Salamander geehrt: Steinmeier fordert Kampf gegen Judenhass

Rachel Salamander
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Publizistin Rachel Salamander.

Rachel Salamander hat jüdisches Leben in Deutschland wieder sichtbar gemacht. Mit dem Heine-Preis bekam die Publizistin dafür am Sonntag eine hohe Anerkennung. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier warnt vor Antisemitismus - und die Preisträgerin sieht das ebenso.

Düsseldorf - Die Publizistin Rachel Salamander (72) hat am Sonntag den renommierten und mit 50.000 Euro dotierten Heine-Preis der Stadt Düsseldorf bekommen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier lobte Salamander als „Ermöglicherin des deutschen Geisteslebens“. Sie habe für viele Leser die literarische Welt begeh- und bewohnbar gemacht.

Die in München lebende Salamander hatte in der bayerischen Landeshauptstadt 1982 unter dem Namen „Literaturhandlung“ eine Fachbuchhandlung für Literatur zum Judentum eröffnet. Mittlerweile gibt es Zweigstellen in mehreren deutschen Städten. Mit ihren Buchhandlungen habe Salamander jüdische Autoren, deren Bücher einst verbrannt worden waren, in den Kanon deutscher Literatur zurückgeholt, hieß es in der Begründung der Jury.

Die brutale Vertreibung jüdischer Autoren in der NS-Zeit habe Deutschland einen nie wiedergutzumachenden Schaden und Verlust zugefügt, sagte der Bundespräsident. Doch auch in der Gegenwart und in der Kultur gebe es wieder einen als sogenannte Israelkritik verkappten Antisemitismus.

Die Erschütterung über den „aktuellen Hass“ müsse alle erfassen, forderte der Bundespräsident. „Wir haben die Pflicht zur Gegenwehr - nicht jeder für sich, sondern wir miteinander und füreinander.“ Der Bundespräsident sagte: „Heimat ist auch der Ort, an dem man jede Form von Rassismus und Antisemitismus bekämpft.“

„Nie hätte ich mir 1970 vorstellen können, ein Deutschland mit täglichem Antisemitismus erleben zu müssen“, sagte die Preisträgerin in ihrer Dankesrede. „Wegen Auschwitz“ seien die Juden in der Nachkriegszeit geschont worden - „ist die Schonzeit vorbei?“, fragte sie. „Heute sind wir Juden befangen, wir sind in der Defensive“. sagte Salamander.

Geboren wurde die Preisträgerin 1949 in einem „Displaced Persons Camp“ für Überlebende des Holocaust im bayerischen Deggendorf. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Romanistik an der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Seit 2015 ist die mehrfach ausgezeichnete Salamander Aufsichtsratsmitglied im Suhrkamp Verlag.

Der ursprünglich im Dezember 2020 geplante Festakt in Düsseldorf musste wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Die Verleihung fand im Schauspielhaus statt. Der alle zwei Jahre verliehene und mit 50 000 Euro dotierte Heine-Preis ist nach dem in Düsseldorf geborenen Dichter Heinrich Heine (1797-1856) benannt. Zu den Preisträgern gehören Carl Zuckmayer, Sebastian Haffner, Walter Jens, Max Frisch, Elfriede Jelinek, Amos Oz und Simone Veil. dpa

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