Spektakulärer Kriminalfall: Des Kinis Orden kehren heim

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Die Fotos des bayerischen Landeskriminalamtes Bayern zeigen einige der wertvollen Orden, die in der Nacht zum 06.11.2005 aus dem Schloss Hohenschwangau bei Füssen im Allgäu entwendet worden waren. Insgesamt 106 Ehrenzeichen im Schätzwert von 100.000 Euro hatten die Diebe entwendet.

München - Es war ein spektakulärer Einbruch im Mondschein: Vor fünf Jahren stahlen Diebe über hundert historische Orden aus dem Schloss Hohenschwangau. Jetzt endlich kehrt ein Teil des Diebesguts heim. Doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende.

Es ist weit nach Mitternacht. Im Mondschein steht ein junger Mann vor der Mauer des Schlosses Hohenschwangau, dem Königsschloss bei Füssen. Nervös blickt er in die Nacht: Der Mann steht Schmiere. Gleichzeitig, es ist kurz vor 2 Uhr, klettern seine beiden Komplizen über die Mauer.

Am Tag zuvor hatte das Trio das Schloss noch zusammen mit ganz normalen Touristen besichtigt, um einen Schlachtplan auszuhecken. Jetzt kommen sie außerhalb der Öffnungszeiten wieder.

Die Diebe springen von der Schlossmauer herunter und rennen über eine Wiese zur Dienerschaftstreppe. Mit Gewalt stemmen sie die Tür auf – der Weg zur Beute ist fast frei. Die Täter versuchen noch, die Alarmanlage auszuschalten – doch das klappt nicht, wie sie gleich hören werden. Im Billardzimmer des Schlosses schlagen sie das Sicherheitsglas einer Vitrine ein. Der Alarm schrillt los. So schnell sie können, stopfen sich die Einbrecher die Taschen voll mit historischen Ehrenabzeichen. Nur Minuten später ist die Polizei am Schloss – doch die drei Männer sind verschwunden. Mit ihnen sind 106 Orden aus dem Besitz der Wittelsbacher verschollen. Darunter der bayerische Max-Joseph-Orden und der Hausritterorden vom heiligen Georg. Die Abzeichen gehörten zum Teil Ludwig II., Kini, dem Märchenkönig. Andere stammen aus dem Besitz von Ludwig III. und Prinz Leopold von Bayern. Der finanzielle Schaden wird auf 750 000 Euro geschätzt.

Am Mittwoch, fünf Jahre nach dem Einbruch, wurden 57 der 106 gestohlenen Orden zurückgegeben. Dass sie Herzog Franz von Bayern nun endlich wieder nachhause bringen kann, das hat er den Ermittlungen der hessischen Polizei und dem bayerischen Landeskriminalamt (LKA) zu verdanken. Den Ersten aus der Räuberbande erwischt die Polizei eher zufällig. Zwei Jahre nach dem spektakulären Einbruch sind sie einem Darmstädter Hehler wegen einem Steuerverfahren auf der Spur. Im April 2007 durchsuchen sie seine Wohnung – und finden Beweisstücke aus dem Raubzug im Schloss. Die Polizei nimmt den Mann fest. Die Beamten verhören den Hehler – und irgendwann verpfeift er seine Komplizen. Es dauert noch bis zum Oktober 2009, dann finden die Ermittler die anderen beiden Täter. „Hätte ich gewusst, welchen Wert diese Orden haben, hätte ich nicht mitgemacht“, sagt später einer von ihnen vor Gericht. Inzwischen sitzt das ganze Trio hinter Gittern.

„Mit Geld kann man solche Orden nicht ersetzen“, betont Annette Rissmann von der Allianz – die Versicherung hatte den Schaden damals bezahlt. Sie ist froh, dass sie die Beute gestern wieder dem rechtmäßigen Besitzer zurückgeben konnte. „Gottseidank wurden die Orden nicht beschädigt.“ „Wir sind froh, die Lücke endlich wieder schließen zu können“, sagt Andreas von Majewski, der Leiter der Inventarverwaltung beim Wittelsbacher Ausgleichsfonds. „Wir wollen sie gut bewahren.“

Obwohl die Diebe längst im Gefängnis sitzen, fehlt noch immer ein großer Teil der Beute. 49 gestohlene Ehrenabzeichen bleiben weiter verschollen. Das LKA ist noch immer dran an dem Fall. Die Ermittler vermuten das Diebesgut in Osteuropa. Vielleicht, so heißt es, in der Türkei.

Thomas Schmidt

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