Missbrauchsprozess in Würzburg

Staatsanwaltschaft fordert drei Jahre Haft

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Dem katholischen Pfarrer aus Würzburg wird vorgeworfen, einen Buben mehrfach sexuell missbraucht zu haben.

Würzburg - Ein katholischer Pfarrer muss sich derzeit vor Gericht für den sexuellen Missbrauch eines Buben verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat nun das geforderte Strafmaß verkündet.

Im Würzburger Missbrauchsprozess gegen einen katholischen Priester hat die Staatsanwaltschaft eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und vier Monaten gefordert. Der 58 Jahre alte Geistliche hatte gestanden, sich wiederholt am Sohn seiner Haushälterin vergangen zu haben. „Er ist die Schutzperson und er missbraucht diese Stellung über mehrere Jahre“, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Trapp am Donnerstag. Die Übergriffe aus den 1990er Jahren hätten noch heute Folgen für das Opfer.

Die Verteidigung plädierte vor dem Landgericht Würzburg dafür, die Strafe zur Bewährung auszusetzen. „Er hat darauf verzichtet, alles zu bestreiten“, sagte der Anwalt des Ordenspaters.

Ein Gutachter stufte den 58-Jährigen als schuldfähig ein. Er habe pädophile Züge, aber keine schwere sexuelle Störung, erklärte der Psychiatrie-Professor Henning Saß. Er sehe keine deutliche Gefahr, dass sich Übergriffe auf Kinder wiederholen könnten.

Opfer ist der Sohn einer früheren Freundin des Pfarrers

Das Gericht stellte das Verfahren am Donnerstag in drei Anklagepunkten vorläufig ein. Letztlich legte die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten noch neun Fälle sexuellen Missbrauchs zur Last, der Bub soll dabei zwischen sechs und neun Jahre alt gewesen sein. Der heute 25-Jährige ist der Sohn einer früheren Freundin des Priesters, die zeitweise als seine Haushälterin gearbeitet und mit ihren beiden Kindern in dessen Pfarrheim im Landkreis Main-Spessart gelebt hatte.

Das Opfer hat das Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus. Der junge Mann schilderte vor Gericht, wie er noch heute unter den Übergriffen leide. Eine Gutachterin berichtete von Depressionen, Verlustängsten und der Schwierigkeit, Vertrauensbeziehungen aufzubauen. Allerdings sei nicht klar zu sagen, inwieweit dies auf den Missbrauch zurückzuführen ist, da die Taten so lange zurückliegen.

Das Urteil wird am Freitag erwartet. Eine offene Frage ist, wie die Selbstanzeige des Mannes zu werten ist. Der Geistliche hatte sich 2011 an einen Missbrauchsbeauftragten gewandt. Allerdings soll er nach Darstellung des Opfers zuvor erfahren haben, dass es ihn anzeigen wollte.

Der Ordenspater lebt derzeit in einem Kloster. Sein Orden hat ihm aufgegeben, sich von Veranstaltungen mit Kindern fernzuhalten, und ihm seelsorgerische Tätigkeiten untersagt. Missbrauchsvorwürfe gegen Geistliche hatten die katholische Kirche in Deutschland 2010 in eine schwere Krise gestürzt.

dpa

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