Prozessauftakt: Wer hat den Häftling in Straubing ermordet?

Regensburg/Straubing - Rund 20 Gefangene in einer 12 Quadratmeter großen Gefängniszelle - es muss bei der Tat sehr eng gewesen sein. Zwei Gefangene sollen dort einen anderen ermordet haben. Zum Prozessauftakt schweigen die beiden Hauptangeklagten.

Vor dem Regensburger Landgericht hat am Mittwoch der Prozess um den Mord an einem Häftling im Straubinger Gefängnis begonnen. Die beiden 44 und 40 Jahre alten Hauptangeklagten schwiegen am ersten Verhandlungstag zunächst. Einer der beiden kündigte aber an, zu einem späteren Zeitpunkt eine Aussage zu machen. Die beiden Männer sollen im Oktober 2008 in einer Zelle ihren Mithäftling ermordet haben, nach Auffassung der Staatsanwaltschaft vermutlich mit zum Teil selbst gefertigten Messern. Der Mann erlag später seinen Verletzungen.

Auslöser für die Tat soll ein Streit um die Gemeinschaftskasse eines Gefangenen-Clans gewesen sein. Der 44-Jährige war laut Anklageschrift der Kopf des Clans, der die Kasse verwaltete. Der Getötete soll ihm vorgeworfen haben, Geld der Gemeinschaft für private Zwecke zu verwenden. Um seinen Einfluss nicht zu verlieren, soll der Anführer gemeinsam mit dem 40-Jährigen beschlossen haben, den Mann zu töten. Bei der Messerstecherei in der Zelle wurde auch ein weiterer Mann schwer verletzt. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft versuchte der 40 Jahre alte Angeklagte, ihn zu töten.

Auch die Mitangeklagten trugen Waffen bei sich

Die zwei 28 und 30 Jahre alten Mitangeklagten wussten der Staatsanwaltschaft zufolge von dem Mordplan und trugen ebenfalls Waffen bei sich. Nach der Tat sollen sie den lebensgefährlich Verletzten gemeinsam in einen Duschraum getragen und dort liegengelassen haben. “Ich wusste nicht, was ich machen sollte“, sagte der 28-Jährige am Mittwoch. Er habe den Gefangenen in den Duschraum begleitet, weil es diesem schlechtgegangen sei und dieser ihn darum gebeten habe. “Ich hatte keine Verletzungen bei ihm gesehen.“ Im Nachhinein wäre es besser gewesen, Hilfe zu holen, sagte er. “Es tut mir leid.“ Seinen Angaben zufolge brachte er ihn allein ins Bad.

Die Tat ereignete sich in der 12 Quadratmeter großen Zelle

Die Tat ereignete sich in seiner etwa 12 Quadratmeter großen Zelle. Mitglieder des Häftlings-Clans hätten sich täglich bei ihm zum Teetrinken getroffen, sagte der 28-Jährige. An dem Tag der Tat seien bei einer Auseinandersetzung, an der er nicht beteiligt gewesen sei, zunächst Blumentöpfe durch den Raum geflogen. An den Inhalt des Streits erinnere er sich nicht mehr. “Mich hatte niemand etwas gefragt, deshalb habe ich nur das gemacht, was ich musste: Tee umrühren.“

Die Gemeinschaftskasse habe sich stets in seiner Zelle befunden. Anders als die Staatsanwalt es darstelle, sei darin aber nur Tee und Tabak gewesen, kein Geld. Der 28-Jährige bestritt auch, dass der 44-Jährige der Anführer der Gruppe gewesen sei. “Alle waren gleich bei uns.“ Die vier Angeklagten sind inzwischen auf unterschiedliche Gefängnisse verteilt.

dpa

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