"Jesus hat auch eine Kasse gehabt"

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Der Puma-Vorstandsvorsitzende Jochen Zeitz (r.) und Pater Anselm, der wirtschaftliche Leiter des Benediktinerklosters Münsterschwarzach, in München.

München - Auf den ersten Blick haben Puma-Chef Jochen Zeitz und Benediktinermönch Anselm Grün nicht viel gemeinsam. In ihrem neuen Buch "Gott, Geld und Gewissen" wollen sie aber zeigen, dass Gott und Geld, Kirche und Kommerz sich nicht ausschließen müssen.

Selbst der Sohn Gottes hat aufs Geld geschaut. Das sagt zumindest Benediktinermönch und Bestseller-Autor Anselm Grün. "Jesus hat auch eine Kasse gehabt", sagte er am Mittwoch bei der Vorstellung des Buches "Gott, Geld und Gewissen - Mönch und Manager im Gespräch" in München.

Wenn Jesus zum Beispiel Vorträge gehalten habe, habe er das sicher nicht umsonst getan. Dass Gott und Geld, Kirche und Kommerz kein Gegensatz sein müssen, das wollen Grün und der Puma-Vorstandsvorsitzende Jochen Zeitz in diesem neuen Buch zeigen, das am Montag (13. September) erscheint. Auf mehr als 200 Seiten diskutieren sie Fragen der Unternehmensethik und philosophieren über ein neues Wirtschaftssystem. "Ich kenne keine Religion, wo Geld nicht irgendeine Rolle spielt", sagte Grün.

Den Luxus, drei Stunden am Tag in der Kirche zu verbringen, müsse man sich auch erst einmal leisten können. Das Geld dürfe aber nicht zum beherrschenden Element im Leben werden, betonte Grün, der die wirtschaftlichen Geschicke seiner Abtei Münsterschwarzach in Unterfranken leitet. Genau so sieht das auch Top-Manager Zeitz, der seit 17 Jahren an der Spitze des fränkischen Sportartikelherstellers Puma steht und mit 30 Jahren zum jüngsten Vorstandsvorsitzenden eines börsennotierten deutschen Unternehmens wurde. Eine Woche verbrachte er als "Mönch auf Zeit" in Grüns Kloster. Er wollte "entschleunigen". "Der Sonntag ist mir in den letzten Jahren nicht sehr heilig gewesen", gab er zu. Konzerne dürften nicht nur auf den Profit schielen, sagte Zeitz. "Unternehmen müssen auch Bewusstsein beim Verbraucher schaffen" -Bewusstsein für Fragen des Umweltschutzes zum Beispiel. Und das gelte, egal in welcher Verfassung sich das Unternehmen befinde. "Ethik ist nicht eine Frage der Situation", betonte Zeitz. Grün und Zeitz lernten sich vor zwei Jahren bei einer Diskussionsveranstaltung in Nürnberg kennen.

Seitdem haben sie sich immer wieder getroffen und ausgetauscht. Leise Zweifel hätten sich bei Pater Anselm wegen des Puma-Geschäftes in China gemeldet. "Wir haben mal diskutiert über chinesische Fabriken", sagte Grün. "Da war eine gewisse Skepsis." Die habe Zeitz aber, der selbst einräumte, sein Unternehmen arbeite "auch heute noch nicht nachhaltig", größtenteils ausräumen können. Zum Puma-Kunden wird der Mönch allerdings trotzdem nicht. Kleidung bekomme er immer geschenkt. "Ich kaufe nie etwas", sagte er.

dpa

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