Um der Masken- und Testpflicht zu entgehen

Geheime Querdenker- und Reichsbürger-Schule in Bayern geschlossen - Regierung veröffentlicht neue Details

Im Landkreis Rosenheim wurde auf einem verlassenen Bauernhofgelände eine illegale Schule eröffnet. Die Regierung von Oberbayern griff ein und machte die Einrichtung dicht.

Update vom 23. September, 15.04 Uhr: Nach der Schließung der illegal eröffneten Ersatzschule auf einem ehemaligen Bauernhofgelände in Schechen, gab die Regierung von Oberbayern am Donnerstag neue Details bekannt. Laut dem Regierungssprecher Wolfgang Rupp wurden auf dem Anwesen Hinweise auf Gedankengut der „Querdenken- und Reichsbürgerbewegung“ gefunden. Ob allerdings die rund 50 Schüler und ihre Eltern dieser Szene zugeordnet werden können, stand zunächst nicht fest.

Der Bayerische Rundfunk hat indessen mit der Schulleiterin gesprochen. Die Frau wollte ihren Namen nicht nennen, bestritt aber, dass es sich um eine „Querdenker-Schule“ handle. Es sei eine russische Stiftungsschule. Unter den Eltern der Schüler befänden sich außerdem „unter anderem Kräuter- und Musik-Pädagogen, aber auch Schamanen“, berichtet der BR weiter.

Angebliche Querdenken-Schule wurde nur gegründet, um Kindern Masken- und Testpflicht zu ersparen

Die illegale Schule auf einem alten Bauernhof in Schechen (Landkreis Rosenheim) wurde jetzt von den Behörden geschlossen.

Der Grund für die Gründung der Schule liegt in der allgemeinen Masken- und Testpflicht an öffentlichen Schulen. Diese sollte den Kindern erspart werden. Deshalb wurden schon viele der Schüler vom Präsenzunterricht abgemeldet. Sie nahmen aber anscheinend regelmäßig am Distanzunterricht teil.

Eine angebliche Stiftung wollte den Angaben zufolge sogar Verträge mit den Eltern schließen, um deren Kinder gegen Bezahlung auf dem Bauernhof zu unterrichten. In einem Fall habe ein Elternteil das Kind daraufhin sogar offiziell von einer staatlichen Schule abgemeldet und an der nicht zugelassenen Privatschule angemeldet. „Das war strategisch etwas blöd“, sagte Rupp.

Erstmeldung vom 23. September, 11.12 Uhr: Schechen - Weil eine Gruppe in Schechen (Landkreis Rosenheim*) mit „dem System“ nicht einverstanden ist, hat sie auf einem verlassenen Bauernhof im Ortsteil Deutelhausen eine eigene Schule eröffnet. Aufgeflogen ist das Ganze, weil Nachbarn reges Treiben auf dem Gelände registriert hatten. Jetzt haben sich Vertreter der staatlichen Schulaufsichtsbehörde und des Landratsamts Rosenheim einen Überblick verschafft und Konsequenzen gezogen.

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Querdenken-Schule nahe Rosenheim? Behörden verbieten Unterricht auf Bauernhof

Immer wieder sah man auf dem Gelände in Deutelhausen Kinder und Jugendliche herumlaufen - und das, obwohl der ehemalige Bauernhof schon seit Jahren leer stand. „Wir wissen, dass da etwas ist. Aber noch nicht, was genau“, sagte Schechens Bürgermeister Stefan Adam. Jetzt gab es die Bestätigung, dass dort tatsächlich eine „nicht genehmigte Ersatzschule betrieben wurde“, heißt es auf der Homepage des Landkreises Rosenheim. Demnach sollen dort rund 50 Kinder und Jugendliche der Jahrgangsstufen eins bis neun unterrichtet worden sein. Dafür lag aber weder eine schulaufsichtliche Genehmigung noch eine baurechtliche Nutzungsgenehmigung vor, heißt es weiter. Für beide Genehmigungen wurde kein Antrag beim zuständigen Landratsamt gestellt.

Am Mittwoch wurde das Gelände von Beamten der Regierung von Oberbayern als staatliche Schulaufsichtsbehörde und vom Landratsamt Rosenheim als Bauaufsichtsbehörde in Augenschein genommen. Wenig später kamen sie zu dem Schluss, „den Betrieb einer privaten schulischen Einrichtung durch eine private Vereinigung in Schechen (Landkreis Rosenheim) mit sofortiger Wirkung“ zu untersagen. Einer dort angetroffenen Person wurde die Leitung und die Tätigkeit als Lehrkraft untersagt. Die Betreiberin des Schulbetriebs und der Grundstückseigentümer wurden die Untersagungsbescheide übergeben, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Sollte sich die Gruppe nicht an die Anordnungen halten, droht ihnen ein Zwangsgeld von bis zu 20.000 Euro.

Ersatzschule wäre wohl nicht genehmigungsfähig gewesen

Um eine private Schule in Bayern eröffnen zu können, braucht es zuvor eine staatliche Genehmigung. Dabei müssen die Lehrziele, die Einrichtung der sogenannten Ersatzschule und die Ausbildung der Lehrkräfte denen von öffentlichen Schulen entsprechen. Der Betrieb der Schule in Schechen wurde aber weder angemeldet, noch wurden irgendwelche Genehmigungen beantragt. „Die Regierung von Oberbayern hat in ihrem Bescheid ein überwiegendes öffentliches Interesse an der Untersagung festgestellt, da nach derzeitigen Erkenntnissen insbesondere nicht davon auszugehen ist, dass der Schulbetrieb genehmigungsfähig wäre“, heißt auf der Homepage weiter. Eine Reaktion der Betreibergruppe blieb zunächst aus. (tel) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

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