"Ich war richtig daheim"

Papst freut sich über bayerische Trachtler

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Schuhplattler vom Chiemgau Trachtenverband tanzen am Freitag in der päpstlichen Sommerresidenz in Castel Gandolfo (Italien) vor Papst Benedikt XVI.. Rund 1000 Pilger aus der Erzdiözese München-Freising gestalteten für Papst Benedikt XVI. anlässlich dessen 85-jährigen Geburtstages im April nachträglich einen Ehrenabend.

Castel Gandolfo - Besuch aus der Heimat für Papst Benedikt XVI.: Ein Ehrenabend mit Tanz, Musik und Ehrensalut der Gebirgsschützen erfreut Benedikt. Man spürt, wie sehr ihm seine bayerische Heimat am Herzen liegt.

Der Andachtsjodler erklingt, Papst Benedikt XVI. steht da, die Hände sind gefaltet. An seiner Seite ist sein greiser Bruder Georg Ratzinger. Es ist der ergreifendste Moment in einer Feierstunde, die vor allem von bayerischer Heiterkeit geprägt war. Das Erzbistum München-Freising hat dem Papst nachträglich zum Geburtstag einen Ehrenabend voller Brauchtum geschenkt.

Rund 1000 Pilger sind deshalb am Freitagabend auf den Sommersitz Gastel Gandolfo nahe Rom gekommen. Doch der Papst, so glaubt man in seinem Gesicht zu lesen und so kann man seine Worte interpretieren, empfindet auch Rührung und Wehmut. Ob er seine bayerische Heimat noch einmal persönlich sehen darf? 85 Jahre alt ist er im April geworden, bis zum Lebensende wird er Oberhaupt der katholischen Kirche bleiben und in Rom leben und arbeiten. Das war nicht sein ursprünglicher Lebensplan, eigentlich wollte er nach seiner Zeit als Chef der Glaubenskongregation im Vatikan zurückkehren in den Freistaat. Doch dann wählten ihn die Kardinäle zum Papst.

Pilger aus Erzdiözese München-Freising beim Papst

Pilger aus Erzdiözese München-Freising beim Papst

“Vergelt's Gott. Ich war richtig daheim“, ruft er den Volksmusikanten, Trachtlern und Gebirgsschützen zu, die seinetwegen bei mehr als 30 Grad in ihren Trachten und Monturen ausharren. Den Bayern habe es der Herrgott besonders leicht gemacht, ihre Heimat zu lieben, sagt der Papst. Lächelnd und sanft applaudierend verfolgt er das einstündige Programm. Ob es erlaubt sei, bei all dem Schlechten, das es in der Welt gibt, fröhlich zu sein, fragt er. Und antwortet: Ja. “Wer sich selbst nicht mag, kann den anderen nichts geben.“

Der Papst freut sich sichtlich über die Gstanzln, also heitere Verse, die Walter Vasold aus Freising vorträgt. Er lauscht den Blasmusikern von Ruperti-Blech. Er schaut sich den Erntetanz der Trachtengruppe Hinterskirchen (Landkreis Landshut) an. Die jungen Trachtler tragen Wollsocken und Stiefel, ihre Trachten sind langärmelig und nicht wirklich für den italienischen Sommer konzipiert. Trotzdem halten sie durch: “Es ist schon sehr heiß. Aber es hilft ja nix“, sagt Jugendleiterin Verena Hetzel (27) und lacht. Die Freude über den Auftritt verdrängt die Hitze.

Party auf dem Weg zum Papst

Party auf dem Weg zum Papst

Auch die Gebirgsschützen schwitzen ordentlich in ihren Lodenjacken. Unter den Klängen des König-Ludwig-Marsches ziehen sie mit ihren Fahnen vor die päpstliche Sommerresidenz. Mitglieder der Kompanie Tegernsee schießen einen Ehrensalut für den Papst, der ihr Ehrenmitglied ist. Es ist eine imposante Demonstration oberbayerischen Brauchtums.

Später, im Innenhof, werden auch leisere Töne angeschlagen, etwa von der Familienmusik Rehm oder der Innleitn-Geigenmusi aus Rosenheim. Fehlen dürfen natürlich auch Schuhplattler nicht. “Es ist prächtig, wie sich Brauchtum aus dem Erzbistum München-Freising hier präsentiert“, sagt Innenminister Joachim Herrmann (CSU) als Vertreter der Staatsregierung.

Beckenbauer, Riesch und andere Promis über den Papst

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Gemeinsam singt der Pontifex am Schluss spontan noch die Bayernhymne mit den Besuchern aus der Heimat, obwohl das gar nicht im Programm vorgesehen war. “Heimat ist ein Sehnsuchtsort“, sagt der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx. Auch wenn der Papst ein Römer sei und in seinem Amt für die ganze Welt zuständig sei - “aber im Herzen bleibt er Bayer. Im Herzen geht die Heimat mit“.

Er will den Pontifex auch aufmuntern, denn schließlich hat er in den vergangenen Monaten durch die Affäre um verschwundene Geheimdokumente im Vatikan und die Verhaftung seines Kammerdieners schwere Zeiten hinter sich. “Wir stehen hinter Ihnen, Heiliger Vater“, betont Marx. Der Papst dankt dem Kardinal und der ganzen Erzdiözese für diesen Abend, der eine musikalische Reise durch das Erzbistum München-Freising war. Er sagt: “Alles hat mich im Herzen bewegt.“ Man spürt, dass ihm die ferne Heimat am Herzen liegt.

Von Kathrin Zeilmann

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