Angeklagter schweigt zu Vorwürfen

143 sexuelle Übergriffe: Bäcker vor Gericht

Augsburg - Hat er seine Mitarbeiterinnen mehrfach sexuell belästigt? Die Aussagen im Verfahren gegen einen Bäckermeister aus dem nördlichen Landkreis sind widersprüchlich.

In insgesamt 143 Fällen soll der 59-Jährige Bäckermeister aus dem Landkreis Augsburg seine weiblichen Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben. Im Prozess vor dem Amtsgericht Augsburg, der am Donnerstag begonnen hat, belasten ihn, laut der Zeitung Augsburger Allgemeine, vier seiner Angestellten schwer. So auch eine ehemalige Azubi am ersten Verhandlungstag: Sie sagte aus von September 2006 bis Juli 2007 mindestens wöchentlich - auch unter der Kleidung - angefasst worden zu sein. Jedoch konnte sie sich auf Nachfrage nicht genau erinnern, wo die Belästigungen stattgefunden haben.

„Es gab keinen Monat, wo ich keine Angst vor ihm hatte“, sagte sie der Augsburger Allgemeinen. Es sei ihr so peinlich gewesen, dass sie sich auch niemandem anvertraut habe.

Eine andere Zeugin berichtet von Attacken während sie bei dem Bäckermeister angestellt war: Er habe ihr unter dem T-Shirt an die Brust gefasst, so die heute 43-Jährige vor Gericht. Besonders vor den Sonntagsdiensten habe sie sich gefürchtet, wenn sie mit ihm alleine arbeiten musste. Als sie mit Kolleginnen über die sexuelle Belästigung sprach, hätten ihr diese ebenfalls von Übergriffen erzählt. Dies konnte allerdings von den betroffenen Mitarbeiterinnen nicht bestätigt werden.

Angst den Arbeitsplatz zu verlieren

Weil sie schon über 50 Jahre alt war, sagte eine dritte Zeugin, die während der Aussage mit den Tränen kämpfte, habe sie geschwiegen: "Ich habe das nur erduldet, weil ich dachte, ich bekomme keine andere Arbeit mehr.“ Nachdem sie die Übergriffe bis zur Vorladung vor Gericht verdrängt und auch ihrem Mann nichts erzählt habe, sei sie nun in psychologischer Betreuung, berichtet die Augsburger Allgemeine.

In dem verworrenen Prozess gibt es allerdings auch Stimmen, die den 59-Jährigen Bäcker entlasten. So erklärten zwei langjährige Mitarbeiterinnen, dass es während der ganzen Zeit keine sexuelle Belästigung gegeben hätte. Unklar ist, laut der Zeitung, derzeit auch, ob den Widersprüchen zwischen Aussagen bei der Polizei und vor Gericht nicht unkorrekte Protokolle seitens der Polizei zugrunde liegen könnten. Licht ins Dunkel wird auch der Angeklagte nicht bringen: Er schweigt weiterhin zu den Vorwürfen.

Der Prozess soll am 5. Dezember fortgesetzt werden.

VF

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ gms

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