Bayern als Vorreiter

Schleierfahnder jagen Ganoven mit Tablet-PCs

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Hier überprüft ein Fahnder die Personalien eines Verdächtigen.

Raubling - Der technische Fortschritt greift nun auch auf den Polizeidienst über: Als erste Beamten in Deutschland gehen Bayerns Schleierfahnder mit Tablet-PCs auf Ganovenjagd.

So schlank wie die handelsüblichen Tablet-PCs kommt das neue CarPad der bayerischen Schleierfahnder nicht daher, dafür ist es aber robuster - und es funktioniert auch noch bei Tempo 200. Bei der Polizei hat die neueste Generation von mobiler Kommunikationstechnik Einzug gehalten.

Als erste Polizisten in Deutschland gehen Bayerns Schleierfahnder mit Tablet-PCs sauf Ganovenjagd. Für 1,8 Millionen Euro hat der Freistaat mehr als 400 sogenannte CarPads für den mobilen Einsatz entlang der Grenzen angeschafft. „Das ist ein Riesensprung nach vorne“, sagte Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU) bei der Präsentation der Tablet-PCs am Mittwoch in Raubling bei Rosenheim. Damit ist neben Abfragen beim Informationssystem der bayerischen Polizei auch ein automatisierter Fingerabdruckvergleich mit der Datenbank beim Bundeskriminalamt (BKA) möglich.

Ein Fahnder überprüft einen Fingerabdruck auf dem CarPad.

Eck betonte die Vorreiterrolle Bayerns bei der Nutzung von Tablet-PCs für die Schleierfahndung. Kein anderes Bundesland sei mit derart innovativer Technik ausgestattet. Trotz seiner Handlichkeit ist der eigens für die bayerische Polizei entwickelte Tablet-PCs mit 13-Zoll-Display robuster als vergleichbare Geräte, wie Projektleiter Klaus Herrmann vom Polizeipräsidium Unterfranken sagte. Versorgt wird er ausschließlich von Akkus, die bis zu acht Stunden Strom liefern. Der Akku-Wechsel sei im laufenden Betrieb möglich, so Herrmann. Das Tablet kann auch bei hoher Geschwindigkeit im Auto benutzt werden. „Der Schleierfahnder kann auf dem Beifahrersitz selbst bei Tempo 200 eine Abfrage durchführen“, versicherte der Computerexperte der Polizei. Um die Strahlenbelastung der Beamten im Auto zu verringern, werde das CarPad an die Außenantenne angeschlossen. Der Zugang zu den Abfragesystemen der Polizei ist nur mit persönlichen Kennwörtern möglich, wie Herrmann sagte. Bei Diebstahl eines Tablets könne das Landeskriminalamt (LKA) den Zugang sofort sperren.

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Für Staatssekretär Eck ist wichtig, dass die Tablets neben mehr Sicherheit für die Bevölkerung auch die Eigensicherung der Fahnder erhöhen. Denn es seien vor Ort rasch Informationen über die zu kontrollierenden möglichen Straftäter verfügbar. Als Beispiel nannte Eck gefährliche ansteckende Krankheiten von Gewalttätern. Mit dem CarPad sind auch Abfragen möglich, ob ein kontrolliertes Auto gestohlen wurde.

Die Tablets lösen die im Jahr 2000 bei der bayerischen Polizei eingeführten Car-PC der Fahnder ab, die technisch an die Fahrzeuge gebunden waren. Ein Problem haben freilich auch die nagelneuen CarPads: In einem Funkloch versagen sie ihren Dienst.

Was machen Schleierfahnder?

Schleierfahnder dürfen ohne konkreten Verdacht Menschen und Autos entlang der Auslandsgrenzen, auf den Fernstraßen sowie an Bahnhöfen und Flughäfen kontrollieren. Regelmäßig gehen den Zivilbeamten dabei Drogenkuriere, Schleuserbanden, oder auch gesuchte Mörder ins Netz.

Die Schleierfahndung ist eine bayerische Erfindung aus dem Jahr 1998, die andere Bundesländer längst übernommen haben. Sie heißt so, weil die Maßnahmen sich wie ein Schleier über die internationalen Reiserouten legen sollen.

Mit dieser besonderen Form der Fahndung sollte ein polizeiliches Gegengewicht zum Wegfall der Grenzkontrollen in Europa geschaffen werden. In den ersten zehn Jahren ermöglichten die Kontrollen mehr als 80 000 Fahndungserfolge.

lby

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