1,8 Kilo Kokain im Spind

6,5 Jahre Haft für Chef-Drogenfahnder

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Im Prozess gegen den ehemaligen Leiter der Drogenfahndung in Kempten hat die Staatsanwaltschaft am Montag sieben Jahre Haft gefordert.

Kempten - Sechseinhalb Jahre: Solange muss der ehemalige Leiter der Drogenfahndung Kempten in Haft. Er sagte aus, das Kokain in seinem Dienstschrank für sich selbst verwendet zu haben.

Jahrelang war er für die Drogenbekämpfung im Allgäu zuständig. Jetzt wurde Kemptens ehemaliger Chef-Drogenfahnder zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. 1,8 Kilo Koks hatte er für den privaten Gebrauch gehortet. Die Herkunft der Drogen blieb in dem Prozess ungeklärt.

Der Skandal bei der Kemptener Polizei hatte vor einem Jahr für Schlagzeilen gesorgt: Ausgerechnet beim obersten Drogenfahnder wurden 1,8 Kilo Kokain gefunden. Am Montag wurde Kriminalbeamte zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Landgericht Kempten sprach ihn unter anderem wegen Drogenbesitzes, gefährlicher Körperverletzung und Vergewaltigung seiner Ehefrau schuldig. Mit dem Urteil hielt es sich an eine zwischen den Verfahrensbeteiligten ausgehandelte Vereinbarung. Für den Fall eines Geständnisses war ein Strafrahmen von sechseinhalb bis sieben Jahren festgelegt worden.

Nach einem Jahr und drei Monaten in Haft soll der Verurteilte in eine Entziehungsanstalt verlegt werden. Wie der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung sagte, besteht bei dem 53-Jährigen der Hang zu übermäßigem Konsum von Alkohol, Drogen und Medikamenten. Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis es dazu kommen würde, dass er im berauschten Zustand eine Straftat begeht.

In der Nacht zum 15. Februar 2014 hat der Angeklagte seine Frau im gemeinsamen Haus im Oberallgäu gewürgt und vergewaltigt. Noch in der selben Nacht war er von Polizeibeamten in seinem Auto gestoppt und festgenommen worden. Dabei war er mit knapp 1,5 Promille erheblich alkoholisiert und stand unter dem Einfluss von Medikamenten. Später entdeckten die Kollegen in seinem Dienstschrank das Kokain. Es war es nicht das erste Mal, dass der Angeklagte seine Frau angegriffen hat. Bereits wenige Wochen zuvor hatte er sie gewürgt und geschlagen. Auf der Flucht vor ihrem Ehemann stürzte sie vom Balkon aus dem ersten Stock und verletzte sich dabei an der Wirbelsäule.

Die zentrale Frage des Verfahrens, wie der Angeklagte an die Drogen gelangte, konnte nicht abschließend geklärt werden. Der Angeklagte hatte zum Prozessauftakt ein Geständnis abgelegt. Er habe das bei ihm gefundene Kokain für sich verwenden wollen. Es sei ihm zu dienstlichen Zwecken überlassen worden - „insbesondere für Schulungszwecke“, sagte er. Zur Herkunft machte er jedoch keine Angaben. Sein Erinnerungsvermögen sei durch den Konsum von Drogen, Medikamenten und Alkohol beeinträchtigt.

Gegenüber einer Ermittlungsbeamtin des Landeskriminalamtes hatte er angegeben, das Kokain vor etwa zehn Jahren von der Staatsanwaltschaft erhalten zu haben. Eine entsprechende Herausgabe an den Beamten aus der Asservatenkammer sei aber nicht dokumentiert. Das Gericht hält es dennoch für „nicht ausschließbar“, dass der Angeklagte das Kokain so erhalten hat, wie er es dargestellt hat.

Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre Haft beantragt, die Verteidigung forderte sechseinhalb Jahre. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. In seinem Schlusswort sagte der Angeklagte, dass ihm die Taten leid tun. „Ich bitte um eine zweite Chance.“ Bereits vor Prozessbeginn hatte ein Täter-Opfer-Ausgleich stattgefunden. 35 000 Euro hat der Angeklagte an seine Ehefrau gezahlt.

dpa

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