Schwammerl sprießen wie verrückt

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Vier auf einen Streich: Dieser Sammler hat im niederbayerischen Wiesenfelden Pracht-Steinpilze entdeckt. Der Steinpilz zählt zu den begehrtesten Sorten.

München - Genug mit der Wetter-Jammerei! Wir haben einen Super-Sommer – vielleicht nicht für’s Freibad, wohl aber für Schwammerl. Die wachsen wie wild. Die Geheimtipps.

Jetzt kommt’s. Josef Neumayr, ungekrönter Schwammerl-König, verrät gleich sein Geheimnis.

Wo stehen die prächtigsten Steinpilze, die feinsten Reherl und die fettesten Hennen? Neumayr, 69, sammelt sie schon länger als er lesen und schreiben kann. In einer Saison schleppt er in seinem Kretzen schon mal 500 Pfund heim ins Restaurant seines Sohns, das „Johannas“ in München-Großhadern. Gerade wachsen sie besonders gut, das trockene Frühjahr, der nasse August – das mögen die Schwammerl. Höchste Zeit auszupacken, Herr Neumayr.

Das perfekte Pilz-Wetter

Ungekrönter Schwammerl-König: Josef Neumayr.

Erstmal erklärt er das perfekte Pilz-Wetter. Dieser Sommer ist ein Jammer, sagen viele. „Gar nicht wahr“, sagt Neumayr. Er macht Luftsprünge, wenn er in der Früh aus dem Fenster

schaut und es schüttet. Gummistiefelwetter. Dann marschiert er am liebsten durch den Wald. Erstens, weil dann weniger Hobby-Schwammerlsucher unterwegs sind, die Krawall machen. Zweitens, weil dann die Schwammerl wachsen wie der Teufel. „Messer, Korb, Hut und i – mehr brauch i ned“, sagt der Schwammerl-Fex. Dann fährt er in die Gegend um den Starnberger See, den Ammersee oder gleich um die Ecke, in den Forst von Sauerlach. Dort kennt er jede Lichtung, jeden Baum.

Sein Vater, ein wandelndes Pilz-Lexikon, nahm ihn das erste Mal mit in die Schwammerl, da war er gerade mal vier Jahre alt. Der kleine Josef sog gierig jedes Wort auf. Jetzt kennt er an die 100 Sorten, sagt er. Jetzt verrät er seinen Söhnen und Enkelkindern die Tricks. Den höllisch bitteren Gallenröhrling mit dem Steinpilz verwechseln – das passiert nur den Anfängern, Josef Neumayr sagt „Magenauspumperer“ zu ihnen. Exemplare, die Banausen links liegen lassen, machen ihm eine Riesen-Freude: Stockschwammerl, Semmelstoppelpilze und Samtfußrüblinge. Oder der Parasol: „Paniert, dazu einen Salat. Mein Lieblingsgericht“, sagt der 69-Jährige. Auch fein: Reherl, ganz einfach, in Butter angebraten, mit ein bisserl Speck, dazu eine Scheibe Brot – „der Wahnsinn“. Er kommt ins Schwärmen.

Das Schwammerl-Suchen ist für den Münchner keine Trophäen-Jagd, sondern Ruhe, Konzentration, Meditation. Er stöhnt genervt, wenn er von Sammlern auf Selbstversorger-Trip erzählt, die keine Ahnung haben – und den Wald kaputt machen. „Manche reißen um einen Steinpilz herum fünf Quadratmeter Moos raus“, schimpft er. So einer darf mit einem saftigen Anpiff rechnen. Meistens hilft’s was. Er selbst geht respektvoll mit den kleinen Schätzen um, für ihn sind sie Geschenke der Natur: Mit dem Zeigefinger fährt er einmal vorsichtig um den Stiel, dann schneidet er den Pilz ganz unten ab. Das Loch deckt er wieder zu. So wachsen sie wieder, sagt er. Wenn sie mögen. Weil ein bisschen Zauber steckt schon dahinter. Schon mehrfach ist es dem 69-Jährigen passiert, dass er in aller Frühe an einschlägigen Plätzen nichts gefunden hat. Und ein paar Stunden später, am Nachmittag, stand da ein Pracht-Pilz. „Das ist Magie.“

Mit einem leeren Körberl ist Neumayr noch nie heimgekommen. Irgendwas wächst immer, sagt er. Zur Zeit vor allem Steinpilze, netzstielige Hexenröhrlinge, Speise-Reizker, Rotkappen und krause Glucken. Neumayr mag’s gern gemischt, 20 bis 25 Sorten hat er schnell beinander. Jetzt aber, Herr Neumayr, Hand aufs Herz. Wo gibt’s die Schwammerl-Garantie? Neumayr lacht, hämisch fast. „Des sog i freilig ned.“ Höchstens ein paar Tipps – viel Licht, ein sanfter Hang, Hochwald. Und das ganze bei einer guten Mischung aus Wärme und Luftfeuchtigkeit. Sein Geheimnis: „Für die Schwammerl, da musst a alter Fuchs sein.“

Pilzberatung:

Während der Pilzsaison (Ende Juli bis Mitte Oktober) bietet der Verein für Pilzkunde München e.V. jeden Montag (außer an Feiertagen) im Rathaus am Münchner Marienplatz eine Pilzberatung an. Uhrzeit: 10 bis 13 Uhr und 16.30 bis 18 Uhr.

 Carina Lechner

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