soll er ebenfalls mit dem Präparat „beglückt“ haben. Als Arzt brauche er dafür keine Genehmigung irgendeiner Behörde, so sein Argument. Größere Nebenwirkungen seien nach den Impfungen nicht aufgetreten.

Im September 2020 hatte Stöcker dem Paul-Ehrlich-Institut seine Testergebnisse per Mail gesandt und darum gebeten, seinen Impfstoff an einer größeren Anzahl Freiwilliger testen zu dürfen. Das Institut erstattete daraufhin Anzeige.

Nürnberg: Großspende an die AfD

Stöcker ist nicht zum ersten Mal in den Schlagzeilen. 2014 ließ er ein Benefizkonzert für Flüchtlinge absagen, das in seinem Kaufhaus in Görlitz hätte stattfinden sollen. „Mir sind so viele ausländische Flüchtlinge nicht willkommen“, sagte er damals der „Sächsischen Zeitung“. Er wolle den „Missbrauch unseres Asylrechtes nicht unterstützen“. 2019 spendete er dem „Spiegel“ zufolge 20.000 Euro an die rechtspopulistische AfD.

Stöcker verbrachte seine Schulzeit in Pegnitz und machte dort 1967 das Abitur. In Würzburg studierte er Medizin. Vor drei Jahren verkaufte er sein Labordiagnostik-Unternehmen Euroimmun für rund 1,2 Milliarden Euro an einen US-Konzern. Zudem besitzt er viele Patente.

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