Bub (15) verprügelt - Prozess gegen Ex-Polizeichef

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Mit kaputten Zähnen und blutverschmiert kam der 15-Jährige aus der Rosenheimer Wache.

Traunstein - Der Fall erhitzte nicht nur in Rosenheim die Gemüter: Der damalige Polizeichef soll einen 15-Jährigen zusammengeschlagen haben. Nun steht der Täter bald vor Gericht.

Ein Jahr nach der Misshandlung eines 15-Jährigen auf dem Rosenheimer Polizeirevier wird dem mutmaßlichen Täter und Ex-Chef der Inspektion der Prozess gemacht. Die Verhandlung gegen den suspendierten Beamten werde wahrscheinlich am 13. September vor dem Landgericht Traunstein beginnen, hieß es am Dienstag in Justizkreisen. Die 2. Strafkammer wolle etwa vier Tage gegen den Ex-Polizeichef verhandeln und noch im September ihr Urteil verkünden.

Die Traunsteiner Staatsanwaltschaft hatte am 15. März Anklage wegen Körperverletzung im Amt gegen den 50-Jährigen erhoben. Der damalige Leiter der Rosenheimer Polizei soll den Jugendlichen nach einem Volksfestbesuch am Abend des 3. September 2011 auf dem Revier grundlos zusammengeschlagen haben.. Unter anderem soll der Beamte den Kopf des gefesselten Opfers mehrfach gegen die Wand geschlagen haben. Der 15-Jährige musste im Krankenhaus behandelt werden.

Ausgangslage der Schläge auf der sogenannten Wiesnwache - das Rosenheimer Herbstfest wird wie das Münchner Oktoberfest Wiesn genannt - war die Festnahme des 15-Jährigen wegen einer Schlägerei. Daran war der Schüler aber nach den Ermittlungen gar nicht beteiligt. Er wurde dennoch gefesselt und vom Polizeichef persönlich auf die Wache gezerrt.

„Auf dem Weg dorthin und anschließend auf der Wiesnwache soll der ehemalige Inspektionsleiter den 15-Jährigen wiederholt körperlich misshandelt haben“, schrieb die Staatsanwaltschaft bei der Anklageerhebung. „Bei dem Jugendlichen wurden eine Platzwunde an der Unterlippe, ein Bruch des linken oberen Schneidezahns, Schäden am Zahnschmelz zweier weiterer Zähne und ein Bluterguss am Schienbein festgestellt.“ Den Schulstart eineinhalb Wochen später erlebte der Bursche zu Hause - er war noch immer krankgeschrieben.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, den vorläufig suspendierten Beamten durch Zeugenaussagen - unter anderem von eigenen Kollegen - und durch Sachverständigengutachten der Tat überführen zu können. Für Körperverletzung im Amt sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren vor. Der Fall beschäftigte auch den Bayerischen Landtag. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kündigte die vollständige polizeiinterne Aufklärung bei der für Amtsdelikte zuständigen Abteilung im Polizeipräsidium München an.

Rosenheimer Polizisten sorgten noch in einem weiteren Fall für Schlagzeilen. Eine vierköpfige Familie, darunter ein pensionierter Polizist, wurde wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte angeklagt. Die Beschuldigten berichteten bei ihren Vernehmungen vor dem Rosenheimer Amtsgericht jedoch von einer regelrechten Gewaltorgie der Beamten bei dem Routineeinsatz im Herbst 2010. Der Richter stellte das spektakuläre Verfahren am 11. Mai wegen geringer Schuld der Angeklagten ein.

dpa

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