Mitarbeiter vor Gericht

Schloss Neuschwanstein: Vorwürfe zurückgewiesen

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Amtsgericht Kaufbeuren: Wegen Betrugs und Untreue auf Schloss Neuschwanstein müssen sich zwei Beamte an vor dem Amtsgericht Kaufbeuren verantworten.

Kaufbeuren - Im Prozess um finanzielle Unstimmigkeiten auf Schloss Neuschwanstein haben zwei ehemalige Mitarbeiter die Betrugsvorwürfe zurückgewiesen. Sie müssen sich seit Dienstag vor Gericht verantworten.

Rund 5000 Euro sollen zwei Schlossverwalter im Schloss Neuschwanstein der Bayerischen Schlösserverwaltung unterschlagen haben. Deshalb müssen sich die beiden Männer seit Dienstag vor dem Amtsgericht Kaufbeuren wegen Betrugs und Untreue in besonders schwerem Fall verantworten. Sie sollen Einnahmen von Sonderführungen im Märchenschloss von König Ludwig II. teilweise einbehalten und falsch abgerechnet haben. Es geht um 228 Fälle. Die beiden 66 und 42 Jahre alten Männer wiesen die Betrugsvorwürfe zum Prozessbeginn zurück.

Dem 66-Jährigen werden allein 227 Fälle in den Jahren 2007 bis 2010 vorgeworfen. Das einbehaltene Geld soll er nicht in die eigene Tasche gesteckt haben. Vielmehr sollen die Schlossführer nach Sonderführungen Barauszahlungen von jeweils 20 oder 25 Euro erhalten haben.

Diese direkte Entlohnung sei eine gängige Praxis, von der er zum Amtsantritt erfahren habe, ließ der 66-jährige Angeklagte zum Prozessauftakt über seine Verteidigerin erklären. Auch in anderen bayerischen Schlössern - etwa in Würzburg - sei die Barentlohnung nach Sonderführungen durchaus üblich gewesen. „Mein Mandant ist davon ausgegangen, dass die Hauptverwaltung diese Vorgehensweise toleriert.“

Ein Vertreter des Bezirkspersonalrats der Schlösserverwaltung stützte die Angaben des Angeklagten. Dass Barauszahlungen unversteuert an Mitarbeiter gegeben wurden, sei nicht nur auf Schloss Neuschwanstein „gang und gäbe“ gewesen, sagte der Zeuge. Das „Grundübel“ sei, dass zu wenig Personal vorhanden war, um den zusätzlichen Service von Sonderführungen zu bieten. Der Schlossverwalter habe nicht vorsätzlich, sondern nach bestem Gewissen gehandelt.

Gegen die beiden Angeklagten waren 2013 auf Antrag der Staatsanwaltschaft Kempten jeweils Strafbefehle wegen Betrugs und Untreue erlassen worden. Diese hatten Bewährungsstrafen von acht und elf Monaten sowie eine Wiedergutmachung des Schadens vorgesehen. Beide legten gegen die Strafbefehle Einspruch ein, dadurch kam es zum Prozess. Dieser wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.

dpa

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