Kripo ermittelt - Prüfung futsch

So dreist wollten Schüler ihre Abi-Noten manipulieren 

Straubing - Drei Gymnasiasten in Straubing brachen in ihre Schule ein, verbesserten ihre Abi-Noten am Schulcomputer – und wurden erwischt. Nun ermittelt der Staatsanwalt.

Manche Schüler nehmen für bessere Noten Nachhilfe, andere einen Dietrich. Drei junge Burschen im niederbayerischen Straubing entschieden sich für letztere Variante. Über Monate hinweg brachen sie in ihre Schule ein, verschafften sich Zugang zum Noten-Computer und verbesserten die Ergebnisse der Klausuren, die für ihr Abitur zählen sollten. Die Noten einer Mitschülerin korrigierten sie gleich mit nach oben. Wie erst jetzt bekannt wurde flogen sie deshalb im April von der Schule – kurz vor der Abi-Prüfung.

In den Weihnachtsferien 2011 brachen die Abiturienten, zwei 18 und 21 Jahre alt, einer minderjährig, das erste von mindestens drei Malen in das Straubinger Johannes-Turmair-Gymnasium ein. Trotz mehrerer verschlossener Türen innerhalb der Schule gelangten sie in den Raum, in dem der Noten-Computer stand. Darauf ist gespeichert, wann ein Schüler welche Note bekommen hat. Dieser Rechner ist mit den anderen Computern der Schule nicht verbunden, er hat auch keinen Zugang zum Internet. Ein klassischer Hacker-Angriff schied somit, aus, die Schüler mussten sich vor Ort Zugriff auf den passwortgeschützten Computer verschaffen.

Dabei gingen sie sehr geschickt vor. An den Türen hinterließen sie mit ihrem Dietrich so gut wie keine sichtbaren Spuren, zudem brachen sie meistens in den Ferien ein. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Niederbayern betont den professionellen Charakter der mehrfachen nächtlichen Schulbesuche. „Die wollten die Lage dort erst ausspähen. Da braucht es schon einiges an krimineller Energie.“ Um an das Passwort für den Computer zu kommen, installierten sie der Polizei zufolge keine spezielle Software, die etwa häufige Tastenkombinationen speichern könnte. „Sie brachten dort ein technisches Gerät zum Ausspähen des Passworts an“, sagte der Polizeisprecher. Ob es sich dabei um eine Mini-Kamera handelt, wollte er nicht sagen. Das Gerät sei aber legal und über das Internet zu bekommen. Christian Metken, der erst seit einem Jahr Schulleiter des Gymnasiums ist, fiel aus allen Wolken, als der Betrug im April dieses Jahres aufflog – fünf Monate nach dem ersten Einbruch. Bei einem Routine-Abgleich der Noten mit den schriftlichen Unterlagen der Lehrer sei die Manipulation aufgefallen. Der Straubinger Oberstaatsanwalt, der gegen die drei jungen Männer ermittelt, spricht hingegen von einem Gerücht, das in der Schule die Runde machte: „Die Einbrüche sind wohl einem Lehrer zu Ohren gekommen.“ Der überprüfte daraufhin die Noten.

Wie dem auch sei, die Schule verständigte im April jedenfalls die Polizei. „Wir haben einen Disziplinarausschuss einberufen und ausführlich pädagogisch erörtert, was mit den Schülern geschieht“, erzählt Metken. Seinen Angaben zufolge handelt es sich nicht einmal um schlechte Schüler. „Sie sind bislang nicht besonders aufgefallen.“

Die Lehrer sahen sich gezwungen, die Burschen der Schule zu verweisen – und sie nicht zur Abi-Prüfung zuzulassen. Die sollen sie nächstes Jahr an einer anderen Schule nachholen können. Laut Staatsanwalt wird der Fall noch diesen Monat dem Jugendgericht vorgelegt. Ermittelt wird unter anderem wegen Hausfriedensbruch, Ausspähung von Daten und Datenfälschung. Bereits im April wurden die drei Schüler mehrfach von der Polizei vernommen. Dabei zeigten sie sich geständig – das dürfte sich auf ihre Strafe mildernd auswirken.

Patrick Wehner

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