Prognose für 2020: Fast jeder Vierte mit Migrationshintergrund

München - Auf dem Höhepunkt der Integrationsdebatte stellen Bayerns Statistiker fest: 2020 wird jeder vierte Bayer einen Migrationshintergrund haben. “Überfremdung“ - würde Sarrazin sagen. Innenminister Herrmann spricht von der “Herausforderung“ Integration.

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Im Jahr 2020 wird einer neuen Prognose zufolge fast jeder vierte Einwohner Bayerns einen Migrationshintergrund haben - 23 Prozent der bayerischen Bevölkerung. Das geht aus einer Vorausberechnung des Bayerischen Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung hervor, die Innenminister Joachim Herrmann und Sozialministerin Christine Haderthauer (beide CSU) am Montag in München vorstellten. Schon heute habe knapp jeder fünfte Bayer (19 Prozent) einen Migrationshintergrund.

“Eine weitere massenhafte Zuwanderung würde die Integrationsfähigkeit unseres Landes überfordern“, sagte Herrmann. “Vielmehr muss im Vordergrund die Integration der bereits hier lebenden Migranten stehen. Das ist eine große Herausforderung.“

Für die kommenden zehn Jahre wird ein Bevölkerungswachstum im Freistaat von rund 1 Prozent auf 12,7 Millionen Einwohner prognostiziert. “Die Zunahme wird dabei weitgehend von den Personen mit Migrationshintergrund getragen“, sagte der Minister. Bei ihnen werde ein Anstieg von 23 Prozent auf fast 3 Millionen erwartet, während die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund gleichzeitig um 4 Prozent auf 9,7 Millionen zurückgehen werde. “Die Personen ohne Migrationshintergrund verlieren entsprechende Bevölkerungsanteile“ - von 81 Prozent im Jahr 2007 auf 77 Prozent im Jahr 2020.

“Es geht nicht um eine Überfremdung, aber wir müssen die Integration ernst nehmen“, betonte Herrmann und bezog sich damit auf die umstrittenen Thesen des ehemaligen Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin, die einmal mehr eine Integrationsdebatte in Deutschland angefacht hatten.

Der Anstieg des Migrantenanteils sei mit Herausforderungen verbunden, denen sich auch die Sicherheitspolitik stellen müsse. Jugendliche Migranten seien überdurchschnittlich oft an Straftaten beteiligt, sagte Herrmann und stellte auch Bezüge zur Religion her. “Es ist unübersehbar, dass wir unter denen, die nicht integriert sind, einen weit überproportionalen Anteil an Muslimen haben.“ Er forderte Einwanderer auf, sich bestmöglich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. “Es wird bei uns Deutsch gesprochen und es gelten unsere Gesetze und Regeln.“

Sozialministerin Haderthauer betonte dagegen auch die Verantwortung der deutschen Gesellschaft. “Dieses innere Ja zu einer Gesellschaft kann nur entstehen, wenn die Gesellschaft auch zu Dir ja sagt.“ An der deutschen Sprache gehe aber nichts vorbei. Sie sei eine “Bürgerpflicht“. “Multikulti ist das größte bundespolitische Integrationshindernis der letztes Jahre“, sagte Haderthauer - auch in Richtung Berlin.

“Bayern ist nicht Berlin“, meinte sie. Im Freistaat funktioniere die Integration von Ausländern deutlich besser. Sie wünsche sich, dass auch Integrationserfolge hervorgehoben werden. Viele Menschen mit ausländischen Wurzeln seien heute auch Leistungsträger unserer Gesellschaft.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick warnte vor einer Verengung der Integrationsdebatte auf Ausländer. Mangelhaft integriert seien auch viele Deutsche. “Arm und Reich driften auseinander, auch Behinderte, Langzeitkranke, Alte und kinderreiche deutsche Familien sind zu wenig integriert“, gab Schick in einer Mitteilung zu bedenken. “Sich über Sarrazin zu entrüsten, ihn rauszuschmeißen und dann zur Tagesordnung überzugehen, wäre fatal. Nachdenken und Handeln im Sinn einer gemeinwohlorientierten Integration ist gefordert“, erklärte der Erzbischof.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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