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Nach Missbrauchsgutachten und Falschaussage: Verliert Papst Benedikt seine Ehrenbürgerwürde in Regensburg?

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Papst Benedikt XVI. 2006
Papst Benedikt 2006 bei seinem Besuch in Regensburg. © Günter Staudinger

In Regensburg ist eine Diskussion über die Ehrenbürgerwürde des emeritierten Papstes Benedikt XVI. entbrannt. Hintergrund sind die Vorwürfe aus dem Missbrauchsgutachten.

Regensburg - Im Regensburger Stadtrat mehren sich Stimmen, die über die Ehrenbürgerschaft von Papst Benedikt XVI*. diskutieren wollen. 2006, als der frisch zum Papst gewählte Joseph Ratzinger die Domstadt besuchte, hatte Regensburg* ihn feierlich zum Ehrenbürger ernannt. Doch nach den Veröffentlichungen des Münchner Missbrauchsgutachtens steht diese Würde zur Disposition.

Regensburg: Missbrauchsgutachten bescheinigt Benedikt schwere Versäumnisse

Das Gutachten über den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen attestiert dem früheren Erzbischof von München und Freising schwere Versäumnisse. Zuletzt hatte der emeritierte Papst eingeräumt, in Zusammenhang mit dem Gutachten falsche Angaben gemacht zu haben. Es ging konkret um einen Missbrauchstäter, einen Pfarrer im Bistum, den Ratzinger dennoch erneut im Seelsorgebereich eingesetzt hatte.

Stefan Christoph, Chef der Grünen* im Regensburger Stadtrat und damit der größten Oppositionsfraktion hält angesichts dessen eine Diskussion über Ratzingers Ehrenbürgerwürde für mehr als geboten. „Wenn es Anhaltspunkte dafür gibt, dass ein Ehrenbürger diesen Titel nicht verdient hat, dann muss darüber diskutiert werden – das gilt auch für einen Papst“, so Christoph. Und die Informationen, die bislang öffentlich bekannt seien, „bieten mehr als genügend Anhaltspunkte, um mindestens darüber zu diskutieren.“

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Regensburgs Oberbürgermeisterin: Wir sind es den Opfern schuldig, die Ehrenbürgerschaft zu diskutieren.

Ähnlich hatte sich zuvor bereits Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD*) gegenüber dem Bayerischen Rundfunk geäußert. Den Opfern sexueller Gewalt sei unermessliches Leid zugefügt worden, so die OB. Man sei es ihnen deshalb schuldig, sich „zu gegebener Zeit“ mit der Frage von Benedikts Ehrenbürgerwürde auseinanderzusetzen. Jetzt sei es aber noch zu früh für eine Entscheidung, so Maltz-Schwarzfischer. Zunächst müssten die Verfahren innerhalb der Katholischen Kirche abgeschlossen sein. Am Ende müsse der Stadtrat über das Thema diskutieren und entscheiden.

Jürgen Eberwein, Chef der mitregierenden CSU*-Fraktion, will sich einer solchen Diskussion nicht verschließen. Allerdings gebe es dazu bei seiner Fraktion noch keine abgestimmte Position. Am Montag werde man sich zunächst im Koalitionsausschuss und anschließend bei der Sitzung der CSU-Fraktion dem Thema widmen.

Joseph Ratzinger war bis zu seiner Abberufung zum Erzbischof von München und Freising lange Jahre Theologieprofessor in Regensburg. Sein 2020 verstorbener Bruder Georg war Chef der Regensburger Domspatzen und Domkapellmeister. Ihm wurde in Zusammenhang mit Missbrauchsvorwürfen bei den Domspatzen bescheinigt, jahrelang untätig und an der Vertuschung beteiligt gewesen zu sein.

Missbrauchsvorwürfe: Kritik auch am Bischof von Regensburg

Kritik wird aktuell auch am Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer laut. Er hatte vergangenen Sonntag in seiner Predigt unter anderem erklärt, dass er den Eindruck habe, dass „die Kirche, und noch einmal personalisiert, Papst Benedikt, zum Sündenbock für ein gesamtgesellschaftliches Problem gemacht wird“. Hinter dem Münchner Gutachten und den Zeitpunkt seiner Veröffentlichung vermutet Voderholzer einen „weiteren Akt der Instrumentalisierung des Missbrauchs“.

Grünen-Fraktionschef Christoph sieht dahinter ein Ablenkungsmanöver. „Angesichts der bekannten Vorwürfe halte ich es nicht für besonders klug, wenn der Regensburger Bischof mit Verweis auf ein gesamtgesellschaftliches Problem versucht, diese zu relativieren.“ *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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