Nach umstrittener Werbe-Aktion

Sixt-Chef entschuldigt sich per Brief bei Mollath

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Erich Sicht hat sich bei Gustl Mollath entschuldigt.

Nürnberg - Die Protestwelle war am Ende wohl größer als der erhoffte Werbeeffekt. Schon einen Tag nach der Veröffentlichung einer umstrittenen Werbeanzeige mit dem Porträt Gustl Mollaths machte der Autovermieter Sixt einen Rückzieher.

Der Unternehmer Erich Sixt hat sich nach massiver Kritik an einer Werbeanzeige bei dem aus der Psychiatrie entlassenen Gustl Mollath entschuldigt. Sixt stehe seit jeher für eine provokante und polarisierende Werbung, die aktuelle Sachverhalte in satirischer Form aufgreift, teilte die Sixt SE am Dienstag in München mit. Grundsatz dabei sei jedoch, dass die Betroffenen nicht in ihren persönlichen Gefühlen verletzt oder herabgewürdigt würden. Diesem Grundsatz sei die am Vortag in der „Süddeutschen Zeitung“ abgedruckte Sixt-Werbeanzeige mit dem Porträt Mollaths nicht gerecht geworden. Die Anzeige werde nicht weiterverbreitet. Die Sixt-Anzeige in der „Süddeutschen Zeitung“ (Montag) zeigt ein Porträt des 56 Jahre alten Nürnbergers mit dem Text: „Wenn hier jemand verrückt ist, dann der Sixt mit seinen Preisen“. Mollaths Anwalt Gerhard Strate hatte sich ebenso wie sein Mandant von der Anzeige überrascht gezeigt und presserechtliche Schritte gegen den Autovermieter angekündigt.

Auch der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW) ging auf Distanz zu der Sixt-Anzeige. Beim Deutschen Werberat als dem Selbstkontrollorgan der Branche seien bereits erste Beschwerden aus der Bevölkerung eingegangen, sagte ZAW-Sprecher Volker Nickel.

Unabhängig von der moralischen Beurteilung der Anzeige stelle sich dem Zentralverband die Frage, ob das Unternehmen mit der Anzeige womöglich irreführende Werbung betrieben habe, sagte Nickel der Nachrichtenagentur dpa. „Denn wir haben den Eindruck, dass das in der Anzeige veröffentlichte Zitat gar nicht von Mollath stammt.“ In einem solchen Fall könnte das Unternehmen gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verstoßen haben. Es habe möglicherweise versucht, sich mit einem falschen Zitat und der damit erreichten Aufmerksamkeit einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen.

Eine moralische Frage ist nach Einschätzung des Branchenvertreters, ob es redlich sei, einen „Rechtsverstoß in der Hoffnung zu unternehmen, dass sich der Betroffene schon nicht dagegen wehren werde, weil er nicht als humorlos erscheinen möchte“, gab Nickel zu bedenken. Möglicherweise seien mit der Anzeige auch Persönlichkeitsrechte Mollaths verletzt worden.

Im Internet hat die Werbung unterdessen einen Proteststurm losgetreten. Auf der Facebook-Seite des Autovermieters kritisierten zahlreiche Nutzer die Anzeige als geschmacklos. Bis zum Dienstagvormittag waren dort mehrere hundert Kommentare empörter Bürger eingegangen. Es sei unglaublich, mit einem potenziellen Justizopfer Werbung zu machen, schrieb einer. Bei Twitter gehörte die Anzeige zu den meistdiskutierten Themen des Tages. Gefallen fand kaum einer an der Anzeige mit Gustl Mollath.

Kritisch sieht auch die Medienethikerin Professor Johanna Haberer die Sixt-Anzeige. Sie nannte die Anzeige ein „satirisches Spiel mit Herrn Mollaths möglicher Erkrankung“. Sollte dessen Bild tatsächlich ohne dessen Einverständnis verwendet worden sein, läge eine Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte vor. Mollath unterscheide sich in jedem Fall von Prominenten. „Im Unterschied zu Lafontaine und Bohlen ist Herr Mollath - unabhängig vom Ausgang eines weiteren Verfahrens - gerade bescheinigt worden, dass er Opfer eines Gerichtsverfahrens wurde, bei dem seine Grundrechte verletzt wurden.“

dpa

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