Bahnausbau: „Meilenstein“ über den Inn

+
Ein Zug fährt am Freitag, 23.09.2011, hinter der neuen Eisenbahnbrücke nahe Mühldorf am Inn (Oberbayern) über den Inn auf der alten Brücke, die verdeckt ist. Die neue Brücke wird Montag (26.09.2011) eingeweiht. Das Bauwerk ist Teil des zweigleisigen Ausbaus der Strecke von München nach Freilassing.

Mühldorf a. Inn - Das Schienen-Nadelöhr über den Inn ist beseitigt: Im oberbayerischen Mühldorf a. Inn wurde eine neue Eisenbahnbrücke übergeben. Doch der Ausbau der eingleisigen Strecke München-Mühldorf kommt kaum voran.

Am 4. Oktober geht es los: Dann soll der erste Zug über die neue Innbrücke bei Mühldorf rollen. Und dann täglich der ganze Zugverkehr – rund 60 Regionalzüge, rund 50 Güterzüge aus dem bayerischen Chemiedreieck. „Ein Meilenstein“ sei die neue Bahnbrücke, versicherte Bayerns Bahnchef Klaus-Dieter Josel. Doch wer gestern bei der Einweihung auf der neuen Brücke stand, sah sogleich, woran es krankt: Die neue Innbrücke ist für zwei Gleise gedacht. Doch nur eins wurde verlegt – links und rechts vom 160 Meter langen und fast zwölf Millionen Euro teuren Spannbeton-Bauwerk fehlt der zweite Gleisanschluss. Eine Oberleitung gibt es auch nicht. Wozu auch? Die gesamte Mühldorfer Strecke ist nicht elektrifiziert.

Nur eine Ministrecke konnte bislang zweigleisig ausgebaut werden – die acht Kilometer zwischen Ampfing und Altmühldorf kosteten 50 Millionen Euro. Der zweigleisige Ausbau weiterer 2,2 Kilometer (Altmühldorf-Mühldorf) soll bis 2016 stehen. Zum selben Zeitpunkt, versprach gestern Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, könnte auch die Verlängerung bis Tüßling zweigleisig sein. Die sieben Kilometer kosten rund 140 Millionen Euro, davon muss der Bund 125 Millionen zahlen. „Die Finanzierung ist gesichert“, sagte Ramsauer gestern. Auch Josel bestätigte: „Das Ziel ist realistisch.“

Der Ausbau ist auch dringend erforderlich. Die Mühldorfer Strecke ist eine der am stärksten belasteten Strecken. Wurden 2009 noch drei Millionen Tonnen Güter von Dieselloks gezogen, rechnet die Chemiebranche im Jahr 2015 bereits mit sechs Millionen Tonnen. Laut Masterplan „Schiene Chemiedreieck Bayern“ sind dann 61 Güterzugfahrten täglich zu erwarten.

Was das für den Engpass zwischen Mühldorf, Dorfen und Markt Schwaben bedeutet, wollte gestern niemand sagen. Schon jetzt kämpfen auf dem einen Gleis Regionalzüge gegen Verspätungen an.

Doch der Bau langer Ausweichstellen zwischen Markt Schwaben und Hörlkofen (acht Kilometer) sowie zwischen Dorfen und Obergeislbach (11,6 Kilometer) ist unabsehbar. Es liegt nicht einmal eine Planung vor. Staatskanzleichef Marcel Huber mahnte gestern: „Was nützt es uns, Elektroautos zu haben und moderne Züge, wenn wir die Infrastruktur nicht haben?“

Eine Hoffnung gibt es noch: Im Frühjahr hatte der CSU-Wirtschaftspolitiker Erwin Huber vorgeschlagen, private Konzessionäre zu beteiligen – so ein „Private-Public-Partnership“-Modell gibt es bislang nur beim Bau von Autobahnen. Diese Lösung favorisiert der Bayerische Bauindustrieverband, dessen Präsident Thomas Bauer, Chef eines Schrobenhausener Baukonzerns, zugleich Schatzmeister der CSU ist. Zunächst schienen die Verhandlungen mit dem Bundesverkehrsministerium im Sande zu verlaufen, da die Industrie eine Anschubfinanzierung von bis zu 71 Prozent gefordert hatte. Dagegen hatte Ramsauer sein Veto eingelegt. Jetzt ist zu hören, dass die Bauindustrie ein neues Modell vorgelegt hat mit einer Investitionssumme von rund 1,5 Milliarden Euro. Auch seien Banken für die Finanzierung gefunden, so dass der staatliche Anteil sehr viel geringer ausfallen könnte. Als Zielmarke nennt Erwin Huber „maximal zehn Prozent“. Huber gegenüber unserer Zeitung weiter: „Es wird noch in diesem Jahr Gespräche zwischen Staatsregierung, Deutsche Bahn und Ramsauer geben.“

Offen ist noch, wie sich das private Kapital amortisieren würde – vielleicht sollen die Trassenentgelte, die sonst DB Netz zufallen, an die Industrie fließen. Auf Drängen von Huber hat die CSU-Landtagsfraktion auf ihrer Klausur im Kloster Banz vergangene Woche das PPP-Modell auf der Mühldorfer Schienenstrecke einstimmig empfohlen.

Von Dirk Walter und Markus honervogt

Meistgelesen

Vermisste Malina: Zeuge meldet sich auf Facebook
Vermisste Malina: Zeuge meldet sich auf Facebook
Ende einer Ära: Eibsee-Seilbahn wird ausgemustert
Ende einer Ära: Eibsee-Seilbahn wird ausgemustert
Landwirt stirbt in Biogasanlage
Landwirt stirbt in Biogasanlage
An diesen Orten in Bayern geht heute das Licht aus
An diesen Orten in Bayern geht heute das Licht aus

Kommentare